Engstingen Ein Mix aus Partysound und Rock beim Engstinger Herbst

Engstingen / SIMON WAGNER 10.09.2012
Unbestritten ein Höhepunkt des Engstinger Herbstes war das Konzert mit den Dorfrockern am Samstagabend. Rund 1000 Zuhörer feierten die drei Brüder aus Franken. Am Freitag fand die SWR1-Disco statt.

Es begann mit dem Schnippen von Münzen. Als die drei Brüder Phillip, Tobias und Markus 2004 bei der ZDF-Show "Wetten dass . . .?", nicht nur den Wert von Münzen an ihrem Klang erkannten, sondern auch noch den Titel der Wettkönige abräumten, investierten sie das Preisgeld in Instrumente. 2006 gründeten die ausgebildeten Musiker in der fränkischen Provinz ihre Band Dorfrocker. Sechs Jahre und vier Alben später sind die Thomanns längst kein Geheimtipp der deutschen Stimmungsmusik-Szene mehr: Ihr neuestes Werk "Roll den roten Teppich aus", stieg vor rund einem Monat auf Rang 27 der offiziellen Albumcharts. Man war also gewarnt. Und prompt erlebte das Festzelt des zweiten Engstinger Herbstes einen Besucheransturm in bis dato unbekanntem Ausmaß. Mehr als 1000 Gäste kamen, um die Brüder zwischen 24 und 33 Jahren mit ihrer Liveband zu erleben. Die Dirndl- und Lederhosendichte lag bei gefühlten 100 Prozent. Die Schunkelbereitschaft wohl noch darüber. Noch bevor die Dorfrocker ihren ersten Gassenhauer beendet hatten, glich das Zelt einem wogenden Meer aus Händen. Die Bierbänke taugten nur noch als Podest: Wer noch auf ihnen saß, sah nichts mehr.

Die Erwartungen, angesichts des großen Namens, der da über der Bühne prangte, war enorm - und sie wurden nicht enttäuscht. Die Dorfrocker nahmen Engstingen im Sturm. Ihr ganz eigener, kerniger Sound, irgendwo zwischen handgemachtem Rock und ballermann-tauglichen Schunkelweisen, verfing von der ersten Minute an. Dabei bewiesen nicht nur die nach Engstingen mitgereisten Fanclubs Textsicherheit. Dorfrocker-Evergreens wie "Vogelbeerbaum", "Und ab geht die Lutzzzi . . ." oder "Sie findet Lederhosen sexy", sind bereits das, was etwa ihr neuester Hit "Dorfkind" bald werden könnte: ohrwurmverdächtige Party-Hymnen mit reichlich Mitsingpotenzial. Die Ansage der jungen Wilden, "Wir rocken jedes Kaff", lösten sie jedenfalls gewissenhaft ein.

Ihre mitreißende und burschikose Aura, gekleidet in Holzfällerhemd, Lederhosen und Turnschuhen, erreichte dabei nicht nur das mehrheitlich junge Publikum, sondern auch ältere Semester ließen sich davon überzeugen, dass die Festzeltmusik in neuem, musikalischen Gewand, auch bekannten Volks- und Stimmungsliedern neue und eben rockige Seiten abgewinnen kann. Immer wieder ließ sich das Publikum so auf Spielchen mit dem Taktgeber und Sänger der Gute-Laune-Kombo, Tobias, ein. Mal wurden Tische in die Höhe gereckt, mal waren es Schuhe, mal verabredete man sich zu gemeinsamen Gesten. Heimliche Codes, wie etwa beim "Fliegerlied", bedurften keiner Erklärung. Trotz ihres großen Erfolgs, sind die Musiker der Dorfrocker erfrischend normal und frei von Starallüren. Als Grundlage für ihren Erfolg und ihre Bodenhaftung nennt der 29-jährige Sänger Tobias Beständigkeit und ihren "treppchenweisen" Werdegang.

Vom Besuch der Bamberger Musikschule in jungen Jahren, über die ersten Auftritte mit eigenen Songs, bis hin zu den rund 120 Auftritten mit TV-Einladungen, die sie momentan im Jahr absolvieren. Trotz der Ochsentour: "Das ist kein Job. Das ist Leidenschaft", sagt Tobias. "Spätestens wenn ich auf der Bühne stehe, geht es gar nicht anders, als alles aufzusaugen und gut drauf zu sein." Akkordeon- und Bassspieler Markus nickt, als er sich in der Pause eines der fünf Outfits überzieht, die er gewöhnlich während eines Konzerts durchschwitzt. Er hatte die gute Stimmung des begeisterten Engstinger Publikums nötig, denn er spielte mit einem zweifachen Rippenbruch. Zugezogen hatte er sich ihn beim Mountainbiken.

Für Albert Pukall vom veranstaltenden Förderverein des Engstinger Herbstes, war die Verpflichtung der Dorfrocker, eingefädelt bereits im Dezember letzten Jahres, "ein wahrer Glücksgriff". Bei der Zweitauflage des Engstinger Herbstes "der erste, richtige Erfolg" am Samstagabend. Noch am Freitagabend war seine Laune weit weniger gut. Zur SWR1-Disco mit der Moderatorin Stefanie Anhalt, fanden nur rund 250 Gäste den Weg in das Zelt.

Info Die Dorfrocker im TV: Samstag, 15. September, im Musikantenstadl (ARD) und am Sonntag, 23. September im ZDF-Fernsehgarten.

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