Wimsen Ausreißer aus dem Programm

Das Duo Sistere wusste in der Wimsener Mühle das Publikum in den Bann zu ziehen.
Das Duo Sistere wusste in der Wimsener Mühle das Publikum in den Bann zu ziehen. © Foto: sh
Wimsen / Sabine Herder 03.07.2018

Kultur zeigte sich am Freitag in der Wimsener Mühle einmal ganz anders als gewohnt: Das „Duo Sistere“ – Opernsängerin Karina Aßfalg und Ausdruckstänzerin Gitte Wax – bereicherte die Wimsener Veranstaltungsreihe um einen wunderbaren „Ausreisser“ aus dem Jahresprogramm: Unter dem Motto „Tänze hören - Musik sehen“ nahmen die beiden ihr Publikum mit auf eine intensive und magische Reise über (Kunst-)Grenzen hinweg.

Hören und Sehen, Gesang und Tanz gehen in dem Programm der beiden Künstlerinnen ein sehr bemerkenswertes Bündnis ein. „Sapere Aude“ steht über allem - Wage es, weise zu sein! Und weise war es denn auch, der Performance des interdisziplinären Duos aufmerksam zu folgen: Klänge, Bewegungen und Gedanken verschmolzen auf der Bühne zu einer fesselnden Ausdrucksform, die die Zuschauer/Zuhörer ebenso mystisch wie archaisch in eine andere Welt versetzten.

Es wundert nicht, dass das etwa eineinhalbstündige Programm des „Duo Sistere“ ohne Pause auskommt und die Gäste eingangs auch darum gebeten werden, keinen Zwischenapplaus zu spenden.

Im Programm von „Sapere Aude“ finden sich klassische ebenso wie aktuelle Werke. Den wunderbar warmen, mühelos wirkenden Sopran von Karina Aßfalg umrahmt dabei Gitte Wax mit sensiblem Ausdruckstanz auf der Bühne und inspirierenden, träumerischen Texten aus dem Off. Zusammen entführten die beiden Künstlerinnen ihr Publikum in eine sehr spirituelle und berührende Welt aus Tanz, Gesang und Sprache.

Kostüme, Stoffe, Accessoires und auch Lichteffekte leisten dazu ihren eigenen Beitrag: Die Kerze, die Gitte Wax als mystisch verhüllte Figur zu „Pie Jesu“ aus dem Requiem von Andrew Lloyd Webber an Karina Aßfalg übergibt, die goldene Kugel, die sie ihr zur Gebets-Arie „Casta Diva“ aus der Oper „Norma“ zu Füßen legt. In feurigem Rot singen und tanzen sie die Carmen-Arie „Habanera“, in verruchtem Schwarz präsentieren sie den „Diva-Song“ aus dem Film „Das fünfte Element“ von Luc Besson. Klassisch ergreifend, modern treibend, verträumt sphärisch ist alles dabei, was die Seele baumeln läßt und zugleich in Traumwelten versetzt.

Ob der Körper Fühler hat? Wie fühlt sich ein „blaukalter Fluss“ an? Die ausdrucksvollen Traum-Texte, gesprochen von Gitte Wax und mit spärlich sphärischen Klängen unterlegt, sind „verrückt, vertraut, verbunden“ – aneinander gereihte Gedanken, die in  jedem ganz eigene Bilder erwecken. Im Zusammenspiel mit Tanz und Gesang wird die Wahrnehmung auf eine neue, sehr persönliche Ebene versetzt.

Einen ausdrucksstarken, fesselnden Höhepunkt boten die beiden Künstlerinnen gegen Ende ihrer eindrucksvollen, Kunst übergreifenden Performance mit Mozarts Arie „Voi Che Sapete“ aus der „Hochzeit des Figaro“. Blau und golden ließen sie zum Schluß Bellinis „tugendhafter Göttin“ aus der Oper „Norma“ gesanglich wie tänzerisch Flügel wachsen - eine intensive, grandiose Darbietung, die das Publikum dann auch, zunächst zaghaft und wie aus einem Traum erwacht, beklatschen durfte. Allmählich wurde ein nicht enden wollender Applaus daraus, unterbrochen von lauten Zugabe-Rufen.

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Minuten dauerte das Programm von „Duo Sistere“ ganz ohne Pause. Die Gäste wurden eingangs auch darum gebeten, keinen Zwischenapplaus zu spenden.

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