Engstingen Abschied von einem echten Schultes

Landrat, Bürgermeister, vor allem natürlich die Familie und die Freunde, aber auch zahlreiche Engstinger nahmen gestern Abschied von Klaus-Peter Kleiner. Foto: Frenz
Landrat, Bürgermeister, vor allem natürlich die Familie und die Freunde, aber auch zahlreiche Engstinger nahmen gestern Abschied von Klaus-Peter Kleiner. Foto: Frenz
Engstingen / REINER FRENZ 11.10.2013
Die Engstinger haben Abschied genommen von ihrem langjährigen Bürgermeister Klaus-Peter Kleiner. Hunderte gaben ihm gestern die letzte Ehre, unter ihnen viele Bürgermeister-Kollegen aus der Region.

Längst nicht alle fanden gestern Nachmittag in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Großengstingen einen Sitzplatz, als es galt, Abschied zu nehmen von einem Menschen, der die Gemeinde geprägt hat wie kaum ein Zweiter vor ihm. 29 Jahre lang war Klaus-Peter Kleiner Bürgermeister, ehe er - schon längst von schwerer Krankheit gezeichnet - Ende Juli das Amt an seinen Nachfolger Mario Storz abgab.

"Wir geben einem Mann die letzte Ehre, der diese in besonderem Maße verdient hat", leitete Landrat Thomas Reumann seinen Nachruf ein. Dass so viele Menschen von Klaus-Peter Kleiner Abschied nehmen würden, sei als Zeichen hohen Respekts zu werten. Das Klagen über die Krankheit sei nie Sache des Verstorbenen gewesen, der sich stattdessen noch ein paar Reiseträume habe erfüllen können.

Klaus-Peter Kleiner sei ein lebensbejahender Mensch gewesen, der mit Leib und Seele Bürgermeister war, mit Engagement und Hingabe, so Reumann. Kleiner sei nie um ein geistreiches Wort verlegen gewesen. Unter dem Strich: "Ein echt schwäbischer Schultes".

Der Landrat würdigte die "außergewöhnliche Persönlichkeit Klaus-Peter Kleiner": "Pflegeleicht und unverbindlich, das war seine Sache nicht". Stattdessen hätten ihn Stehvermögen und Hartnäckigkeit ausgezeichnet, habe er über Ecken und Kanten verfügt, sei ein Mann gewesen, auf den Verlass war und dem man vertrauen konnte. "Seine Anmerkungen in Richtung königliches Oberamt in Reutlingen werden mir fehlen", so der Landrat.

Tief erschüttert habe er die Nachricht vom Tod seines Vorgängers vernommen, sagte Bürgermeister Mario Storz. Wie kein anderer habe Kleiner die Gemeinde Engstingen in den vergangenen Jahrzehnten geprägt und "mit viel Weitsicht gestaltet und weiterentwickelt". Kleiner sei die Gemeinde Engstingen am Herzen gelegen und er habe seinen Beruf geliebt: "Alle seiner Ämter hat er mit Leidenschaft, aber auch mit spürbarer Freude am Gestalten ausgeübt", erklärte Storz.

Kleiners erste Amtszeit von 1984 bis 1992 sei geprägt gewesen von weltpolitischen Ereignissen. Es sei jene Zeit gewesen, als im Lager Golf auf der Haid amerikanische Atomsprengköpfe lagerten und Engstingen ein zentraler Ort für die Aktivitäten der Friedensbewegung war.

Als die Schließung der Eberhard-Finckh-Kaserne im Raum stand, habe Kleiner frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und sich für die Gründung eines Gewerbeparks stark gemacht, als Zweckverbands-Vorsitzender Verantwortung hierfür übernommen.

Kleiner habe sich in gleichem Maße für die nachhaltige Entwicklung Engstingens eingesetzt. Ausweisung neuer Baugebiete, Ortsentwicklung- und Sanierungsmaßnahmen, die Schaffung eines attraktiven Angebots in den Bereichen Nahversorgung, Schule und Kinderbetreuung hätten dazu geführt, dass Engstingen eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden in der Region wurde.

Kleiner habe Bürgernähe aus voller Überzeugung gelebt, stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Anliegen der Bürger, der Unternehmer und der Vereine gehabt.

Er habe die Fähigkeit besessen, die Interessen der Gemeinde mit Nachdruck vertreten zu können: "Diese Vehemenz, gepaart mit charismatischem Auftreten, aber auch die Tatsache, dass er Missstände, Kritik und Ungerechtigkeit stets offen ansprach, brachten im vielfach Sympathie und allseits Respekt ein", so Bürgermeister Mario Storz.

Pfarrer Bernard Backenstrass sprach in seiner Predigt davon, dass man Abschied nehmen müsse von einem Menschen, der sich 30 Jahre lang für die Menschen in Engstingen und Kohlstetten verausgabt habe. Klaus-Peter Kleiner hinterlasse unauslöschliche Erinnerungen bei allen, die ihn gekannt hätten. Sein Tod werde das, was er geleistet habe, nie vergessen lassen. Backenstrass Mitgefühl gelte Kleiners Frau Irina und dem Sohn Mathias.

Am Grab nahmen anschließend an den Gottesdienst viele hundert Bürger aus Engstingen, seinen Ortsteilen, aber auch aus Trochtelfingen und der Region Abschied von Klaus-Peter Kleiner.

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