Baumpflege Beim dritten Versuch passt es

Dottingen / Joachim Lenk 10.04.2018

Luca Bleher steht vor dem 22 Meter hohen mehrstämmigen Ahorn, der bestimmt schon 70 Jahre auf dem Buckel hat. Prüfend schaut der Baumpfleger nach oben. Er steigt in seinen Arbeitsgurt, zieht den Helm über und wirft ein dünnes Seil mit einem mit Stahlschrot gefüllten Säckchen fast bis ganz nach oben. Beim dritten Versuch passt es. Das Seil schlingt sich um einen Ast. Langsam gleitet der Wurfsack nach unten, an den der 24-Jährige aus Dottingen das Aufstiegsseil befestigt. Er zieht es nach oben und sichert das andere Ende am Baumstamm mit einem Knoten des Typs Laufender Palstek.

Jetzt geht es mit Muskelkraft nach oben. Dank dreier Steigklemmen ist der 1,84 Meter große Baumpfleger in ein paar Sekunden in der Baumkrone. Wie ein Gorilla hangelt sich der 77 Kilogramm schwere Schwabe, der im Gegensatz zu den Tieren mit einem Seil gesichert ist, von Ast zu Ast. Die trennt er nach und nach mit der Motorsäge ab. Manchmal kommt die Handsäge zum Einsatz.

Bleher ist einiges gewohnt. Seit knapp fünf Jahren ist er als Baumpfleger in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Nach knapp zwei Stunden Arbeit pfeift der 24-Jährige einem Kollegen. Bleher hat Durst. Kein Problem. Sein Arbeitskamerad befördert über das bis zum Boden baumelnde Kletterseil eine Trinkflasche nach oben.

„Fäulnis im Stammkopf“ ist der Grund, weshalb der Baum, der in einem kleinen Garten steht, um mehr als zwei Drittel gekürzt werden muss. Drumherum stehen in wenigen Metern Abstand Häuser. Deswegen gibt es auch keine Fällung am Stück. Der Eigentümer geht auf Nummer sicher. Niemand soll gefährdet werden. Vor ein paar Jahren sind in 50 Meter Luftlinie nach einem Sturm Bäume Richtung Straße umgeknickt, erinnern sich Anwohner, die das nicht alltägliche Schauspiel am Fenster beobachten.

Etwa fünf Meter mit Efeu umschlungenen Stamm lässt Bleher als Habitat stehen. „Eine gute Brutgelegenheit für Vögel und Insekten“, weiß der Kletterer, der nach rund drei Stunden Arbeit im Baum wieder Boden unten den Füßen hat.

Zusammen mit seinen Kollegen schleppt er die Baumreste auf die Straße. Dort steht der Schredder, der die großen und kleinen Äste zerkleinert. Zwischen vier und fünf Kubikmeter Häckselgut kommt am Ende zusammen. Darüber freut sich die Gomadinger Verwaltung, die seit vielen Jahren in der Sternberghalle eine Holzhackschnitzelanlage betreibt. Für Blehers Chef Bernd Strasser, der dort im Gemeinderat sitzt, stellt er seiner Gemeinde das Brennmaterial zur Verfügung.