Pfronstetten Amphibienschutz wird beherzigt

Mit dem Absaugen des Wassers und der Entnahme des Schlammes haben die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Pfronstetter Hüle begonnen.
Mit dem Absaugen des Wassers und der Entnahme des Schlammes haben die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Pfronstetter Hüle begonnen. © Foto: Heinz Thumm
Pfronstetten / HEINZ THUMM 17.10.2015
Die Pfronstetter Hüle wird umgebaut. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Amphibienschutz gelegt. Nach einer langen Planungsphase ist Anfang der Woche mit den Arbeiten begonnen worden.

Nach sieben Jahren Planung, vielen Diskussionen, zwei Gutachten zur Wasserqualität und zum Amphibienschutz wurde nun zum - für die Tiere - richtigen Zeitpunkt die umfangreiche Maßnahme gestartet. Die Pfronstetter Hüle hat eine Flächenausdehnung von etwa 900 Quadratmeter und dient auch als Feuerlöschteich für das nahe Industriegebiet. Im Lauf der Jahre ist die Wasserfläche immer mehr zugewachsen und zu einem unschönen Blickpunkt geworden. Algen und allerlei Grünzeug haben sich in der Hüle, die nur einen geringen Zulauf hat, ausgebreitet.

Regelmäßig im Frühjahr wird die Hüle zum beliebten Laichplatz für mehrere tausend Bergmolche und Frösche. Der Zeitpunkt des Baubeginns musste auf den jetzigen Zeitpunkt verlegt werden, damit möglichst viele dieser Amphibien sich in das Winterquartier in den umliegenden Gärten und Wiesen zurückgezogen haben.

Die Rechnung ging auf: Nach dem Absaugen des Wassers und dem Absuchen des Schlammes wurden tatsächlich nur vier Tiere, drei Bergmolche und ein Frosch gefunden und geborgen. Die Maßnahmen wurden von den ehrenamtlichen Amphibienschützern Reinhold Braun, Zwiefalten, und Elke Lehner, Huldstetten, begleitet. Als anerkannter Experte hatte sich Jürgen Tröge, Vorsitzender des Vereins RANA - Reptilien Amphibien Neckar Alb - als Berater in den Amphibienschutz eingebracht. Die Gemeinde hat dabei gezeigt, dass sie Wert auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Amphibien legt.

Am zweiten und dritten Tag der Bauarbeiten wurden einige hundert Kubikmeter Schlamm ausgebaggert und auf einer Fläche im nahen Industriegebiet zwischengelagert. Dort kann der Schlamm austrocknen und dann seiner endgültigen Verwendung zugeführt werden. In der Zwischenzeit wird die Stützmauer entlang der Durchgangsstraße geköpft.

Die umfangreichen Bauwerke zur Wasserentnahme für die Feuerwehr werden beseitigt. Auch die Umfassungsmauer auf der Westseite wird gänzliche abgebaut. Hier wird später ein sandwassergebundener Fußweg den Abschluss der Hüle bilden. Der tiefste Punkt der Hüle wird von der Straße weg in die Mitte verlegt. Durch die große Wassertiefe soll die Erwärmung des Wassers vermindert werden. Eine Wasserentnahme für Löschwasserzwecke wird weiterhin ermöglicht. Die Abdichtung erfolgt durch einen "Lehmschlag", der mit geprüftem Lehm eingebaut wird.

Durch Verlegung des Gefälles von der Straße in Richtung Hüle wird das Gelände so modelliert, dass der Wasserzulauf von der Straße aus zunächst in eine Mulde erfolgt und dann erst auf die Wasserfläche trifft. Ist der Zulauf nicht ausreichend, kann durch Zuleitung von Frischwasser aus der Leitung eine günstige Wassersituation erreicht werden.

Die Kosten der Umbaumaßnahmen an der Hüle sind mit 130 000 Euro veranschlagt. Für die weiteren Bauarbeiten, insbesondere im Straßenbau, Herrichten der Anschlussbereiche und einer befestigten Fläche sind weitere 420 000 Euro kalkuliert. Für die Maßnahmen ist eine Förderung mit 50 Prozent zugesagt. Die Umspannstation an der Lindenstraße wird dort wieder abgebaut und an die südliche Wiesenfläche verlagert.

Die Zuwanderung der Amphibien im Frühjahr an den Laichplatz wird durch eine Geschwindigkeitsbeschränkung und weitere Sicherungsmaßnahmen begleitet. In den wenigen "Hauptkampftagen" des Zulaufs werden ehrenamtliche Naturschützer die Straße regelmäßig überwachen.

Für die umfangreiche Zeit der Rückwanderung - mehrere Wochen im Juni/Juli - wird eine bewegliche Auffangrinne aufgebaut und die Amphibien an den Endpunkten in Behälter geleitet. Von dort aus werden die Tiere in kurzfristigen Zeiträumen entnommen und über die Straße transportiert. Über eine Informationsveranstaltung sollen weiter Helfer gewonnen werden, welche die Maßnahme vor Ort unterstützen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel