Münsingen / Von Ralf Ott

Die zweite Auflage der TRAFO-Akademie startete am Montagnachmittag mit rund 50 Teilnehmern und endet heute. TRAFO steht für „Transformation“ und will „Modelle für Kultur im Wandel“ entwickeln. Das Programm geht auf eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes zurück und wird über den Zeitraum von vier Jahren hinweg mit 13,5 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind neben der „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ noch fünf weitere ländliche Regionen im gesamten Bundesgebiet.

In seiner Begrüßung regte der Münsinger Bürgermeister Mike Münzing an, differenzierter zu diskutieren und zu überlegen, woraus sich gegebenenfalls Probleme im ländlichen Raum ergeben. Ein Punkt sei sicherlich die räumliche Ausdehnung und damit das Thema Mobilität. „Es sind weitaus größere Anstrengungen notwendig, um eine vergleichbare Anzahl von Zuschauern zum Beispiel zum Besuch des Gastspiels eines Theaters zu bewegen“. Als Projektleiterin für die Kulturregion Alb nannte Judith Bildhauer die „Vernetzung von Kultur, Politik und Verwaltung“ ein wichtiges Anliegen – dafür wurde eine „Kulturplattform“ eingerichtet.

Im Fokus der dreitägigen Veranstaltung stand die Frage nach den Unterschieden von „Kultur“ in der Stadt und im ländlichen Raum. Dabei geht es den Akteuren vorrangig auch darum, Mittel und Wege zu finden, mit denen sich die vorhandenen Orte, an denen Kultur stattfindet, weiterzuentwickeln und zu stärken, erläuterte Samo Darian, Programmleiter für TRAFO. Nachdem eine ganze Reihe von Projekten bereits umgesetzt wurde – so auch in der Kulturregion Alb – gehe es jetzt um deren Analyse.

Mit dem Blick auf den kulturellen Austausch zwischen Stadt und Land konstatierte Trafo-Programmreferentin Harriet Völker „ein Sprachproblem“, da die Ausdrucksweise aus städtischer Sicht meist „von oben herab“ erfolge.

Doch wo verortet die Gesellschaft eigentlich den ländlichen Raum? „Die Definition ist politischen Leitlinien unterworfen“, sagte Dr. Doreen Götzky in ihrem Impulsvortrag unter der Überschrift „Kulturarbeit in ländlichen Räumen – Zwischen Unmittelbarkeit und Imageproblemen“. Je nachdem, welche Kriterien Anwendung finden, gehören in Deutschland 60 Prozent der Fläche zum ländlichen Raum, in dem 18 Prozent der Bevölkerung leben oder gar 96 Prozent der Fläche mit 68 Prozent der Bevölkerung. Zumeist ist die Trennung allerdings aufgehoben. „Die Lebenswelt der Menschen ist regionalisiert“, so Götzky, Leiterin des Kreismuseums in Peine.

Unterm Strich jedoch unterscheidet sich der Lebensalltag auf dem Land durchaus von dem in der Stadt: Die Gemeinschaft im Dorf mit ihrem „Wir-Gefühl“ ist ausgeprägter und beinhaltet gleichzeitig eine weitaus stärkere soziale Kontrolle. Klar ist Götzky zufolge die Bedeutung der städtischen Ballungsräume für kulturelle Innovationen. „Das ist aber an die dort vorhandenen Institutionen wie Theater, Konzerthäuser oder Museen gebunden“. Der ländliche Raum werde mitversorgt. Das zeigt sich auch an den Ausgaben der Kommunen für Kultur, die von mehr als 150 Euro in Großstädten auf 3,50 Euro je Einwohner in Gemeinden mit weniger als 3000 Menschen sinken. Als übergeordnete Instanz komme den Landkreisen eine große Rolle bei der kulturellen Arbeit zu. Unterm Strich finde sich im ländlichen Raum oft „Breitenkultur“ – das Vereinswesen spiele hier eine zentrale Rolle.

Demgegenüber sei Kultur im städtischen Umfeld im Normalfall an Künstler gebunden und damit zumeist auch professionalisiert. Kunst und Kulturprodukte sind sowie deren Rezeption entspringen laut Götzky dem Lebensstil der Zuschauer. „Vielfach werden Kulturveranstaltungen besucht, um dort Menschen zu treffen, die ähnlich sozialisiert sind“. Im ländlichen Raum seien diese Grenzen offener.