Pfronstetten Der Rechnungshof und die Mindestzahl der Schüler

Nur elf Schüler wurden im aktuellen Schuljahr in die Wunderbuch-Grundschule in Pfronstetten eingeschult.
Nur elf Schüler wurden im aktuellen Schuljahr in die Wunderbuch-Grundschule in Pfronstetten eingeschult. © Foto: kü
Pfronstetten / Jürgen Kühnemund 19.07.2018

Die Wunderbuch-Grundschule in Pfronstetten gehört seit jeher zu den kleineren Bildungseinrichtungen im Land. Eine Schließung war immer mal Thema, doch ein engagierter Schulförderverein, das Lehrerkollegium sowie die vorbehaltlose Unterstützung durch die Kommune verhinderten Schlimmeres. Will heißen: Kamen Gerüchte auf, waren sie auch schnell wieder vom Tisch.

So hatten Lehrer, Eltern, Elternvertreter, Schüler und auch die Gemeinde erst Anfang April Grund zur Freude, als bei der Amtseinsetzung der neuen Rektorin Barbara Unsöld Schulrat Roland Hocker der Wunderbuch-Grundschule eine rosige Zukunft prophezeite. „Solange Sie hier in Pfronstetten Menschen wie Frau Unsöld haben, die sich hier engagieren wollen, ist der Bestand der Schule nicht gefährdet“, sagte Hocker in seiner Laudatio. Alle Beteiligten hörten es wohl.

Doch manch Gesagtes kann schnell verklingen, droht der Schule nun neues Ungemach von einer Studie des Landesrechnungshof zur Lehrer-Versorgung im Land, das vor kurzem im Landtag vorgestellt worden war.

Die Auftragsstudie sollte dem Land helfen, seine Lehrkraft-Ressourcen effizienter zu steuern, und Möglichkeiten zur Konsolidierung aufzeigen. Demnach empfiehlt das Gutachten weitreichende Änderungen. Der brisanteste Vorschlag dürfte wohl der sein, der sich auf die kleinen Grundschulen bezieht. Die Prüfer erinnern daran, dass „der Rechnungshof schon 2014 die Festlegung von Mindestgrößen empfohlen hat“, und sprechen sich für größere Schuleinheiten aus. Dabei gehen die Prüfer von einer Mindestzahl von 16 Schülern pro Eingangsklasse aus, wie es auch in den anderen Schularten üblich ist. Nimmt man diese Zahl als fix an, bedeutet dies, dass 347 Grundschulen im Land geschlossen werden müssten. „Der durchschnittliche Mehraufwand für das Personal liegt an solchen Schulen bei jährlich mindestens 14,1 Millionen Euro“, heißt es in dem gut 100-seitigem Konzept.

Die Zahl von 16 Schülern für eine Eingangsklasse wird in Pfronstetten deutlich unterschritten. Im aktuellen Schuljahr wurden, laut Ausführung von Rektorin Barbara Unsöld, elf Schüler eingeschult,  für das nächste Schuljahr liegen ihr bisher sieben Anmeldungen vor. Die Zahl könne freilich noch nach oben gehen, die Zahl 16 werde man aber wohl kaum erreichen, ist sie sich sicher.

Dennoch ist die Pfronstetter Schulleiterin zuversichtlich für den Bestand der Schule. „Ich bin schon seit zehn Jahren an der Wunderbuch-Grundschule. Gemunkelt wurde es zwar immer mal wieder, doch konkret ging es in dieser Zeit nie um die Schließung“.

So sieht es auch Bürgermeister Reinhold Teufel, der sich auch auf das Wort von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann verlässt, die da sagte „kurze Beine, kurze Wege“. Von Seiten der Ministerin, aber auch der Landes-CDU, werde an den Grundschulen nicht gerüttelt.

Fakt sei freilich, so Teufel, dass die Einschulungszahlen in der Wunderbuch-Grundschule nicht so hoch seien, es sei jedoch wichtig für die Gemeinde, Grundschulstandort zu sein.

Schließlich scheren auch die Gutachter in Stuttgart nicht alles über einen Kamm. „Aus strukturpolitischen Gründen gibt es ein kommunales Interesse am Erhalt kleiner Grundschulen“, führen dann aber weiter aus, „dieses sollte dann aber auch in der Finanzverteilung zwischen dem Land und der Gesamtheit aller Kommunen berücksichtigt werden“. Da braucht man nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Die Kommunen, die ihre kleinen Grundschulen erhalten möchten, sollen auch mehr zahlen.

Wie viel das sein soll, sagt das Gutachten nicht, doch rechnet man den Kostenschnitt von 14,1 Millionen Euro auf die 347 von der Schließung bedrohten Grundschulen um, kommt man pro Schule auf knapp 41.000 Euro. Eine Summe, die dem Pfronstetter Kämmerer Tim Scheible zwar wehtun würde, aber wohl zu stemmen wäre.

Der Bürgermeister hält allerdings von solchen Rechenbeispielen wenig. Die Gemeinde sei bei der Finanzierung der Schule eh schon in der Pflicht, zahle die Schulsekretärin und beteilige sich an der Nachmittagsbetreuung. Ferner stemmt die Kommune alle baulichen Maßnahmen an dem Schulgebäude und dem Drumherum. „Das Land zahlt lediglich die Lehrer“.

Und so sieht der Schultes der Schulzukunft gelassen entgegen, nicht zuletzt auch, da das ganze längst nicht spruchreif ist, äußerte sich selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann sehr zurückhaltend zum Gutachten. Der Verlust von Grundschulen im ländlichen Raum sei etwas „sehr Ernsthaftes“. Die Regierung werde das diskutieren, „der entscheidende Grund ist immer, vom Kind her zu denken“.

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