Serie Das Wetter entscheidet über den Erfolg

Eglingen / Von Ralf Ott 29.06.2018

In gewisser Weise stellt Heu eine Delikatesse dar, zumindest für Pferde oder Kälber und auch Kühe verschmähen es nicht, wenn sie es vorgesetzt bekommen. Obendrein finden sich immer mehr Rezepte für Feinschmecker, in denen Heu Verwendung findet. Mengenmäßig spielt dies im Unterschied zum Einsatz als Tierfutter allerdings sicher keine nennenswerte Rolle. Immerhin 15 Prozent der 23 000 Hektar Grünlandflächen im Kreis Reutlingen werden für die Erzeugung von Heu verwendet. Davon wiederum entfallen 4800 Hektar auf FFH-Grünland und 1200 Hektar auf artenreiches Grünland, erläutert Simone Kopp vom Kreislandwirtschaftsamt.

Die Ernte ist ein vergleichsweise aufwendiges Unterfangen. Neben dem Kalender ist das Wetter maßgeblich. Nach dem Schnitt muss das Heu drei bis vier Tage liegen und trocknen. „In dieser Zeit sollte es keinen Schauer geben“, berichtet Sven Wahl, der in Eglingen einen Biolandhof betreibt. Daher konsultiert er im Vorfeld gleich mehrere Wetterprognosen. Falls überhaupt, darf das Heu höchstens am ersten Tag noch ein wenig Regen abbekommen. „Ansonsten drohen Qualitätseinbußen“, ergänzt Kopp. Maximal 15 Prozent Restfeuchte sind zulässig, am besten ist ein Wert von etwa 12 Prozent. Dieser wird in einem Probeballen mit Hilfe eines Messgeräts ermittelt.

Doch mit dem Mähvorgang ist es nicht getan. „Wenn vormittags gemäht wird, können wir bereits abends das Schnittgut zum ersten Mal mit dem Kreiselwender aufwerfen“, so Wahl. Dies sollte möglichst früh erfolgen, um die sogenannten Bröckelverluste zu minimieren. Dabei handelt es sich um die Abtrennung von Blättern und Blüten vom Stil, die dann von der Ballenpresse nicht mehr aufgenommen werden können. Am zweiten Tag muss das Heu gleich zwei Mal aufgeworfen werden, damit der Feuchtigkeitsgehalt von der Sonne optimal reduziert werden kann. Das Heu wird auch am dritten Tag erneut gekreiselt und dann zu langen Schwaden aufgehäuft. Die Reihen können dann vom „Pickup“ in einem weiteren Arbeitsgang aufgenommen und zu Ballen gepresst werden. Hergestellt werden entweder kleine Ballen, die mit einem Gewicht von 15 Kilogramm noch tragbar sind oder große Rund- beziehungsweise Quaderballen. Der Rundballen mit einem Durchmesser von 1,20 Meter und 250 bis 300 Kilogramm Gewicht kann etwas früher gepresst werden und auf der Wiese nachtrocknen. Er wird von einem Netz umhüllt und daher schadet ihm ein Regenguss nicht. Demgegenüber bringen die Quaderballen rund 350 Kilogramm Gewicht auf die Waage. Sie trocknen nicht nach, lassen sich aber wesentlich besser stapeln. Das bringt sowohl beim Transport auf den Hof wie auch für die spätere Lagerung Vorteile. Immerhin 30 bis 40 Hektar muss Wahl heuen, wenn ein stabiles Hoch angekündigt wurde. Zeitlich ist das knapp bemessen. „Daher müssen wir zur Not auch sonntags arbeiten, wenn die Wetterlage das so vorgibt“, wirbt er um Verständnis.

Die erste Ernte erfolgt im Juni, gegebenenfalls gibt es im August einen zweiten Schnitt, das so genannte Öhmd. Der Schnittzeitpunkt entscheidet über die qualitative Zusammensetzung, denn je später geerntet wird, desto höher sind die Faser- und Strukturanteile. Für Kälber wird ein früherer Schnitt benötigt, während Pferdeheu mehr Fasern enthalten sollte. „Das dient auch zur Beschäftigung“, so Kopp.

Das Heu, das Wahl erntet, kommt ausschließlich auf dem eigenen Hof zum Einsatz. „Neben der Fütterung der Kälber wird es auch an Kühe verfüttert nach dem Kalben oder wenn sie krank waren“. Verfügt ein Hof über mehr Grünland als im eigenen Betrieb benötigt wird, lässt sich Heu besser transportieren und damit verkaufen als Silage. Ginge es nur nach dem Geschmack, würden auch Kühe lieber Heu fressen. Doch das ist zu teuer, der höhere Aufwand kostet mehr Geld. Zudem liefert das Heu zu wenig Nährstoffe. Ausnahmen gibt es natürlich, so zum Beispiel wenn „Heumilch“ erzeugt wird, die aber zu einem höheren Preis verkauft werden kann. Das gleiche gilt beispielsweise für Milch, aus der besonderer Käse erzeugt werden soll.

Landwirtschaftsserie: Heuernte

Lebensmittel werden zwar täglich benötigt, doch zumeist belässt es der Verbraucher mit dem Einkauf im Supermarkt und denkt nicht über diejenigen nach, die Ausgangsprodukte für unsere Nahrungsmittel erzeugen. Mit einer Serie möchte unsere Zeitung Einblicke in die Arbeits- und Produktionsbedingungen moderner Landwirtschaft bieten. Das Themenspektrum ist letztlich so vielfältig wie der Beruf des Landwirts. Heute geht es um die Heuernte. rot

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