Windkraft Charakter der Alblandschaft  wird durch Windräder verändert

Von Maria Bloching 23.04.2017

Von den acht größeren Vorranggebieten, die der Regionalverband Neckar-Alb ausweisen will, befinden sich vier auf der Gemarkung des Gemeindeverwaltungsverbandes Zwiefalten-Hayingen-Pfronstetten. „50 bis 60 Windindustrieanlagen mit einer Höhe von rund 230 Metern könnten hier also gebaut werden, auf Pfronstetter Gemarkung allein etwa 30 Windkraftanlagen“, fasste Thomas Wagner, Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind, zusammen. 60 Prozent der Pfronstetter Bevölkerung hat sich bereits dagegen ausgesprochen und will dies verhindern.

„Als gewählte Vertreter der Bürger ist es die Pflicht der Gemeinderäte, sich intensiv Gedanken über die Zukunftsfähigkeit ihrer Wohnorte zu machen und ihre Entscheidungen entsprechend dem Bürgerwillen zu treffen. Es wäre fatal, aufgrund eines kurzfristigen finanziellen Vorteils die Gesundheit einer ganzen Gemeinde leichtfertig aufs Spiel zu setzen und die Verantwortung dafür Jahrzente lang tragen zu müssen“, führte Wagner vor fast 250 Besucher in der Albhalle aus. Sie waren auch von umliegenden Gemeinden gekommen, um sich vier Stunden lang intensiv mit den  Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Natur, Mensch und Tier zu befassen.

Dazu waren drei erfahrene Referenten eingeladen worden, die schonungslos aus ihrer Praxis berichteten. Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld aus Überlingen präsentierte eine maßstabsgetreue, eigens für Pfronstetten angefertigte Visualisierung die deutlich machte, wie die geplanten Windkraftanlagen rund um die Gemeinde das Landschaftsbild stören und dazu beitragen, eine noch weitgehend intakte Landschaft irreparabel visuell zu zerstören. Früher wurden Anlagen mit einer Höhe von 60 bis 70 Metern gebaut, heute erreichen sie weit über 200 Meter: „Und die Größenentwicklung geht rasant weiter. Der Kölner Dom ist klein dagegen, aber er dreht sich wenigstens nicht“, meinte er und sprach von einer „optischen Bedrängnis“ mit „weitreichenden Wirkungen“. Angesichts der errechneten Windhöffigkeit von 5 bis 5,25 m/sek hegte Bielefeld Zweifel am wirtschaftlichen Ertrag: „Eine Abwägung zugunsten von Wind­energie wäre hier unverhältnismäßig und rechtsfehlerhaft. Ein öffentliches Interesse ist nicht erkennbar, der Schutz menschlicher Gesundheit, der Natur und Landschaft muss hier Vorrang haben“. Etwa ein Quadratkilometer Fläche sei rund um eine Windkraftanlage schlicht nicht bewohnbar, durch einen Windpark ginge deshalb die Alb als Erholungsregion verloren.

Baden-Württemberg sei stark durchsiedelt, insbesondere im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb komme dem Tourismus eine große Bedeutung zu. Laut Bielefeld leide dieser nachweislich unter Windkraftanlagen. Allein im Schwarzwald müsse in den nächsten Jahren mit einem Rückgang der Besucherzahlen von 25 Prozent gerechnet werden. Dies gehe dann auch mit einem Verlust des Bruttoumsatzes in Höhe von 2,1 Milliarden Euro pro Jahr und von 46 000 Vollarbeitsplätzen einher.

Darüber hinaus führte der Referent den Arten-, Wasser- und Landschaftsschutz an, er bemängelte die fehlende Ausgleichbarkeit und sprach nicht geklärte Gesundheitsrisiken an. „Für Windkraftanlagen auf der Alb sprechen lediglich Gewinninteressen und politische Wünsche“, meinte er und gab zu bedenken, dass sich der CO2-Ausstoß trotz Verdoppelung der Windkraft in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren nicht verringert hätte.

„Allein der Gemeinderat ist in dieser Gemeinde dafür verantwortlich, ob gebaut wird oder nicht. Die Gemeinde ist der Herr im Haus“, stellte er fest. Es bestehe kein rechtlicher Zwang zur Aufstellung eines Flächennutzungsplans für Windenergie und ohne einen Flächennutzungsplan müsse die Gemeinde zu jedem Einzelantrag ihr Einvernehmen erklären. „Die Alb ist ein wertvolles Natur- und Kulturerbe, sie ist ein wichtiger Lebens- und Erholungsraum für ihre Bewohner und für die naheliegenden Ballungszentren“. Deshalb dürfe sich der Charakter der Landschaft durch die drehenden Riesen nicht ändern und die Natur nicht zur Industrielandschaft werden.

Thomas Wagner stellte fest, dass nicht nur Pfronstetten von den Auswirkungen betroffen wäre, sondern auch alle umliegenden Gemeinden. „Wenn Ruhe und Erholung in der Heimat nicht mehr gegeben ist, wird die Landflucht nicht geringer werden“, meinte er.

Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ will mit allen Mitteln die Windkraft in Pfronstetten verhindern und setzt darauf, Menschen aufzuklären, so dass sie sich eine Meinung bilden können. So erfuhren sie an diesem Abend auch, wie sich Windkraft auf ihre Gesundheit auswirken kann (siehe  dazu auch nebenstehender Artikel).

Wie Windräder das Landschaftsbild beeinflussen

Seinen Vortrag über die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Natur, Tourismus und Menschen illustrierte der Landschaftsarchitekt Ulrich Bielefeld mit einer  Visualisierung (Foto): Sie zeigt, wie die Landschaft um Pfronstetten mit Windkraftanlagen aussehen könnte.

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