ALBTÄGLICHES: Straßenfeger

EVA FOCHT-RABEL 26.10.2012

Lang ist es her, da wusste jeder, was das Wort Straßenfeger bedeutet. Erstens, jemand, der ganz im Sinne des Wortes die Straßen fegte - das gibt es heute längst nicht mehr. Dann gab es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Krimis wie "Stahlnetz" oder die Edgar-Wallace-Verfilmungen, bei denen die gesamte Familie vor den wenigen Fernsehgeräten vor Spannung schier Krisen bekam. Heute, bei hunderten von Sendern, tendiert der Spannungsfaktor gen Null, selbst wirklich interessante Filme gehen im Überangebot unter. Ganz so abgestumpft ist man anscheinend doch nicht. Im Radio läuft momentan eine Hitsendung, die von Platz 1011 bis eins geht - die Moderatoren stellen sie Tag und Nacht vor. Da hängt man plötzlich tagelang am Radio, schnulzt mit Udo Jürgens, erfährt, dass es einen Song über Spätzle gibt, grölt mit Grönemeyer oder den Beatles, hört ergriffen uraltes von Edith Piaf, rockt mit den Beatles kriegt sich nicht ein bei AC/DC. Ganz eindeutig also, wenn an der ewig roten Ampel alle ein wenig ausgeglichen erscheinen: die hören den regionalen Sender. Was ein Glück, dass (fast) niemand hört, wenn man lautstark, total falsch, aber glücklich, seine Lieblingslieder mitsingt.