Stuttgart/Münsingen Bei der freien Rede legt sich die Aufregung

Lea Geiselhart (Dritte von links) hat beim Landesfinale von Jugend debattiert den zweiten Platz belegt.
Lea Geiselhart (Dritte von links) hat beim Landesfinale von Jugend debattiert den zweiten Platz belegt. © Foto: Rebecca Schwarz
EB/RENE 26.03.2016
Vier Schüler qualifizierten sich beim Landesfinale in Baden-Württemberg erfolgreich für die Bundesebene des Wettbewerbs Jugend debattiert, darunter die Bremelauerin Lea Geiselhart (wir berichteten).

Richtiges Debattieren will gelernt sein. Wie das geht, zeigten die Gewinnerinnen und Gewinner des Landesfinale Jugend debattiert Baden-Württemberg, die sich am Mittwoch im Stuttgarter Rathaus den Fragen widmeten, ob auf Fleisch und Fleischprodukte höhere Steuern erhoben werden sollen und ob die Verbreitung von Elektroautos durch eine staatliche Kaufprämie gefördert werden sollte.

Lea Geiselhart hatte sich argumentativ mit der Fleischsteuer zu beschäftigten, was sie im Vorfeld auch wusste. Die vertrat in der Debatte die von ihr erhoffte Pro-Position. "Ich war relativ aufgeregt", meinte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Als es zur freien Rede kam, habe sich die Aufregung aber gelegt und die 15-jährige Gymnasiastin konnte ihre Stärken ausspielen, sehr zur Freude der beiden mitgereisten Lehrer Regine Heyduck und Albert Mollenkopf sowie ihrer Familie. Die wird auch beim Finale in Berlin dabei sein, bestätigte Mutter Christine, die "richtig stolz" auf ihre Tochter ist.

Jugend debattiert heißt das große Schulprojekt mit Unterrichtsreihe und Wettbewerb, zu dessen Bundesfinale sich je zwei junge Rednerinnen und Redner der Sekundarstufen I und II jetzt qualifiziert haben. "Genau zuhören und andere Meinungen respektieren sind wichtige Fähigkeiten in Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft. Im Debattentraining kann das jeder lernen. Es verbessert nicht nur kommunikative Fähigkeiten, sondern stärkt auch die Persönlichkeit", zeigt sich Frank J.-Weise, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung, vom Projekt überzeugt, das der Bundespräsident vor 16 Jahren initiierte.

Dabei helfen klare Regeln: Pro Debatte vier Schüler, eine Streitfrage, 24 Minuten Dauer. Inhalte und Argumente zum Thema müssen sitzen, denn wer Pro oder Contra vertritt, wird erst kurz vor dem Wettbewerb ausgelost. Rund 20 000 Schüler in 150 Schulen haben sich im laufenden Schuljahr in Baden-Württemberg im Rahmen einer Unterrichtsreihe an Jugend debattiert beteiligt.

Wettbewerbe fanden zuvor bereits auf Schul- und Regionalebene statt. Die beiden Debattensieger und die jeweils Zweitplatzierten beider Altersklassen vertreten Baden-Württemberg zunächst bei der Qualifikation zur Bundesebene in Berlin. Dort werden sich am 18. Juni dann die acht besten Debattanten aus ganz Deutschland im Bundesfinale gegenüber stehen.

Als Preis für ihren heutigen Erfolg erhalten die ersten und zweiten Sieger ein fünftägiges intensives Rhetorik-Training, das sie gemeinsam mit den Siegern der anderen Länder auf die Bundesebene des Wettbewerbs vorbereitet. "Für eine Demokratie ist der Austausch von Argumenten, das Ringen um adäquate Lösungen von wesentlicher Bedeutung! Politik braucht also leidenschaftliche Debatten. Selbst debattieren zu können ist die Grundvoraussetzung, um sich bei der Gestaltung unseres Gemeinwesens einbringen zu können", so der Präsident des Landtags von Baden-Württemberg und Schirmherr des Landeswettbewerbs, Wilfried Klenk MdL.

Mit Jugend debattiert wollen die beteiligten Stiftungen Schüler aller Schularten ab Klasse 5 ermutigen, durch Debattentraining ihre sprachliche, politische und persönliche Bildung zu verbessern.

Jugend debattiert ist eine Initiative des Bundespräsidenten und steht unter seiner Schirmherrschaft. Partner sind die Hertie-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Heinz Nixdorf Stiftung sowie die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder.

Jugend debattiert: Platzierungen des Landesfinales

Die Platzierungen im Finale des Landeswettbewerbs Jugend debattiert: Debatte Altersgruppe 1 (Klassen 8 bis 10): 1. Platz: Anna Dannecker, Eberhard-Ludwigs-Gymnasium/Stuttgart, 2. Platz: Lea Geiselhart, Gymnasium Münsingen, 3. Platz: Cassedy Brose, Humboldt-Gymnasium/Karlsruhe, 4. Platz: Markus Michalek, Eugen-Bolz-Realschule/Ellwangen.

Debatte Altersgruppe 2 (Jahrgangsstufen 11 bis 13): 1. Platz: David Peti, Johannes-Kepler-Gymnasium/Tübingen, 2. Platz: Johanna Williams, Schule Birklehof e.V./Hinterzarten, 3. Platz: Lucia Hatzelmann, Eberhard-Ludwigs-Gymnasium/Stuttgart, 4. Platz: Paul Belzer, Schule Birklehof e.V./Hinterzarten.

SWP