Engstingen Erst Industriekauffrau, danach Lehrerin und Schulleiterin

Schulleiterin Dorothea Koch geht zum Schuljahresende in den Ruhestand.
Schulleiterin Dorothea Koch geht zum Schuljahresende in den Ruhestand. © Foto: Privat
Engstingen / Reiner Frenz 21.07.2018
Den Wunsch, Lehrerin zu werden, hatte Dorothea Koch schon, als sie selbst noch Schülerin war.

Den Wunsch, Lehrerin zu werden, hatte Dorothea Koch schon, als sie selbst noch Schülerin war. Doch seinerzeit wollten die Eltern, die ein Gipsergeschäft hatten, dass sie aufs Büro soll, weshalb sie die Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte. In zwei Betrieben, darunter Wandel und Goltermann, arbeitete die Eningerin, die heute in Sirchingen zu Hause ist, legte das Europa-Diplom für Sekretärinnen ab – und musste erkennen, dass sie zu jung war, um eine Stelle aus Chefsekretärin zu erhalten.

Das führte bei ihr zum Entschluss, ab 1979 an der PH in Reutlingen zu studieren, Deutsch und Geschichte, und somit den Weg zum Lehrerberuf zu ebnen. Angelegt war das schon längst, erinnert sie sich, war sie doch durch ihre frühere Lehrerin Marianne Dreher geprägt worden, die mit positiver Autorität unterrichtete: „Mütterlich, aber streng“, so Dorothea Koch.

Zunächst kam sie nach Balingen an eine Grund- und Hauptschule, dann 1987 nach Bad Urach. Ein Schuljahr pausierte sie nach der Geburt ihres Sohnes. Nach 14 Jahren im Ermstal habe sie sich gesagt, dass doch noch etwas passieren sollte. Sie wechselte an die Freibühlschule nach Engstingen, wo sie von 2001 an wirkte. Zusammen mit Bärbel Seifert hatte sie unter Schulleiter Karl Oßwald das Konrektorat inne. Als dieser in den Ruhestand ging, bewarb sie sich auf die Rektorenstelle und erhielt diese auch.

Bärbel Seifert stand ihr weiter als Konrektorin zur Seite, außerdem Udo Kranich, der inzwischen Schulleiter in Mössingen ist. 15 Jahre wirkte die 63-Jährige als Schulleiterin, eine Zeit, in der es einige Umbrüche gegeben habe, wie sie betont. An der Grundschule habe man die pädagogischen Angebote verfeinert. Aktuell gibt es zwei Montessori-Züge und einen Regelzug, unter denen die Eltern wählen können.

Als Verbundschule – Grundschule, Hauptschule und Realschule – habe man pädagogisch hervorragende Möglichkeiten  für die Entwicklung der Kinder bieten können. Wenn sich beispielsweise ein Kind nicht in der Realschule behaupten konnte, musste es nur das Klassenzimmer wechseln, blieb aber an der gleichen Schule.

Der große Schnitt kam mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung: „Nur noch wenige Schüler wurden für die Hauptschule angemeldet, nicht mehr genug, um neue Klassen bilden zu können“, berichtet die Schulleiterin. Und wenn man zwei Jahre lang keine Hauptschulklasse anmelden kann, wird die Hauptschule eben geschlossen. Dem war in Engstingen leider so. Jetzt wird die Hauptschule „abgewickelt“. Im kommenden Jahr wird es die letzte 9. Klasse geben und danach ein Kapitel in der Geschichte der Freibühlschule geschlossen.

Die aktuelle Klasse H8 sei in der Realschule integriert gewesen mit verschiedenem Unterricht in den Hauptfächern. Vor allem durch Zuzüge stieg dann die Schülerzahl auf 17, weshalb es seit diesem Jahr wieder eine eigenständige Hauptschulklasse ist.

Eine Gemeinschaftsschule wäre ideal gewesen in Engstingen, aber die Kriterien, etwa der gebundene Ganztages-Unterricht, hätten nicht gepasst, so Koch. Inzwischen hat sich das Konzept der Realschule verändert. Beschult werden ab Klasse 7 auch Schüler mit G-Niveau, so dass nun neben dem Realschul- auch der Hauptschulabschluss möglich wird. Die Niveauentscheidung falle erst nach der 6. Klasse. Ab der 7. Klasse werde dann in den Hauptfächern getrennt unterrichtet.

Die Realschule ist in Engstingen bis auf zwei Klassenstufen dreizügig. 360 Schülerinnen und Schüler besuchen sei. Insgesamt gehen 480 Schüler in die Freibühlschule und werden von 40 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. „Wir haben leistungsstarke Schüler und unsere Arbeit wird von der Wirtschaft in der Region sehr geschätzt“, freut sich Dorothea Koch. Im Durchschnitt würden zwei Drittel der Schulabgänger weiter auf die Schule gehen, zwei Drittel davon aufs Berufskolleg, ein Drittel aufs Gymnasium. Ein Drittel wiederum starte mit der Berufsausbildung.

Für sie sei es immer eine große Freude gewesen, an der Freibühlschule unterrichtet zu haben, in der Regel Englisch. Das Kollegium habe sie sehr geschätzt, weil es immer Offenheit für die schulischen Entwicklungen gab, weil gegenseitig geholfen wurde, weil es eine Einheit war, wie Dorothea Koch betont.

Bedauerlich sei, dass das Konrektorat nur noch aus einer Person – inzwischen ist es Bettina Haag – besteht. Das letzte Schuljahr sei schwierig gewesen, weil es wegen Krankheiten und Schwangerschaften erhebliche personelle Ausfälle gab. Dank des kooperativen Kollegiums, das viele Zusatzstunden leistete, habe man die Versorgung der Kinder aber gewährleisten können.

Wenn Dorothea Koch am Montag verabschiedet wird, ist ihre Nachfolge noch nicht geregelt, ein nahtloser Übergang deshalb nicht möglich. Sie selbst freut sich darauf, dass sie endlich ihren Garten auf Vordermann bringen kann. Sie wird sich um ihre Familie kümmern können, die Hobbys wieder ausüben, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind, dazu zählt das Backen, das Nähen.

„Ich habe immer sehr gerne gearbeitet, hatte viel Freude im Umgang mit den Menschen“, blickt sie zurück. Der Umweg über die kaufmännische Ausbildung sei kein Fehler gewesen, habe sie doch auch Erfahrungen außerhalb des Schul-Kosmos sammeln können. Dankbar ist sie, dass die Gemeinde immer hinter ihrer Schule gestanden sei, sich der Riesenaufgabe der Sanierung der Gebäude stelle.

480

Schülerinnen und Schüler besuchen aktuell die Engstinger Freibühlschule, 360 davon gehen auf die Realschule.

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