Seit einigen Wochen sind die 29 Männer in der Münstergemeinde untergebracht - und wurden dort mit offenen Armen empfangen. Sprachunterricht wurde organisiert, die Spendenbereitschaft war groß und es kam zu mehreren Begegnungen zwischen Zwiefaltern und den Asylbewerbern - zuletzt bei einem gut besuchten Kaffeenachmittag im Kolpinghaus. Auch ein Sportangebot ist derzeit in Planung.

Der Landkreis will die Männer nun aber anderweitig unterbringen - der Gasthof Hirsch gehört wohl zu den teuersten Unterkünften. "Die Männer haben sich sehr gut integriert und sich aktiv im Ort engagiert", lobte Bürgermeister Matthias Henne die Flüchtlinge. Der den Gemeinderat über den Wunsch der ehrenamtlichen Helfer informierte, die Männer in der Münstergemeinde weiter unterzubringen und zu betreuen. "Wir wollen nicht beim nächsten Mal wieder bei null beginnen", sagte Gemeinderat Gerhard Wax, der sich im Ehrenamtskreis für die Flüchtlinge engagiert.

Langfristig wäre ein Gebäude in der Gustav-Werner-Straße als alternative Unterbringung möglich, erklärte Bürgermeister Henne. Allerdings: Das in privater Hand liegende Haus wird nicht rechtzeitig umgebaut werden können, um die Männer aus dem Hirsch direkt aufnehmen zu können. "Das wird zeitlich nicht klappen", so Henne, der nun nach Zwischenlösungen suchen will - Vorschläge aus dem Ratsgremium folgten prompt.

Auch die 29 Männer selbst würden gerne in Zwiefalten bleiben, wie sie in einem auf englisch verfassten Brief bekundeten. "Sie fühlen sich wohl, arbeiten gerne und würden alles dafür tun, hier bei uns zu bleiben", erklärte Henne. Wax bezeichnete den Brief als "sehr berührend".

Gemeinderat Stefan Aschenbrenner mahnte allerdings eine weniger euphorische Sichtweise an. "Wir müssen aufpassen, dass wir die Situation nicht zu schön und blümerant reden", erklärte Aschenbrenner. Das Engagement der Flüchtlinge etwa nannte er "plakativ": Da, wo man sie geholt habe, hätten sie mitgeholfen. "Nur solange gezogen wird, funktioniert es."

Deutschkenntnisse seien zudem immer noch kaum vorhanden. "Von sehr gut integriert zu sprechen, halte ich da für überzogen", sagte Aschenbrenner, der zugleich davor warnte, dass freiwilliges Engagement Zwiefalten nicht vor weiteren Aufgaben seitens des Landkreises schützen würde.

Im Gremium rumorte es auf diese Aussage hin hörbar, doch bevor Gerhard Wax zu einer Gegenrede anstimmen konnte, bügelte Bürgermeister Henne die mögliche Diskussion in der öffentlichen Gemeinderatssitzung ab. "Das diskutieren wir morgen in aller Ruhe", befand Henne und verwies auf die Tagesordnung, in der das Thema Flüchtlinge nur unter dem Punkt Bekanntmachungen angesprochen worden war.