Hayingen Ein Duo führt in Hayingen Regie

Frischer Wind im Hayinger Naturtheater: Silvie Marks und Johannes Schleker führen im kommenden Jahr Regie.
Frischer Wind im Hayinger Naturtheater: Silvie Marks und Johannes Schleker führen im kommenden Jahr Regie. © Foto: Margarete Schleker
REINER FRENZ 17.10.2015
Im Hayinger Naturtheater beginnt eine neue Zeitrechnung, ob es eine neue Ära wird, muss sich natürlich noch zeigen. Ab der kommenden Spielzeit gibt es mit Silvie Marks und Johannes Schleker ein Regisseur-Duo.

Fünf Jahre lang hat Jürg Schlachter Regie geführt in Hayingen, Stücke wie "Älles wa du witt" oder "So en Lugabeidl" inszeniert. Doch jetzt haben sich die Wege wieder getrennt, nicht zuletzt wohl, weil der Erfolg ausgeblieben ist, die Zuschauerzahlen zuletzt wieder rückläufig waren.

Das Naturtheater setzt jetzt auf einen kompletten Neuanfang. Erstmals wird ein Regisseur-Duo die Fäden in der Hand haben. Silvie Marks und Johannes Schleker werden in der nächsten Spielzeit den Wilden Westen auf die Alb holen, den ersten schwäbischen Spätzles-Western inszenieren. Vor allem Johannes Schleker ist in Hayingen kein Unbekannter, hat der Neffe von Martin Schleker jr. doch schon selbst hier mitgespielt: "Ich war schon als Stöpke dabei", erinnert er sich. Letztmals stand er 2014 auf der Bühne, bei der "Schönen Lau", als er den Wirtssohn spielte. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Silvie Marks, die aus Stuttgart stammt, begann er 2005 in Hildesheim zu studieren. Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis hieß der Studiengang, in dem beide ihr Theaterverständnis deutlich erweitern wollten. "Es war eine Ausbildung zum Theater-Allrounder", erklärt Silvie Marks und fügt hinzu: "Wir sind nicht auf eine Schauspielschule gegangen, haben keine Regieschule besucht, aber wir haben dennoch sehr viel Praxis gemacht".

Hildesheim ist in dieser Beziehung in Deutschland wohl mit der renommierteste Ausbildungsort: "Hildesheimer sind überall im Land zu finden", sagt Johannes Schleker, "als Theaterpädagogen, Dramaturgen, Regisseure oder Intendanten".

Beide sind sich sicher, eine hervorragende Ausbildung genossen zu haben. "Wir haben gelernt, die unterschiedlichen Perspektiven eines künsterlischen Prozesses wahrzunehmen", so Silvie Marks.

Nach dem erfolgreichen Ende des Studiums vor gut drei Jahren sind die beiden als Kulturschaffende tätig geworden. Als "Marks & Schleker haben sie zuletzt in Hildesheim "Das Ende der Welt" inszeniert, kein apokalyptisches Stück, sondern eines, in dem es um die Verantwortung für die Welt geht. Bereits vor sechs Jahren hat das Duo schon einmal im Naturtheater gearbeitet, als sie den Workshop "Show Me - Das Leben ist eine Castingshow" leiteten.

Schon damals habe man überlegt, wie man weiter zusammenarbeiten könne, ist von Naturtheater-Geschäftsführer Mark-Philipp Knorr zu erfahren. Das sei damals zunächst mal im Sande verlaufen. Knorr wurde vor zwei Jahren aber doch wieder vorstellig, fragte nach, ob Silvie Marks und Johannes Schleker Ideen hätten, wie man das Naturtheater auch für jüngere Menschen attraktiver machen könne.

Eine Woche lang schlossen sich Silvie Marks und Johannes Schleker im stillen Kämmerlein ein, entwickelten Konzepte. Dabei entstand unter anderem auch die Vorstellung, eine künstlerische Leitung des Theaters einzurichten.

Von den drei Konzepten entschieden sich Knorr und die Mitverantwortlichen "für einen Knaller", für die Inszenierung eines schwäbischen Westerns. "Das wird eine Weltpremiere", strahlt Knorr, gleichsam die Schaffung eines eigenen Genres. So etwas habe es jedenfalls noch nie gegeben. Die Geschichte, die "Im Wilden Südwesten - ein schwäbisches Eldorado" erzählt, spielt sich in einem Dorf ab, in dem es Goldschürfer, Saloonbesitzer und einen Sheriff gibt und das durch eine dunkle Gefahr bedroht wird. Männer und Frauen mit Lassos und Colts um broideschdem Schwäbisch machen das Ländle unsicher. Und natürlich gibt es einen richtigen Show-Down.

Auch das Kinderstück ist im Wilden Westen angesiedelt. "Tom Sawyer" ist eine der bekanntesten Lausbubengeschichten überhaupt, die in den wilden Südwesten verpflanzt wird.

Aber nicht nur die Regie ist im kommenden Jahr eine neue, auch der musikalische Leiter ist es. Er heißt Stephan Wurz, ein ausgezeichneter Komponist und Arrangeur, der unter anderem für die Staatsoper Hannover arbeitet und mit dem zusammen Silvie Marks und Johannes Schleker schon mehrere Projekte verwirklicht haben. Neue Bühnenbildnerin ist Jana Fahrbach, die Silvie Marks noch aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten kennt und die in Dresden studiert hat.

Das neue Regisseur-Duo hat schon weiterreichende Pläne. Sie wollen die Öffnung des Hayinger Naturtheaters über die reine Sommerspielzeit hinaus realisieren, Theaterprojekte und Workshops anbieten, mit Schulen kooperieren und vieles mehr. "Wir wollen das Naturtheater nachhaltig beleben", sagen beide.

Zunächst einmal stehen aber bereits die Termine für die nächste Spielzeit. Premiere für "Tom Sawyer" wird am 12. Juni sein, Premiere von "Im wilden Südwesten" am 3. Juli. Erstmals - ein Zugeständnis an die Schauspieler - wird es im August ein spielfreies Wochenende geben. Damit haben die Akteure die Möglichkeit eine Woche oder zehn Tage lang in den Urlaub zu fahren.