Hayingen Eine schwäbische Heldengeschichte

Auf dem Olymp ist was los: Das Naturtheater Hayingen hat die Odyssee auf die Schwäbische Alb verlegt. 
Auf dem Olymp ist was los: Das Naturtheater Hayingen hat die Odyssee auf die Schwäbische Alb verlegt.  © Foto: Jürgen Spieß
Von Jürgen Spieß 20.06.2018

Das Naturtheater Hayingen eröffnete am Sonntag die diesjährige Freiluft-Spielzeit mit einem abenteuerlichen Mundartspektakel: „Die schwäbische Odyssee“ aus der Feder des Regieduos Silvie Marks und Johannes Schleker ist ein klamaukiger Roadtrip frei nach Homer – mit viel schwäbischem Heldenepos und Humor.

Wer von antiken Helden spricht, der denkt an die schöne Helena und den starken Achill, an die Götter um Zeus, Trojas König Priamos und den griechischen Stardichter Homer, der den sagenumwobenen Trojanischen Krieg in herzerweichenden Hexametern besungen hat. Und er erinnert sich an den listigen Helden Odysseus, von dem die Idee zum trojanischen Pferd stammte und der nach einer zehn Jahre dauernden Irrfahrt als Bettler in sein Reich Ithaka zurückkehrte. Auch der schwäbische Odysseus (Dietmar Landenberger-Edelburg) im neuen Naturtheater-Stück begibt sich auf einen ungewollten Roadtrip, aber hier über die Schwäbische Alb. Dabei hat er eigentlich nur mit Freunden seinen Junggesellenabschied feiern wollen. Doch er landet mit seinen Gefährten in einer griechischen Taverne namens „Olymp“ – und damit nimmt die verrückte Irrfahrt des Junggesellen seinen Lauf.

Die Götter erwachen zum Leben

Denn die Götterstatuen auf dem Dach der Taverne erwachen plötzlich zu neuem Leben und sorgen dafür, dass der angehende Bräutigam und seine vier Freunde aus ihrer Feierlaune gerissen werden. Der Junggeselle dient nämlich als göttliches Versuchskaninchen und wird in einen modernen Odysseus verwandelt, der schon bald nicht mehr weiß, wie ihm geschieht. Während zu Beginn noch alles harmlos erscheint, wenn etwa Trunkenbold Dionysos den Tavernen-Gästen den Ouzo wegsäuft, werden die Junggesellen schon bald tief in die mythische Welt der alten Griechen entführt. Zwar sind die jungen Helden nicht auf einem Schiff, sondern mit einem modernen Pick-up-Truck unterwegs, das schützt sie aber nicht davor, von den ganz in weiß gekleideten Göttern mittels entsprechender Schilder wiederholt umgeleitet zu werden.

Das Regie- und Autorengespann Marks und Schleker begibt sich in dem – inklusive Pause – gut zweieinhalbstündigen Stück auf einen unterhaltsamen und vor Klamauk und Einfällen nur so sprühenden Ritt durch Homers Mythenwelt, die in diesem Fall direkt vor der schwäbischen Haustüre liegt. Auf seiner Suche nach der wahren Liebe und einem erfüllten Leben trifft der moderne Odysseus auf die Sirenen und die Nymphe Kalypso. Es verschlägt ihn auf die Insel – hier ein Gehege mit echten Schafen – des einäugigen Zyklopen Polyphem, den er bezwingt, indem er ihm sein riesiges Auge aussticht. Auch von der listigen Zauberin Zirze, die seine Gefährten kurzfristig in Schweine verwandelt, lässt sich der verhinderte Bräutigam nur für eine Nacht bezirzen und setzt schon bald seine Reise fort. Doch im Laufe der Handlung läuft sowohl die Erlebnisgastronomie des „Olymp“-Wirts mit epischem Sieben-Gänge-Menü als auch der Trip der Junggesellen zusehends aus dem Ruder.

So entwickelt sich ein Volkstheaterspektakel, in dem bald alles drunter und drüber geht. Dabei kommt weder der mundartsprachliche noch der musikalische Aspekt zu kurz: Die Dialoge und Szenen, gesprochen in breitestem Schwäbisch, werden immer wieder von Gesangseinlagen (musikalische Leitung: Stefan Wurz) Sprechchören und epischer Filmmusik unterbrochen. Verblüffend auch, was das Regieduo für ihren Spätzles-Roadtrip so alles auffährt: Insgesamt rund 45 Akteure bespielen das gesamte Freilichtbühnen-Areal mit seinem neuen Bühnenbild (Katharina Müller). Es kommen mehrere lebende Schafe, Rutschen, Schaukeln, Karussells, ein dreirädriges Mini-Polizeifahrzeug, eine Hippiegemeinschaft, ein vor der Bühne herumdüsender Pick-up-Truck und jede Menge skurrile Masken zum Einsatz.

In dem humorigen Heimatstück in Göttergewand wird gebruddelt, gestritten, gesungen und kühn drauflos gespielt. Aus vielen kleinen Szenen formen Silvie Marks und Johannes Schleker ein liebevolles Stück, das nicht nur tiefe Einblicke in die Welt von Homers Göttern, sondern auch in die schwäbischen Seele gibt.

„Die schwäbische Odyssee“: Die Termine

Weitere Aufführungen sind am 23. und 30. Juni, 7., 14., 21. und 28. Juli (20 Uhr), 11., 12. (14.30 Uhr), 18., 19. (14.30 Uhr), 25. und 26. August (14.30 Uhr),  Dernière ist am 1. September. Beginn ist um 20 Uhr, außer an den Sonntagen im August.

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