Inklusion „Wir haben auch etwas zu geben“

Willi Vyskytensky und Annika Randecker, die sich jetzt schon „geistig-geistlich“ mit dem Projekt beschäftigen.
Willi Vyskytensky und Annika Randecker, die sich jetzt schon „geistig-geistlich“ mit dem Projekt beschäftigen. © Foto: swp
Münsingen / swp 13.02.2018

„Inklusion wird in Kirchengemeinden, in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen vielfach gelebt. Wir können es jedoch noch systematischer und bewusster tun“, ist sich Landesbischof Frank Otfried July sicher. Die Kirchengemeinde Münsingen hat sich in Kooperation mit der Samariterstiftung ganz bewusst darauf eingelassen. Menschen mit Behinderung gehen künftig in die Kirchengemeinde und helfen dort mit, wo Unterstützung Not tut. „Wir haben was zu geben“, sagt Britta Lucas, Werkstattleitung der Werkstatt an der Schanz. Dieses Engagement wird unterstützt. Aus dem Fonds der Landeskirche gibt es drei Jahre lang Geld, damit Annika Randecker die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und den Menschen mit Behinderung gut koordinieren kann, wie es im Medienbericht heißt.

Der Aktionsplan „Inklusion leben“ der evangelischen Landeskirche will mit seinem Fonds dazu beitragen, dass vor Ort Haltungen und Einstellungen gegenüber Menschen, Lebensvorstellungen und -formen hinterfragt werden. Der Aktionsplan unterstützt die Vernetzung von Kirche und Diakonie im Gemeinwesen. Er hilft, dass – in Orientierung an der UN-Behindertenrechts-Konvention – alle Menschen teilhaben und mitgestalten können. Doch, was das Münsinger Projekt so besonders macht, ist, dass es nicht nur um Teilhabe sondern ebenso um „Teilgabe“ geht. „Unter unseren Beschäftigten sind Menschen mit ganz besonderen Talenten“, erzählt Britta Lucas. „Wenn jemand im Rollstuhl sitzt, dann kann ich für ihn einkaufen gehen, oder ihm den Rasen mähen“, erzählt Willi Vyskytensky. Der 45-jährige lebt seit 1993 in Grafeneck. Er meint: „Nicht jeder hat es so gut wie ich, deshalb will ich helfen.“

„Das ist wirklich zukunftsweisend“, freut sich Wolfram Keppler, Geschäftsführung Aktionsplan Inklusion des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche in Württemberg. Der Pfarrer der Martinskirche, Salomo Strauß, betont,  dass dieses Projekt sich an alle Menschen mit geistiger, körperlicher und seelischer Behinderung richtet. „Mitmachen kann jeder Mensch mit Behinderung in Münsingen, der unsere Kirchengemeinde tatkräftig unterstützen kann.“ Strauß sitzt zusammen mit Annika Randecker und Philipp Kuhn, einem Menschen mit Behinderung aus Münsingen, sowie der Werkstattleitung Britta Lucas und dem Standortleiter Georg Schrode der Samariterstiftung, Wolfgang Materne und Rita Kurz aus dem Kirchengemeinderat sowie der städtischen Inklusionsbeauftragten Rebecca Hummel und einem Vertreter der Bruderhaus Diakonie, in einem Beirat, der das Projekt begleitet und berät. Ihm gehört zudem Helmut Kaden von der Münsinger Albstiftung an, denn diese kommt für den Eigenanteil auf, der aufgebracht werden muss, um das Projekt mit der Kirchengemeinde zu stemmen.

„Durch dieses Projekt wird das diakonische Profil der Werkstatt an der Schanz geschärft“, freut sich Britta Lucas. Ob es um die Unterstützung des Hausmeisters im Gemeindehaus geht, oder darum einen Beitrag für den Gottesdienst beizusteuern oder ob der Gemeindebrief ausgetragen werden muss, denkbar sind viele Aktivitäten.

Bis zu zehn Menschen mit Behinderung können sich auf einmal im Projekt engagieren. „Für uns ist das ein Glücksfall, denn sie bringt ihr Fachwissen aus der Werkstatt-Tätigkeit mit ein“, sagt Strauß.

Demnächst wird ein Flyer aufgelegt, den es entsprechend dem Inklusionsgedanken natürlich auch in leichter Sprache geben wird.

Info Nähere Informatione bei Annika Randecker, Kirchengemeinde Münsingen, Telefon (0 73 81) 9 39 655 (Donnerstagnachmittag), E-Mail: inklusionsprojekt.muensingen@gmx.de.