Upflamör / Von Reiner Frenz  Uhr

Auf der Mittleren Alb wird seit Jahrzehnten Theater gespielt, im Hayinger Naturtheater. Dieses wird sein Alleinstellungsmerkmal keineswegs verlieren, wenn es jetzt „Konkurrenz“ gibt, nämlich im kleinen Zwiefalter Ortsteil Upflamör. Dort wird vom 10. bis 13. Mai der Dorfkrimi „Der Schatz von Upflamör“ aufgeführt und das nicht etwa in einem für ein Theaterstück geeigneten Gebäude, sondern Open Air, wobei die Zuschauerinnen und Zuschauer eingeladen sind, mitzuwandern.

„Das Stück basiert auf einer tatsächlichen Begebenheit“, erläutert Autor und Regisseur Arnd Heuwinkel. Verwoben wird Regionalgeschichte mit einer „schrägen“ Fiktion zu einem spannenden Dorfkrimi, mit manch düsteren, aber auch vielen komischen Seiten. Der Niedersachse hat schon mehrfach „Landschaftstheater“ inszeniert, Stücke also, bei denen die Zuschauer gemeinsam mit den Darstellern von Spielort zu Spielort wandern, wobei Landschaft alles sein könne, vom Dorfplatz bis zum See. Gut, den See gibt es in Upflamör nicht, dafür aber viele reizvolle Ecken im und ums kleine Dorf. An der Kasse erhalten die Zuschauer übrigens einen Klapphocker als „Theatersitz“. Man muss also nicht die ganze Zeit stehen.

Warum Upflamör? Es hat sich wohl herumgesprochen, dass hier eine besonders lebendige und intakte Dorfgemeinschaft vorhanden ist und mit der keltischen Heuneburg auch eine historische Attraktion, die ins Stück eingebunden werden kann. Die Resonanz im Ort jedenfalls sei „überwältigend“ gewesen, wie Heuwinkel verrät. Etwa 40 Mitspieler wird es geben – und das bei nicht einmal 100 Einwohnern. Im Januar war Heuwinkel zehn Tage lang in Upflamör, besuchte die künftigen Akteure zum Teil daheim, um sich ein Bild zu machen, „was das für Leute sind“ und hat erfahren, „dass es ein großes Gemeinschaftsgefühl gibt im Ort“.

Die Inszenierung hat der Regisseur als Dorfkrimi angelegt, in dem die Existenz der Dorfbewohner und damit das Leben jedes Einzelnen in Gefahr gerät. Das Stück, so Heuwinkel, erzählt die Geschichte eines Dorfes, in dem wegen der nahe gelegenen keltischen Heuneburg mit einem größeren Touristenandrang gerechnet wird, der aber zunächst auf sich warten lässt. Doch eines Tages verändert sich die Situation mit dem Besuch eines mysteriösen Dorfberaters schlagartig. Plötzlich verschwinden Dorfbewohner und zu allem Überfluss tauchen auch noch totgeglaubte Menschen aus der Vergangenheit wieder auf.

„Bei dieser Theaterform ist der Entstehungsprozess genauso wichtig wie das fertige Projekt“, sagt der Regisseur. Hier liege neben dem künstlerischen auch ein soziokultureller Ansatz des Projektes. Schauspielern – neben Heuwinkel werden zwei weitere „Hauptberufliche“ am Start sein, mit denen er schon lange zusammenarbeitet – und Laien werden zu Darstellern im Dorfkrimi. „Wir werden mit zwielichtigen Figuren aus der Vergangenheit aufwarten. Der Alb-Bauer, die freundliche Nachbarin und das Schulkind werden zu Hauptdarstellern.“

Das Projekt ist für Heuwinkel nichts Neues, aber die für Mitwirkenden allemal: „Die Upflamörer lassen sich auf etwas ein, was sie nicht kennen.“ Gearbeitet werde mit begrenzten unterstützenden Mitteln. Es gebe weder Netz noch doppelten Boden, keine Souffleuse, kein Mikrophon auf der Wiese. Der Regisseur wird in der Zeit der Proben, die an Ostermontag, 2. April, starten, also einiges zu tun haben. Nachmittags und abends wird geprobt in Gruppen.

Info Premiere hat „Der Schatz von Upflamör“ am Donnerstag, 10. Mai (Himmelfahrt) um 15 Uhr. Weitere Vorstellungen sind am Freitag, 11. Mai, 15 Uhr; Samstag, 12. Mai, 15 Uhr und Sonntag, 13. Mai, 11.30 Uhr. Tickets gibt es beim Landestheater Tübingen oder der Kreissparkasse in Zwiefalten.

Kooperationsprojekt von LTT und Lindenhof

„Der Schatz von Upflamör“ gehört zum Kooperationsprojekt STADT. LAND. IM FLUSS. des Landestheaters Tübingen (LTT) und des Theater Lindenhof und wird umgesetzt im Rahmen der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“, gefördert in „TRAFO-Modelle für Kultur im Wandel“, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, sowie durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Das Projekt wird zudem gefördert durch die Baden Württemberg-Stiftung, die Stiftung LBBW und die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke.