Ausstellung Farben ziehen den Betrachter ins Bild hinein

Ausstellungseröffnung bei Immobilien Reutter (von links): Dagmar Waizenegger, Hilde Müller und Uwe Reutter.
Ausstellungseröffnung bei Immobilien Reutter (von links): Dagmar Waizenegger, Hilde Müller und Uwe Reutter. © Foto: Ralf Ott
Münsingen / Ralf Ott 14.04.2018

Unter der Überschrift „Stille und Klang“ zeigt die Münsinger Künstlerin Hilde Müller eine Auswahl ihrer Ölbilder in den Büroräumen von Reutter Immobilien. „Seit mehr als zehn Jahren bieten wir Künstlern aus der Region eine Plattform, um ihre Werke zu zeigen“, sagte Firmenchef Uwe Reutter bei der Vernissage am Mittwochabend vor rund 50 Gästen. Hilde Müller stellt die Farbe in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. „Ihre Ausdruckskraft wirkt unterschiedlich auf die Menschen“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung, „und ich möchte mit den Leuten ins Gespräch kommen“. Ein rascher Blick auf die in vielen Farbschichten sorgfältig komponierten Werke genügt freilich nicht, um ihre Wirkung zu spüren. „Man muss sich Zeit nehmen und die Bilder auf sich wirken lassen“, empfiehlt die Künstlerin. In den gezeigten Werken spiegelt sich für sie die Vielfalt menschlicher Gefühle, die von der „Lust am Leben“ bis hin zur „Traurigkeit“ reichen. „Im Alter geht der Blick eher nach innen“, erzählt sie und kündigt an, dass  ihre jetzige 15. Ausstellung „meine letzte sein wird“.

Die Tübinger Kulturamtsleiterin und frühere Münsinger VHS-Chefin Dagmar Waizenegger verglich die Arbeit von Hilde Müller mit der Poesie eines Joseph Eichendorff: So wie es der Dichter schaffe, mit der richtigen Wortwahl den Leser zu berühren und ihm die Schönheit, die den Dingen eigen ist, zu vermitteln, bringe sie die „Farben zum Klingen“ und eröffne dem Betrachter damit einen anderen Blick auf die Welt. Zugleich lässt sie der Stille genügend Raum, um sich zu entfalten. Der „Klang“ in den Werken erzeuge keine konkreten Töne, vielmehr wirke die Farbe  wie ein Klang. „Das Optische und das Akustische verschmelzen als zwei Sinnesbereiche ineinander“. Das „innere Hören und Sehen“ sei als „Postulat der Romantik“ in der abstrakten Malerei des 20. Jahrhunderts zum Höhepunkt gekommen. „Wassiliy Kandinsky hat bahnbrechend Farben mit Musik und Instrumenten verglichen und verbunden“, sagte Waizenegger. Er habe ein helles Blau mit der Flöte assoziiert und Dunkelblau mit der Bassgeige. „Blau spielt auch bei Hilde Müller als Farbe der Ruhe und Spiritualität eine wichtige Rolle“. In ihrem Werk „Klang des Wassers“ werde der Betrachter durch die Linienführung regelrecht „ins Bild hineingezogen“. Auch bei dem eindrucksvollen Bild „Klang der Nacht“ – das Müller selbst als ihr Lieblingswerk bezeichnet – werde der Betrachter durch die blauen Töne im unteren Drittel ins Bild hineingezogen, während graue und schwarze Töne im oberen Teil dominieren – kontrastierend mit wenigen, filigran ausgeführten roten Linien.

Die Werke von Hilde Müller entstehen durch einen vielschichtigen Farbauftrag mit einer ganz bewussten Farbwahl. „Es ist schwierig, dabei Übergänge zu finden, doch Hilde Müller gelingt das sehr gut“, sagte Waizenegger. Neben Blau spielt Rot in seiner Vielfalt für Müller eine große Rolle. In ihrem Werk „Vivace“ reicht das Spektrum von Gelb über Orange bis zu dunklem Rot. „Die Wirkung ist lebhaft und lebendig, eben so wie es die Tempobezeichnung in der Musik auch ausdrückt“, so Waizenegger.

Mit dem Titel ihrer Werke biete die Künstlerin dem Betrachter einen Einstieg an und lasse ihm zugleich den notwendigen Freiraum, um den persönlichen Dialog mit dem Bild zu führen. Müller stamme aus einer „künstlerisch geprägten Familie“ und sie habe „mit über 50 aus einer inneren Notwendigkeit heraus mit dem Malen begonnen“, berichtete Waizenegger. Für die äußeren und tatsächlich hörbaren Klänge bei der Vernissage sorgte Nina Speidel am Saxophon.

Info Die Ausstellung „Stille und Klang“ mit Werken von Hilde Müller ist bis zum 8. Juni zu den Öffnungszeiten von Immobilien Reutter zu sehen: Von Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

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