Ödenwaldstetten / REINER FRENZ  Uhr
Im Rahmen des Bundestagswahlkampfs besuchte Peter Friedrich, Minister für Europa und internationale Angelegenheiten im Staatsministerium, am Samstagvormittag die Hofkäserei in Ödenwaldstetten.

Hofkäserei-Chef Helmut Rauscher konnte am Samstagvormittag neben Minister Peter Friedrich auch MdL Klaus Käppeler und die SPD-Bundestagskandidatin Rebecca Hummel auf seinem Hof begrüßen. Drei Generationen würden hier unter einem Dach leben, erklärte er. Drei Mitarbeiter seien zudem in der Käserei beschäftigt. "Wir machen hier alles vom grünen Gras bis zum Käse", so Rauscher, der ergänzte: "Wir sind Biobetrieb, gehören also seit 1987 zum altmodischen Teil der Landwirtschaft".

Vorsichtig näherte man sich daraufhin den Albbüffeln auf der nahen Weide, die sich neugierig zu den Besuchern gesellten. "Streicheln, auch wenn sie schwarz sind", empfahl Rauscher lachend. Er hatte manche Anekdote zu den Büffeln parat, die völlig anders "ticken" würden als Kühe, die man nicht einfach von einer Ecke der Weide in die andere treiben könne, weil sie eben stur seien wie Büffel.

Während Kühe an 300 Tagen im Jahr Milch geben würden, seien es bei Büffeln in der Regel nur vier Wochen. Kalkulieren könne man mit 1000 Liter im Jahr. Vor neun Jahren sei die Idee mit den Büffeln entstanden, die man aus Rumänien auf die Alb gebracht habe.

Es schloss sich der Besuch der Käserei an, wo die Politiker sich zuerst als Alphornbläser mit "schwäbischen Alphörnern", bestehend aus Schläuchen, Trichter und Mundstück, probieren konnten. Danach gab es Häppchen vom "Albzarella" und den verschiedenen Käseprodukten. Friedrich berichtete von seiner Arbeit einmal als Bevollmächtigter des Landes in Berlin, der im Bundesrat fürs Land abstimme. Europa sei aber seine Hauptaufgabe, sei es in der Vertretung in Brüssel, sei es in der Strukturförderung oder beim Thema Grenzgänger.

Rauscher wünschte sich, dass landwirtschaftliche Zuschüsse aus Brüssel kreativer verwendet werden sollten. Friedrich antwortete, dass aktuell die Verhandlungen über die Agrarstrukturreform gescheitert seien. Praktisch jedes Mal, wenn er nach Brüssel komme, stünden Traktoren vor dem Parlament: "Ich habe noch nie eine Demo von Labormitarbeitern erlebt". Landwirtschaft habe eine sehr starke Lobby, wusste der Minister, der bedauerte, dass die kleinräumige Landwirtschaft wie sie in Baden-Württemberg anzutreffen sei, den Kürzeren ziehe gegenüber der industrialisierten.

Der Minister sprach über seine Erfahrungen bei Reisen, etwa nach Rumänien, wo von bewilligten 16 Milliarden Euro an Mitteln aus dem Strukturfonds noch nicht einmal eine Milliarde abgerufen worden sei. Auch Griechenland nutze einen Großteil seines landwirtschaftlichen Potentials nicht. Friedrich bedauerte, dass in den Ländern Südosteuropas der genossenschaftliche Gedanke politisch diskreditiert sei. Während in Frankreich Abfülllastwagen zu den Winzern komme, würden in Kroatien Riesenabfüllanlagen aufgestellt.

Verabschiedet wurden die Politiker mit Alphornklängen. Friedrich hatte zuvor noch seine Frau angerufen und ihr gesagt, dass sie auf dem Markt keinen Käse zu kaufen brauche. Dank gekühltem Handschuhfach im Dienst-Audi konnte er sich mit Leckereien aus der Hohensteiner Hofkäserei eindecken.