Erst vor zwei Jahren flog der heute 19-jährige Jens Holnaicher seinen ersten Segelkunstflug-Wettbewerb, wurde prompt Letzter, ließ sich aber überhaupt nicht beirren und krönte seine noch kurze Karriere kürzlich in Gera mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Advanced-Klasse im Segelkunstflug. Zweiter beim Wettbewerb war sein Vereinsfreund Dennis Koniecny geworden, was den Triumph der Hayinger perfekt machte.

Der Engstinger hatte sich als Bub bereits für das Fliegen interessiert, vor allem Hubschrauber hatten es ihm zunächst angetan. Ein Nachbar nahm den an Technik interessierten Jungen mit nach Hayingen auf den Segelflugplatz und von da an wusste er, dass er das Fliegen lernen wollte. Mit 14 begann er mit der Ausbildung im Segelfliegen, zwei Jahre später hatte er den Schein in der Tasche.

Beim Salzmann-Cup, den die Hayinger 2011 ausrichteten, war Holnaicher als Juryschreiber eingesetzt, beobachtete mit großem Interesse den Wettbewerb, schaute genau zu bei den Figuren, die geflogen wurde, verglich sie mit den Aufgabenstellungen: „Mir ist in diesen Tagen klar geworden, dass ich das unbedingt auch versuchen wollte“, erinnert er sich. Doch Segelkunstflug erfordert viel Mut. Der verließ ihn beim allerersten Mal, als er schon bei Udo Markert, dem Hayinger Vereinsvorsitzenden und Piloten in der schwierigsten, der Unlimited-Klasse, im Doppelsitzer saß und bereits den Fallschirm auf dem Rücken geschnallt hatte, dann aber doch „Schiss“ bekam und lieber erstmal wieder ausstieg. Heute können beide lachen, wenn sie diese Anekdote zum Besten geben.

Doch ehe er mit den Segelkunstflug beginnen konnte, mussten noch 50 Pflichtstunden Segelflugerfahren gesammelt werden. Die hatte Holnaicher noch längst nicht beisammen, als er sich 2014 für den Salzmann-Cup, eine Art Deutsche Vereinsmeisterschaft, anmeldete. „Jens hat uns ganz schön in Atem gehalten, damit das was werden konnte mit seinem Wettbewerb“, schmunzelt Markert. Eine Woche vor Beginn hatte er es dann doch geschafft, trat in der Sportsman-Klasse, der Anfängerklasse an, wurde Letzter, sammelte aber wertvolle Erfahrungen.

Schon beim Salzmann-Cup im Jahr darauf in Ansbach zeigte er mit einem dritten Rang in der zweitschwersten, der Advanced-Klasse, dass künftig mit ihm zu rechnen war. Dem ließ er in diesem Jahr zuerst den Sieg im Salzmann-Cup folgen, der ihn zum Mitfavoriten bei der DM machte, und schließlich mit dem Deutschen Meistertitel die bisherige Krönung seiner sportlichen Laufbahn. Den hat der Student der Meteorologie mit 19 Jahren gewonnen. So jung war noch nie ein Titelträger im Segelkunstflug. Holnaicher ist damit automatisch Mitglied der Nationalmannschaft geworden und wird kommendes Jahr an der Weltmeisterschaft in Torun (Thorn) in Polen teilnehmen. Letztmals in der Advanced-Klasse, denn auf nationaler Ebene wird er bereits in der Unlimited-Klasse an den Start gehen, die er als große Herausforderung ansieht: „Ich werde bestimmt erst Lehrgeld zahlen“, ist sich Jens Holnaicher sicher.

Am Segelkunstflug reizt ihn vor allem die Tatsache, dass man  präzise fliegen muss: „Wenn ich ein Programm sauber runter geflogen habe, dann gibt das ein total gutes Gefühl und macht irre Spaß“, sagt der Engstinger. „Es ist faszinierend, mit wie wenigen Trainingsstarts Jens so tolle Flüge hinbekommt“: Udo Markert ist voller Respekt vor der Leistung des Youngsters, dem er auch in der Zukunft Großes zutraut. Hayingen hat sich längst als das Kunstflugzentrum Deutschlands etabliert, freut sich der rührige Vorsitzende, nicht nur dank der jüngsten Erfolge, sondern auch, weil man zuletzt zwei große Wettbewerbe veranstaltet hat und das mit viel Anerkennung durch die Teilnehmer.

Vereinsintern werden Holnaicher und Koniecny am heutigen Samstag im Rahmen des Flugplatzhocks geehrt (siehe nebenstehenden Bericht).