Braumanufaktur Die neue Anlage schafft spielend täglich 500 Liter

Ödenwaldstetten / Jürgen Kühnemund 26.01.2018

Im Jahr 1763 begann die Brautradition in Ödenwaldstetten. Seit 1832 unter dem bis heute gültigen Namen „Speidel“. Wie viele kleine Brauereien in Süddeutschland konnte auch Speidel in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dem Druck der Großbrauereien nicht standhalten und musste 1977 den Braubetrieb einstellen. Die kupferne Sudpfanne im Foyer des Hauses, dem ehemaligen Sudhaus, zeugt noch heute von der alten Brauerei.

Der Wunsch nach dem eigenen Bier blieb aber in der Familie immer präsent. 1993 wurde er mit Speidel´s Brauerei´le, der kleinen Gasthausbrauerei in den Räumen der ehemaligen Flaschenfüllerei wieder zum Leben erweckt. Und da bewies Braumeister Wolfgang Speidel viel Erfindergeist. Letztlich hatte er eine alte Bundeswehrgulaschkanone  zum Sudhaus umfunktioniert. Vom Sudhaus kam das Gebräu ins Kühlschiff, wo es von 100 Grad auf neun Grad heruntergekühlt wurde. Im offenen Gärkeller erfolgte die Vergärung in drei bis sieben Tagen. Fünf Wochen musste danach das Bier in den Tanks im Lagerkeller verharren, ehe es von dort in die Ausschanktanks des Gasthauses Lamm kam. Von dort ging es direkt ins Glas. Ein Brauvorgang lieferte zwischen 100 und 120 Liter Bier, die Jahresproduktion von Speidel’s Brauerei’le lag somit zwischen 250 und 300 Hektoliter sagt, Wolfgang Speidel.

Prinzipiell hat sich an diesem  Vorgang nichts geändert, doch mit der neuen Brauanlage der Braumaschinenfabrik Kaspar Schulz aus Bamberg, die Anfang des Jahres installiert wurde, geht alles viel schneller. Der Ausstoß ist deutlich höher und neben der traditionellen Hellen und dem Weißbier gibt es künftig auch deutlich mehr Biersorten.

Durch die neue Anlage sind Sudhaus, Gär- und Lagerkeller in einem Raum untergebracht. Der Brauvorgang läuft teilautomatisiert, die Reinigung erfolgt vollautomatisch. „Dadurch sparen wir uns sehr viel Zeit“, sagt Wolfgang Speidel, der weiß welche Knochenarbeit die Reinigung eines Tanks ist. Auf Kühlschiff und offene Gärbottiche kann er nun gänzlich verzichten, die Kapazität hat sich vervielfacht. Rund 500 Liter ist künftig der tägliche Ausstoß. Bis zum Jahresende rechnet Speidel mit einer Produktion von 500 bis 600 Hektolitern. Damit wird auch das Bierangebot deutlich vergrößert. Neben dem klassischen Hellen und dem Weißbier, soll es saisonal  ein Märzen- und Weihnachtsbier, aber auch einen Maibock geben.  Dazu denkt Speidel an englische Biere, wie Ale, Stout und Porter. Aber auch bei den Weißbieren soll es unterschiedliche Sorten geben - einmal etwas bananig und einmal etwas zitronig. „Was es noch geben wird zeigt der Craftbiermarkt. Letztlich ist da alles möglich“, sagt Speidel.

Rund 300 000 Euro kostet Speidel die neue Anlage, doch sie war unumgänglich. Zum einen änderte sich durch den Craftbiermarkt die gesamte Brauereiszene, zum anderen  war auch die eigene Kundschaft im Gasthaus ausschlaggebend. „Helles und Weißbier sind zwar weiterhin der Renner, doch vor allem die ausländischen Gäste wünschten weitere Biersorten“, betont der Braumeister. Eine Weile lang habe man sich damit beholfen, das exklusive Biere zugekauft wurden. Das kam allerdings nicht an.

Vor zwei Jahren fiel dann die Entscheidung die Anlage komplett zu erneuern. Als besonderer Umstand kommt hinzu, dass zwei Neffen von Wolfgang Speidel ins Brauereigeschäft stoßen. Paul, der Sohn von Küchenmeister Dieter Speidel,  lässt sich zum Brauer ausbilden und Heiner, der Sohn von Schwester Birgit Rieber, war schon in der ganzen Welt in Sachen Brauereieinrichtungen tätig. „Er ist ein wandelndes Lexikon in Sachen Rezepturen“, sagt Wolfgang Speidel. Dem Fortbestand von Speidel’s Brauerei’le steht also nichts im Wege, und „ich kann auch schon mal ans Altenteil denken“,  schmunzelt Wolfgang Speidel, der noch in diesem Jahr den 60. feiert.

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