Wer hätte das gedacht: In den frühen 90ern, da besuchte Jonas Kaufmann noch Meisterkurse in Bad Urach bei Hermann Prey, war Gast der Herbstlichen Musiktage.

Heute, 2015, gilt er als weltweit gefragtester Tenor, als Nummer eins seines Fachs, irgendwo unterwegs zwischen New Yorker Met, Pariser Opéra Bastille und den Salzburger Festspielen. Mit seinem neuen Puccini-Album ist er nun endgültig im siebten Himmel der weltweiten Superstars angelangt.

Wer reinhört, spürt sofort: Kaufmann kann's. Dramatisch, schmerzlich-verzweifelt, liebestrunken, hymnisch - in all diesen Sängerposen wirkt Kaufmann authentisch, stimmlich brillant und emotional mitreiend. Er muss nicht groß drücken, stemmen und nach oben pressen, um die vom Massenpublikum so gefeierten Spitzentöne zu erreichen - er trifft sie ansatzlos, haucht sie in feinstem, gefühligem Pianissimo oder haut sie auch raus, wenn's sein muss mit der Strahlkraft eines Flammenwerfers. Und jetzt Giacomo Puccini, der zündende Melodien mit impressionistischem Zauber und frühmoderner Harmonik verbindet - ein Komponist der Herzen. Kaufmann singt neben dem unvermeidlichen Top-Hit "Nessun dorma" eine Auswahl der schönsten Tenorarien aus Opern wie La Bohème, Turandot oder Tosca. Es begleitet das exzellente, temperamentvolle und äußerst pucciniaffine Santa-Cecilia-Orchestra Rom unter Antonio Pappano. Und diese "native speakers" können Puccini, beherrschen seine Gefühlsbandbreite von extrem aufgewühlt bis wunderbar schwelgerisch aus dem Effeff. Auch wenn Kaufmanns musikalisches Rendezvous mit Helene Fischer nicht bei allen Klassikfreunden gut ankam: Seiner Spitzenstellung als der "größte Tenor unserer Zeit" (Daily Telegraph) tut das keinen Abbruch.

Sogar der manchmal gaumige Sound in Kaufmanns Stimme ist wie weggeblendet - so leicht, so strahlend, so kraftvoll, so feurig, so explosiv, so voller Schmelz wirkt hier sein leuchtender Tenor. Und weil er ein Sänger ist, der weiß, dass auch er mal klein angefangen hat, singt er am 6. Oktober 2016 da, wo er einst angefangen hat: in Bad Urach.

Für Klassikfans ist dieses Album ein Must-Have: Jonas Kaufmann im Puccini-Himmel.