Ausbildung „Kein Job fürs ganze Leben“

Bereit zum Abflug nach Südostasien: Annabell Burkhardt (links) und Lena Auer aus Dottingen gestern am frühen Abend auf dem Frankfurter Flughafen.
Bereit zum Abflug nach Südostasien: Annabell Burkhardt (links) und Lena Auer aus Dottingen gestern am frühen Abend auf dem Frankfurter Flughafen. © Foto: ©Annabell Burkhardt
Von Ralf Ott 05.01.2018

Es war ein bisschen Glück, aber auch gezielte Auswahl: Die 18-jährige Annabell Burkhardt aus Mehrstetten hat vier Monate lang als Animateurin in einer Hotelanlage in Maspalomas gearbeitet und sich dabei vorwiegend um die Kinder der Gäste gekümmert. „Die Arbeit war letztlich ganz anders als die klassische Vorstellung von einem Animateur“, berichtet sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Das hatte sich im Vorfeld bereits abgezeichnet. So mussten weder sie noch ihre Kollegen – im Unterschied zur Praxis bei manch anderem Reiseveranstalter – beispielsweise nie den Gästen bei den Mahlzeiten Gesellschaft leisten. Neben der Kinderbetreuung stand mehrmals die Ausarbeitung etwa eineinhalbstündiger Shows für bis zu 350 Zuschauer aus dem Hotel in ihrem Arbeitsplan. Ausschnitte aus Musicals, HipHop oder auch mal ein Theaterstück mussten entwickelt, einstudiert und dann zur Aufführung gebracht werden. „Ich tanze schon seit ich drei Jahre alt bin, das kam mir natürlich zu Gute“, erzählt sie. Die Arbeit hat ihr in jedem Fall Spaß gemacht auch wenn „es härter war, als je zuvor in meinem Leben“. Eine 60-Stunden-Woche war die Regel, nicht zuletzt auch weil es immer wieder unvorhergesehene, personelle Engpässe gab. Waren die eigenen Aufgaben erledigt, musste sie fast immer den Kollegen helfen. „Das erschien mir manchmal endlos“.

Und doch: „Der Job hat mir gefallen und natürlich war Sozialkompetenz im Umgang mit den Gästen gefragt“. Besonders gut fand sie bei der Arbeit mit den Kindern deren unmittelbare Rückmeldung, ob sie zufrieden waren oder auch mal nicht. „Natürlich ging es nicht um Pädagogik, sondern darum, gemeinsam Spaß zu haben“. Und sie könne Kinder schnell ins Herz schließen, hat sie festgestellt. Auch nach dem Ende ihrer Arbeit in Gran Canaria hat sie weiterhin Kontakt zu einigen Eltern und will eine der Mütter einmal in Berlin besuchen.

Deutlich geworden ist für sie allerdings auch, dass Animateur niemals ein Job fürs Leben für sie wäre. „Es ist nett für Leute, die nicht im Büro arbeiten wollen, aber auf Dauer fehlt die Herausforderung“, zieht sie als Fazit.

Ende November kehrte Annabell Burkhardt nach Mehrstetten zurück. Und ist jetzt bereits wieder unterwegs – zusammen mit Lena Auer aus Dottingen. „Thailand, Malaysia und vielleicht Laos“ – so die Idee. „Wir sind aber eigentlich planlos, nur Bangkok steht als erste Station fest“. Den Urlaub finanziert sie übrigens aus eigener Tasche mit dem Verdienst aus ihrem Job als Animateurin.

Nach der Rückkehr geht es Mitte Februar bereits wieder weiter. Dann wartet eine Stelle als Au Pair in einem Haushalt auf La Reunion im Indischen Ozean auf die Mehrstetterin.

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Monate Auszeit nehmen sich viele junge Leute nach dem Abitur – das „Gap Year“. In der heutigen Ausgabe schildert uns Annabell Burkhardt ein Fazit ihrer Arbeit auf Gran Canaria.