Marbach Eine einzigartige Kombination

Marbach / Von Maria Bloching 24.06.2018

Auch im neunten Jahr hat sich diese einzigartige Veranstaltung in der Kombination von klassischer Musik, zelebriert von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, und edlen Pferden, präsentiert von den besten Reitern ihrer Zunft, als Besuchermagnet erwiesen. Diesen beiden Abenden der großen Kultur wohnte ein besonderer Zauber inne, dem sich keiner entziehen konnte.

Ola Rudner, langjähriger Chefdirigent des Orchesters, hat bei den Marbach Classics von 2010 bis 2016 dirigiert und ihnen seinen Stempel aufgedrückt. Nun kehrte er zu diesem „Tanz der Pferde“ als Gastdirigent zurück und brachte gemeinsam mit seinen Musikern populäre Werke wie die Slawischen Tänze von Antonin Dvorak oder Ausschnitte aus Bizets Oper „Carmen“ zu Gehör. Doch auch eher unbekannte Stücke wie vom spanischen Komponisten Manuel de Falla oder die „Schulmeister-Sinfonie“ von Joseph Haydn wurden eindrucksvoll präsentiert.

Jan Tönjes moderiert

Jan Tönjes, passionierter Reiter und Pferdezüchter aus Hamburg, führte launig, informativ und unterhaltsam durchs Programm. Bereits vom ersten Takt der Suite „Maskerade“ aus Aram Khatchaturians „Mazurka“ – zu der Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck gemeinsam mit Gastdirigent Rudner, Verleger Valdo Lehari und Intendant Cornelius Grube im Zweispänner in die Reithalle einfuhren – wurden die Besucher in den Bann dieses einzigartigen Gesamtkunstwerks gezogen.

Geboten wurden außergewöhnliche Begegnungen zwischen Mensch, Pferd und Musik, ein „Ross-Ballett“ für Augen und Ohren. Fabian Hellstern tanzte mit seinen zwei liberischen Hengsten im gerittenen Tandem, dazu erklangen die Sätze „Die Nachbarn“ und „Tanz des Müllers“ aus Manuel de Fallas Ballettmusik „Der Dreispitz“, den das Orchester mit dem Schlusstanz „Jota“ klangvoll schloss. Altwürttemberger Pferde gelten als Allrounder, sie sind Herr und Bauer in einem.

Marbach hat sich auf die Fahnen geschrieben, diese gefährdete Rasse als Kulturgut zu erhalten und so durften sie im Programm auch nicht fehlen. Früher wurden sie sonntags zum Kirchgang vor die Kutsche gespannt, werktags verrichteten sie Feldarbeit. Irgendwann hatten sie keine Lobby mehr. Zum ersten Satz „Allegro di molto“ aus der Sinfonie „Der Schulmeister“ von Joseph Haydn traten sie als „Herr und Bauer“ auf. Klassische Eleganz war mit zwei Vollblutarabern, zwei Schwarzwälder Kaltblütern und zwei Freiberger Hengsten zu Peter Tschaikowskis Ouvertüre und Marsch aus der Ballettsuite „Der Nussknacker“ zu sehen. Mit Kostümen aus der Renaissance und aus der viktorianischen Zeit verschmolzen die Reiterinnen im Damensattel mit ihren Pferden, die im Takt elegant durch die Halle tänzelten.

Gleich zweimal begeisterte die Österreicherin Kerstin Brein mit ihrer einzigartigen Freiheitsdressur und ihren fünf energiegeladenen Welshponys. In ganz Europa erreicht sie das Publikum mit ihren Darbietungen, auch in Marbach bot sie humorvolle und faszinierende Shownummern zum „Slawischen Tanz“ von Antonin Dvorak und zu „Alle breve“ aus dem Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach. Anja Beran steht für klassische Reitkunst, die sich an der Natur des Pferdes orientiert.

Piaffen und Pirouetten

So wusste die international geschätzte Ausbilderin aus dem Allgäu gemeinsam mit vier weiteren Reiterinnen auf liberischen Pferden mit Anmut und Balance Piaffen, Passagen, Pirouetten und spanische Schritte vollendet zu Georges Bizets „Arragonaise“ und „Habanera“ aus der Oper „Carmen“ darzubieten. Dieses abwechslungsreiche und ergreifende Programm ließ keine Wünsche offen. Es bot festliche Musik, bewegende

Schaubilder, fein gemachte Pferde, Marbacher Landbeschäler verschiedener Rassen am langen Zügel, kraftvolle Schwarzwälder Kaltblüter unter dem Damensattel und vor dem Traberwagen sowie natürlich die Silberne Herde, die zu Edward Elgars „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen für kurze Zeit in eine andere Welt entführte. Majestätisch, voller Elan und Eleganz, preschten die Vollblutaraberstuten aus dem Land- und Hauptgestüt durch die Halle, sie tanzten sich mit ihrer Schönheit und ihrer Ausstrahlung in die Herzen der Zuschauer und setzten damit dieser grandiosen Kulturveranstaltung die Krone auf.

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