Umwelt Die Rote Mauerbiene schafft präzise

In den von ihr an den vier Seiten der Messstationen angebrachten Nisthilfen prüft die Doktorandin Birte Peters den Bestand an Röhrchen, die von Wildbienen zur Eiablage genutzt wurden.
In den von ihr an den vier Seiten der Messstationen angebrachten Nisthilfen prüft die Doktorandin Birte Peters den Bestand an Röhrchen, die von Wildbienen zur Eiablage genutzt wurden. © Foto: Foto: Ralf Ott
Von Ralf Ott 18.08.2017

Gut 80 Prozent aller Nutzpflanzen werden von Honig- oder den in Deutschland mehr als 560 Wildbienenarten bestäubt. Doch die Anzahl der Honigbienenvölker ist in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren von 1,1 Millionen auf 700 000 zurückgegangen, gut die Hälfte der Wildbienenarten ist vom Aussterben bedroht, wie die Deutsche Umwelthilfe meldet.

Gerade die Wildbienen aber leisten einen erstaunlichen Beitrag zur Bestäubung: Sind 120 000 Honigbienen erforderlich, um eine Apfelplantage von einem Hektar zu bestäuben, bringen es gerade einmal rund 300 Rote Mauerbienen auf das gleiche Ergebnis, wie Birte Peters, Doktorandin der Uni Würzburg, im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Zudem bestäuben  Wildbienen auch viele Wildpflanzen. Nicht zuletzt hier setzt das  Forschungsprojekt „MicroBEEs“, an dem Peters mitwirkt, im Verbund der Biodiversitäts-Exploratorien an.

„Wir wollen herausfinden, welchen Einfluss die Landnutzungsintensität auf Wildbienen und hierbei speziell auf die Zusammensetzung ihrer Darmbakterien hat“, berichtet sie weiter. Es stehen sowohl positive Bakterien, die beispielsweise für die Aufbereitung von Zellulose erforderlich sind, wie auch schädliche Bakterien im Fokus der Doktorandin. Während das Artensterben bei den Honigbienen zu einem großen Teil dem Befall mit Varroa-Milben geschuldet ist, spielen bei den Wildbienen der Einsatz bestimmter Dünge- und Pflanzenschutzmittel, der Rückgang geeigneter Lebensräume, sowie der Verlust der Pflanzenvielfalt eine bedeutende Rolle. Hervorgerufen durch den Klimawandel, Monokulturen und einem Mangel an Flächen für Pflanzen, die der Mensch nicht unmittelbar nutzt, bewirkt der Rückgang der pflanzlichen Biodiversität im zweiten Schritt den Verlust der Insektenvielfalt – schließlich finden Bienen in einem ausgedehnten Weizenfeld keine Nahrung. Rund ein Drittel der nestbauenden Wildbienenarten sind extreme Spezialisten, die nur ganz bestimmte Blütenpflanzen besuchen, erklärte Peters.

Die fraglichen Darmbakterien der Wildbienen werden durch das Nahrungsangebot (Pollen, Nektar, Harz und Blütenöle) der Tiere beeinflusst. Grund: Wie Wissenschaftler kürzlich entdeckt haben, sind Blütenpflanzen von unterschiedlichen Bakterien besiedelt, die zum Beispiel einen  Einfluss auf die Qualität der produzierten Samen haben. Diese Bakterien werden durch das Sammeln von Pollen in die Nester der Bienen getragen.

Während des Untersuchungszeitraums hat die Doktorandin aus den vor ihr angefertigten Nisthilfen mit Schilfröhrchen jene, die zur Eiablage genutzt wurden, herausgezogen. Im Labor werden die Wildbienen zunächst bestimmt und die Bakterien im Darm der Larven, wie auch die Bakterien auf dem eingetragenen Pollen, näher untersucht. Herausfinden will Peters, inwieweit das jeweilige Pollenangebot die Zusammensetzung der Darmbakterien, die wiederum für das Wohlbefinden und die Widerstandsfähigkeit der Biene verantwortlich sind, beeinflusst. Und inwieweit sich auf einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche und der damit einhergehenden geringeren Artenvielfalt die Zusammensetzung der Darmbakterien verschlechtert und damit die Aufbereitung der Nahrung beeinträchtigt. Ihre Ergebnisse wiederum werden mit einer parallelen Studie über die Bakterien auf den Blüten der Pflanzen verglichen.

Biodiversität: Bakterien und Bienen

In drei großen Langzeituntersuchungsgebieten (Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Nationalpark Hainich und Biosphärengebiet Schwäbische Alb), den Biodiversitäts-Exploratorien wird unter standardisierten Bedingungen der Einfluss der Landnutzungsintensität auf die Artenvielfalt untersucht. Wir berichten heute über das Projekt „MicroBEEs“, an dem die Doktorandin Birte Peters mitwirkt.