Sonnenbühl "Leuchttürme" für neue Zeit

© Foto: Simon Wagner
Sonnenbühl / SIMON WAGNER 13.07.2015
Der Melchinger Windpark "Himmelberg" war 1995 der erste in Baden-Württemberg. Errichtet durch das Sonnenbühler Unternehmen Sowitec, markiert er gleichzeitig die Geburtsstunde des heutigen Global Players.

Unter den Rotoren von Eos, Helios und Aiolos lud das Sonnenbühler Unternehmen Sowitec auf dem Melchinger Himmelberg zum großen Festwochenende vor dem Hintergrund des Doppeljubiläums zum 20-jährigen Bestehen des Windparks sowie des Unternehmens. Von Seiten der Landesregierung gratulierte Minister Winfried Hermann zum zweifachen Geburtstag.

Ehe am Sonntag die Öffentlichkeit zum bunten Programm geladen war, scharte Sowitec-Geschäftsführer Frank Hummel bereits am Abend zuvor zahlreiche Freunde, Kollegen und Wegbegleiter um sich. Sie kamen, um eine 20-jährige Unternehmensgeschichte zu feiern, in dessen Verlauf der einstige Familienbetrieb zum weltweit agierenden Spezialisten in Sachen erneuerbare Energie wurde. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen inzwischen 250 Mitarbeiter.

Zuvor allerdings, so erinnerte Frank Hummel, galt es einige Hürden zu überwinden. Technische, aber auch solche im Geiste. 1993, als er den Bauantrag für die drei Windräder einreichte, sahen außer ihm nur wenige das Potenzial der erneuerbaren Energien. Es galt: „Altbewährtes Denken von Neuem zu überzeugen“. Er ließ sich jedoch nicht abbringen, war sich sicher, „das den erneuerbaren Energien die Zukunft gehören wird“ und sie angesichts des Klimawandels zu einer lebenswerten Zukunft für nachfolgende Generationen beitragen können. Heute blickt er auf eine „faszinierende Entwicklung“ und auf eine Vision, die Wirklichkeit geworden sei. Aus Kritikern seien Partner geworden. Aus der einstmaligen Nische, der größte Wachstumsmarkt im Energiesektor.

Der grüne Verkehrs- und Infrastrukturminister Winfried Hermann gratulierte zum „Geburtstag eines Pioniers“. Er erinnerte an die Kritik, die den Windpark während seines Entstehens begleitete – aber auch daran, wie sich die Debatten auflösten, als sich die Räder erst einmal drehten. Der Himmelberg sei Ziel einer regelrechten „Wallfahrt“ geworden: „Sie haben nicht nur drei Windräder gebaut, sondern Leuchttürme für eine neue Zeit“. Eine Zeitenwende, die allerdings noch immer im Werden begriffen ist. Hermann hält ein höheres Tempo bei der Ausweisung neuer Standorte für notwendig: „Es ist zum Mäusemelken, wie lange es dauert, bis man Windräder aufstellen kann“, klagte er. Auch „nicht nachvollziehbare Proteste“ von Naturschützern stoßen ihm auf. Just dort, wo Standorte ins Visier genommen werden, würden plötzlich seltene Tierarten entdeckt. „Wir müssen die Natur und unsere Arten schützen“, bekennt der Minister, aber: „Es ist alles hinfällig, wenn der Klimawandel voranschreitet“. Sein Appell: „Wir müssen an einem Strang ziehen“.

Harry Ebert, Bürgermeister Burladingens, sieht dabei vor allem die Landesregierung in der Pflicht, rechtliche Voraussetzungen zu schaffen, um Anlagen schneller zu realisieren. „Ich finde sie schön. Von mir aus könnten noch mehr stehen“, betonte er. Sein Sonnenbühler Amtskollege Uwe Morgenstern sieht in den Rädern überdies die Chance „unsere Region als fortschrittlich und zukunftsfähig zu präsentieren“. Kritische Fragen zu möglichen Standorten bezeichnete er als legitim, aber: „Die Diskussion muss sachlich bleiben“. Nicht immer sei ein Konsens zu erreichen. Das zu akzeptieren, gehöre zur Demokratie.

Wie bekannt, steht Sowitec in den Startlöchern, um am Sonnenbühler „Hohfleck“ bis zu fünf Anlagen zu errichten. Dass sein Unternehmen gewillt ist, auch auf Burladinger Gemarkung zu investieren, machte Frank Hummel deutlich. Es wäre die Fortsetzung einer Unternehmensgeschichte, die vor 20 Jahren begann und in der Minister Hermann die Tugenden des schwäbischen Mittelstands aufs trefflichste verwirklicht sieht: „Global denken, regional verankert bleiben“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel