Vortrag August Enderle

Dr. Eberhard Schanbacher befasste sich in seinem Vortrag mit Leben und Wirken des Gewerkschafters August Enderle, der aus Feldstetten stammt.
Dr. Eberhard Schanbacher befasste sich in seinem Vortrag mit Leben und Wirken des Gewerkschafters August Enderle, der aus Feldstetten stammt. © Foto: Heike Feuchter
Feuchter 08.03.2017

August Enderle aus Feldstetten steht für ein epochenübergreifendes Phänomen: Intelligente junge Menschen fliehen aus dem ländlichen Bereich in Metropolen. So auch  Enderle, der mit großem Potenzial in die Welt zog und in der Heimat doch weitgehend in Vergessenheit geriet. Als jüngstes von acht Kindern von Walburga und Paul Enderle wuchs der 1887 geborene August  im Bauern- und Weberdorf auf. Er verdingte sich neben dem sporadischen Schulbesuch als Hütebub, zog nach der Konfirmation nach Stuttgart und absolvierte dort eine Lehre zum Metalldreher.

1905 trat er, achtzehnjährig, der SPD bei, fand seine Heimat in der deutschen sozialistischen Jugend (DJS) und trat in den Metallarbeiterverband ein - Urzellen seiner  weiteren politischen und gewerkschaftlichen Karrieren.

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche ging Enderle auf Wanderschaft durch Deutschland, erkannte dabei die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse  in der Arbeiterklasse als seine zentrale Lebensaufgabe. Mit agitatorischem und journalistischem Talent gesegnet, erreichte er bei Versammlungen und in Schriften ein breites Publikum, überzeugte mit seinen Argumenten. Als Friedensaktivist stand er der Kriegsbegeisterung scharf ablehnend gegenüber, er ging auf Konfrontationskurs   gegen die Mehrheits-SPD und schloss sich dem Spartakusbund an.

Enderle und  Walcher, den er beim  DJS  kennengelernt hatte,  erlebten die Weimarer Republik als KPD- Mitglieder der ersten Stunde: Detailliert ging der Referent auf die damaligen politischen Umstände ein, beschrieb Aufstände, Besetzungen, Reichslösungsbewegungen. 1923 verhandelten Enderle und Walcher als deutsche Vertreter der KPD in Moskau mit Lenin, Stalin und Trotzki über das Einrücken der Roten  Armee in Deutschland zu  Revolutionsbeginn – was nie eintrat. Parteiintern wurden Enderle und Walcher als Rechtsabweichler für die gescheiterte Revolution verantwortlich gemacht. Enderle wurde vom russischen Geheimdienst  verhaftet, verhört  und schließlich 1928 aus der KPD ausgeschlossen. Dasselbe widerfuhr  seiner zukünftigen Frau Irmgard Rasch, auch hauptamtliche Funktionärin der KPD. Enderle setzte seine politische Arbeit in linken Splitterparteien wie KPDO und SAPD fort, brachte  mehrere Gewerkschaftsbücher heraus.

Im Dschungel der vom Spaltpilz befallenen Parteien gewann Enderle einen Freund, für den er zur politischen Vaterfigur wurde: Herbert Frahm, besser bekannt unter seinem  im Exil angenommenen Namen Willy Brandt. Nach dem Parteiverbot 1933 floh das Ehepaar Enderle nach Stockholm, er arbeitete als Journalist und Metalldreher.  1944 schloss sich Enderle der SPD an, kam zurück in ein zerstörtes und kriegsgebeuteltes Deutschland.

Einflussreicher  Gewerkschafter

Irmgard und August setzten sich als Redakteure des neuen Weser-Kuriers mit ganzer Überzeugungskraft für den demokratischen Wiederaufbau ein. 1947 gehörte Enderle zu den Gründern des neuen Gewerkschaftsbundes, wurde Chefredakteur des Presseorgans „der Bund“ und weiterer Informationsblätter für Funktionäre. Er gründete die Berufsgruppe der Journalisten im DGB und wurde in den 50ern zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Gewerkschafter, Journalisten und Sozialpolitiker der jungen Bundesrepublik Deutschland.

Bei einem Besuch in Feldstetten verstarb August Enderle 1959 an plötzlichem Herzversagen. Der Heimatgemeinde wurde die Bedeutsamkeit Enderles erst bewusst, als neben weiterer Prominenz ein sichtlich betroffener Willy Brandt  am Grab auf dem Feldstetter Friedhof stand.

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Kinder zogen Walburga und Paul Enderle  in Feldstetten auf.  Als jüngstes wurde  1887 August  geboren. Er absolvierte nach dem Schulbesuch eine Lehre zum Metalldreher.

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