Zwiefalten Der Gemeinde steht eine wahre „Herkulesaufgabe“ bevor

An der Münsterschule Zwiefalten besteht Sanierungsbedarf. Die Kosten dafür sind fast schwindelerregend hoch.
An der Münsterschule Zwiefalten besteht Sanierungsbedarf. Die Kosten dafür sind fast schwindelerregend hoch. © Foto: Reiner Frenz
Zwiefalten / Von Reiner Frenz 06.07.2018

Die Münsterschule in Zwiefalten soll fit gemacht werden für die Zukunft, der Schulstandort weiterentwickelt. Für die Gemeinde wird’s in jedem Fall eine „Herkulesaufgabe“, wie es Bürgermeister Matthias Henne nannte. Im Gemeinderat wurde am Mittwochabend das Ergebnis der Bestandsuntersuchung vorgestellt und es wurden erste Kostenschätzungen vorgetragen, die bei vielen der Räte Entsetzen hervorriefen.

Leszek Lomnitz von der Ulmer Firm nps Bauprojektmanagement GmbH berichtete, dass in der Zeit von März bis Mai Untersuchungen vorgenommen wurden: „Das haben die Schüler mitbekommen, da wurde viel gebohrt und Decken wurden geöffnet“. Statik und Konstruktion des Realschulgebäudes seien generell in sehr gutem Zustand, referierte Lomnitz. Beim Brandschutz sei die F90-Vorgabe eingehalten, es müssten lediglich die Treppenläufe, die zu geringe Betonüberdeckung aufweisen, ertüchtigt werden. Lomnitz sprach von guter Betonqualität. Nachzubessern seien lediglich die Außenstützen und Fundamente. An den Brüstungsplatten gibt es Abplatzungen.

Im Fugenmaterial wurden Weichmacher festgestellt, die in die Raumluft gelangen und sich in Teppichböden und an den Decken festsetzen. Die Flammschutzmittel in den Deckenplatten würden TCEP emittieren. Hier bestehe also Handlungsbedarf.

Anders, weit schlechter, sieht es am Grundschulgebäude aus. Man habe keine Bauunterlagen gefunden, womit eine qualifizierte Beurteilung nicht möglich gewesen sei. Das Gebäude mache einen stark sanierungsbedürftigen Eindruck. Es gibt zahlreiche Risse in den Mauerwerkswänden, die Fassade ist verwittert, der Putz platzt ab. Die Betonüberdeckung der Geschossdecken ist deutlich zu gering. An den Stützen sind die Brandschutzvorgaben nicht eingehalten. Unter dem Strich: „Ein Fass ohne Boden“, wie es der Planer formulierte.

Er präsentierte im Anschluss eine Reihe von Maßnahmenpaketen und gab Kostenschätzungen ab. Das erste Paket beinhaltet keine Raum- und Nutzungsänderungen am Realschulgebäude. Hier geht es um energetische Sanierung (2,9 Millionen Euro), die durch die Untersuchungen nötigen Nachbesserungen etwa im Brandschutz oder durch Schadstoffe (1,15 Millionen) sowie die Modernisierung der Innenräume (Beleuchtung, Sicherungsanlage, Malerarbeiten) für 0,4 Millionen Euro, gesamt also geschätzte 4,5 Millionen Euro.

Doch es geht noch weit teurer. Würde man eine eineinhalbzügige Realschule wünschen würde die Anpassung ohne Anbau weitere 550 000 Euro verschlingen. Die Erweiterung zur Zweizügigkeit würde 1,5 Millionen Euro kosten, so dass in diesem Fall 5,9 Millionen Euro zu bezahlen wären. Kommt dann noch die Erweiterung für einen Umzug der Grundschule hinzu ist man bei 6,8 Millionen Euro angelangt.

Die Schulentwicklung werde die Gemeinde auf Jahre beschäftigten, führte Henne nach dem Vortrag aus. Die Maximallösung wäre natürlich sinnvoll, weil man sich dann die Sanierung des Grundschulgebäudes sparen könnte. In jedem Fall müsse man ein Konzept auf den Weg bringen, das nachhaltig genug sei für die nächsten 20 Jahre.

In der Diskussion meinte Siegfried Waidmann, dass er sich selbst die Verwirklichung der günstigsten Variante kaum vorstellen könne, ob man denn nicht abspecken könne. Stefan Aschenbrenner monierte, dass schon wieder viel Geld für den Brandschutz ausgegeben werden müsse, nur 400 000 Euro für den Bereich blieben, der den Schülern direkt nutze. An der Grundschule etwas zu tun, gehe gar nicht.

Klaus Käppeler zeigte sich „sehr froh“, dass die Untersuchung eine gute Qualität am Realschulgebäude ergeben habe, das man auf jeden Fall sanieren müsse. Daniel Burgmayer sagte, er sei schockiert über die Kosten. Für sieben Millionen könne man eine neue Schule bauen. Wichtig sei, dass der Schulbetrieb aufrecht erhalten bleiben könne.

Lomnitz gab zu bedenken, dass in jedem Fall eine Million Euro in den Bestand gesteckt werden müssten in Sachen Brandschutz und Schadstoffbelastung. Für Maria Knab-Hänle hat die Innenraumgestaltung hohe Priorität. Man brauche hohe Variabilität. Kämmerer Thomas Rechtsteiner sah die Zahlen zum ersten Mal und gestand, dass sie ihm Angst machen würden angesichts der vielen anderen Aufgaben und Ausgaben.

Viel, wenn nicht alles hängt von den Zuschüssen ab. Matthias Henne sprach daher auch von einem „Gang nach Canossa“, den er am 23. Juli antreten werde, wenn im Regierungspräsidium das weitere Vorgehen abgestimmt und die Frage der Förderquote erörtert wird. Auf Nachfrage von Bärbel Walzer berichtete Henne von einer umfangreichen Wunschliste, die die Schulkonferenz zusammengestellt habe: „Da sind wir nicht mehr bei Variante A“. Alles könne man sich sicher nicht leisten.

Bruno Auchter erkundigte sich nach der weiteren Entwicklung an der Münsterschule. Man wisse schließlich nicht, wie die Schülerzahlen in zehn Jahren aussehen würden. Wie die Sanierung logistisch umgesetzt würde, wollte er noch wissen. Man werde die Klassen teilweise in die Grundschule verlegen, außerdem Container aufstellen, antwortete Lomnitz.

Am Ende der langen Diskussion wurde das Thema vertagt auf den 8. August, wenn es eine weitere Ratssitzung geben wird und Bürgermeister Henne die Ergebnisse des Gesprächs in Tübingen mitteilen kann.

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