Gemeinderat Die Schäden nach nur 20 Jahren sind bedenklich

Keine guten Noten gab es von Seiten der Energieberater für die Rentalhalle – allerdings weniger aus energetischer Sicht, sondern für den Zustand der Bausubstanz des vor gerade einmal 20 Jahre errichteten Bauwerks.
Keine guten Noten gab es von Seiten der Energieberater für die Rentalhalle – allerdings weniger aus energetischer Sicht, sondern für den Zustand der Bausubstanz des vor gerade einmal 20 Jahre errichteten Bauwerks. © Foto: Ralf Ott
Zwiefalten / Von Ralf Ott 10.11.2017

Unter der Überschrift „Zwiefalten packt’s an – Energieeffizienz im Biosphärengebiet“ hat die Klimaschutzagentur Reutlingen ein Quartierskonzept für die Münstergemeinde erstellt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend präsentierten Geschäftsführer Tobias Kemmler, Projektmanager Abrahim Dold und der Freie Architekt Jürgen Kächele dem Gremium die wichtigsten Ergebnisse.

In die Untersuchung waren neun öffentliche und 357 Wohngebäude einbezogen. Das Gros der Bauwerke im Kernort stammt aus den Jahren 1950 bis 1970 und weist damit einen entsprechend hohen energetischen Sanierungsbedarf auf. Gut 70 Prozent der Gebäude stammen aus der Zeit vor 1978 und damit der ersten Wärmeschutzverordnung, weitere zehn Prozent kommen hinzu, wenn 1983 als Stichjahr (zum 1. Januar 1984 trat die 2. Wärmeschutzverordnung in Kraft) gesetzt wird. Und ein Blick auf die Heizungsanlagen zeigt laut Dold, dass mehr als 50 Prozent aller Haushalte ihr Gebäude mit einer vor dem Jahr 2000 eingebauten Anlage beheizen.

Bei ihrer detaillierten Erfassung des Gebäudebestands sowie des auf den Dachflächen installierten Solarpotentials haben die Akteure der Klimaschutzagentur die Zwiefalter in die Untersuchung einbezogen. „Es geht letztlich natürlich darum, die Eigentümer zu unterstützen“, betonte Dold. Unterm Strich signalisierten 73 Prozent der Befragten, mit der Wohnsituation zufrieden zu sein, indem sie die Noten „Eins“ (vier Prozent) oder „Zwei“ (69 Prozent) vergaben. Zugleich stellten die Klimaschützer ein großes Interesse an energetischen Verbesserungen fest. Sanierungsmaßnahmen können sich 20 Prozent vorstellen, für einen Energiecheck interessieren sich 35 Prozent, die Umstellung auf Gas- oder Nahwärme wäre für 17 Prozent eine Option und als Basisuntersuchung haben 17 Prozent eine Thermografie befürwortet. „Wir haben mehr als 30 Prozent aller Gebäudeeigentümer beraten“, zog Kemmler als positives Fazit, „die Akzeptanz in der Gemeinde war sehr hoch“.

Im Schnitt produziert jeder  Zwiefalter 3,6 Tonnen CO2 pro Jahr allein für die Erzeugung von Wärme. Insgesamt entstehen in der Münstergemeinde 7750 Tonnen des klimaschädlichen Gases. Auf die Wohngebäude entfallen 3210 Tonnen, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und die Industrie sind für weitere 1364 Tonnen verantwortlich, kommunale Liegenschaften steuern 402 Tonnen zum Gesamtpaket bei und für die Erzeugung des verbrauchten Stroms fallen 2774 Tonnen CO2 an. Als wichtigster Energieträger ist mit einem Anteil von 67 Prozent das Heizöl im Einsatz, gefolgt von Erdgas (23 Prozent), Scheitholz und Hackschnitzel (sechs Prozent) sowie Strom (vier Prozent).

Die Nahwärmeversorgung mit Biogas bietet derzeit in Zwiefalten nur ein geringes Potential, ist jedoch erweiterbar, betonte Dold. Die beiden innerörtlichen Großverbraucher, die Zwiefalter Klosterbrauerei und das Zentrum für Psychiatrie, fallen jedoch als Abnehmer aus, da neue Heizungsanlagen installiert wurden.

Die kommunalen Liegenschaften wie die Schulen, Kindergarten, das Rathaus, Feuerwehrhaus, Bauhof und die Rentalhalle gehören naturgemäß zu den Großverbrauchern an Energie. So wurden bei der Untersuchung der Rentalhalle Wärmebrücken sowie Schäden an der Holztragekonstruk­tion festgestellt und Fenster sowie Oberlichter als „Schwachstellen“ identifiziert, erläuterte Kächele und bezifferte den Kostenaufwand für Sanierung und den Einbau einer Pelletsheizung auf rund 550 000 Euro. Dabei stehe allerdings der Erhalt der Bausubstanz im Vordergrund, weniger die Energieeinsparung.

„Der Zustand der Halle nach 20 Jahren ist bedenklich“, bestätigte Bürgermeister Matthias Henne. Natürlich kann die Gemeinde Zwiefalten jetzt nicht alle kommunalen Gebäude energetisch auf Vordermann bringen. „Die Ergebnisse sind für uns ein wichtiger Leitfaden, den wir gezielt nutzen, wenn ohnehin Sanierungsmaßnahmen vorgesehen sind“, verdeutlichte Henne.