Hayingen "Onaitig Loch" mit Bedeutung

Der Kappenturm und die Stadtmauer in Hayingen wurden für 60 000 Euro saniert.  Foto: Maria Bloching
Der Kappenturm und die Stadtmauer in Hayingen wurden für 60 000 Euro saniert. Foto: Maria Bloching
Hayingen / MARIA BLOCHING 08.08.2013
Wer den Hayinger Kappenturm sucht, muss schon in den hintersten Winkel des Städtchens eintauchen. Hier breitet sich der Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung nun frisch saniert in voller Pracht aus.

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung Hayingens ist die südwestlich gelegene Ecke der ursprünglichen Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang und "Kappenturm" bis heute erhalten.

Die Stadtgründung und Errichtung der Mauer wird in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. An den Kappenturm in der Badgasse schließt sich ein 13 Meter langer Mauerabschnitt in Richtung Norden an, der dann von einem privaten, bebauten Grundstück unterbrochen wird. Doch etwas weiter nördlich findet die Mauer nach einem Wohnhaus eine 32 Meter lange Fortsetzung. Der südliche Mauerabschnitt in Richtung Osten ist rund 19 Meter lang und verbindet den Kappenturm mit einem Scheunengebäude. Mauer und Turm wurden hauptsächlich aus Kalkbruchsteinen der näheren Umgebung errichtet. Einzelne Ziegelsteine und Dachplatten sind im Mauerwerk integriert. Insbesondere an den Leibungen der Schießscharten im Turm fanden Ziegelsteine Verwendung. Ursprünglich war die Grundstruktur des Mauerwerks völlig verdeckt, doch durch Witterungseinflüsse wurde der aufgrund meist glatten Mauersteinen nur schwer verankerte Kalkputz weitgehend abgetragen. Insbesondere der Außenseite an der Mauersohle hat die aufsteigende Feuchtigkeit Schäden zugefügt.

Für Hayingen ist die Stadtmauer samt Kappenturm ein einmaliges Kulturdenkmal, das von April bis Juni umfangreich saniert wurde. Lose Putzschichten wurden entfernt und das Mauerwerk wieder mit feinem Kalkputz entsprechend der Erstfassung überarbeitet, abschließend erfolgte ein Kalkanstrich. Wer am Kappenturm steht, der kann sich gut vorstellen, warum im Jahr 1303 Hayingen den Namen "Stadt mit Mauern und Toren" erhielt.

Hier wird deutlich, dass der Ort nicht als eine Einheit entstanden ist, sondern zunächst vermutlich im Jahr 1247 durch den Ritter "Swigger von Gundelfingen" gegründet und schließlich 1285 als Stadt erweitert wurde. Dies zeigt sich besonders daran, dass die Stadtmauer im Osten einen Knick aufweist und dass sich die Nord-/Südstraßen über die Marktstraße hinaus gleichfalls seitlich verschoben haben. Von den ehemals drei Toren ist lediglich noch das Tor im Kappenturm übrig geblieben, das sogenannte "Onaitig Loch", also ein unnötiges Loch.

Denn einer Sage nach wurde das Tor einst im Schwedenkrieg vom Torhüter "Kaltmatheis" mit einem Dorschen (Mark eines Krautkopfes) verschlossen, da er den zur Verriegelung notwendige Eisendorn verloren hatte und sich feindliche Truppen bedrohlich der Stadt näherten. Doch eine Geiß fraß den Dorschen ab und der Feind konnte somit ungehindert in die Stadt eindringen. Seither ist die Geiß Wahrzeichen der Stadt und dient auch der Narrenzunft als Traditionsfigur.

Der Kappenturm hat somit für Hayingen eine traditionelle Bedeutung, die Sanierung wurde mit 50 000 Euro im Haushalt vorgesehen. Nachdem sich die Gesamtkosten auf rund 60 000 Euro belaufen und auch noch Planabweichungen bei anderen Maßnahmen vorliegen, werden die Mehrkosten in einem Nachtragsplan aufgenommen. Die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen, was noch fehlt ist eine Innenbeleuchtung im Wehrgang, so dass sich das gesamte Areal rund um Kappenturm und Stadtmauer insbesondere bei Nacht beeindruckend präsentieren kann.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel