Meidelstetten "Ich finde immer einen Weg"

Professor Dr. Heiko Krimmer schilderte eindrücklich die Zustände in Indien. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Professor Dr. Heiko Krimmer schilderte eindrücklich die Zustände in Indien. Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Meidelstetten / SABINE ZELLER-RAUSCHER 13.05.2013
"Nethanja" - Gott hat gegeben - gilt als Leitwort der Nethanja-Mission in Indien, die seit 40 Jahren von Dr. Heiko Krimmer begleitet wird. An Himmelfahrt erzählte er in Meidelstetten von seiner Arbeit vor Ort.

2001 wurde Professor Dr.Heiko Krimmer durch die Indische Regierung verbannt. Eine Einreise ist ihm seither eigentlich nicht mehr erlaubt. "Ich finde aber immer wieder einen Weg", schmunzelt der Vorstand der "Kinderheime Nethanja Narsapur-Mission", die sich in Indien den Ärmsten der Armen annimmt.

Wie dem kleinen Mädchen, welches vor vielen Jahren vom Vater im Dschungel ausgesetzt wurde, nachdem die Mutter bei der Geburt verstarb. "Mädla geldat nix in Indien", so der Pfarrer in Ruhe, der stolz berichtet, dass das Mädchen heute als Ärztin arbeite, nachdem sie im Nethanja-Kinderheim groß geworden ist.

Krimmer sieht Indien als Drittelgesellschaft. "400 Millionen, der 1,2 Milliarden Menschen leben auf unserem Niveau, 400 Millionen kämpfen jeden Tag ums Überleben und die restlichen 400 Millionen leben in bitterster Armut", berichtet der Pfarrer aus Owen. Nicht selten würden zehnköpfige Familien am Straßenrand einzig unter einer Plastikplane leben. Die Lebenserwartung würde bei 35 Jahren liegen.

Unvorstellbar für die zahlreichen Besucher im Gemeindehaus, welche sich die spannenden Erzählungen des welterfahrenen Pfarrers anhörten und die bunten und bewegenden Bilder aus der völlig anderen Welt sahen. Das Gebiet der Nethanja-Kirche erstreckt sich im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh an der Ostküste entlang von der Stadt Narsapur, wo 1970 die Arbeit der christlichen Mission begonnen hat.

Die rasante Ausbreitung der Gemeinde würde den Hindus nicht gefallen. Verstärkt würden die Mitarbeiter der Mission seit 2008 einen wachsenden Widerstand gegenüber Christen verspüren. "Allein 20 Pastoren wurden in den letzten 20 Jahren getötet", erzählt Krimmer und berichtet, dass auch er nur knapp einem Anschlag entkam, als ihm eine große Blumenkette samt einer kleinen Bombe um den Hals gehängt wurde.

In letzter Sekunde wurde die Bombe entdeckt und Pfarrer Krimmer gerettet. "Damals konnte ich nicht böse, sondern nur dankbar sein", freut sich Krimmer noch heute und ist sich dabei sicher, dass ihn dieser Vorfall in seinem Glauben noch mehr gestärkt hat. Ein ganz großes Problem sieht Krimmer auch in der rasanten Ausbreitung des HIV-Virus. Hier sieht sich die Mission in der Behandlung und der Prävention verpflichtet. Krimmer erzählt von einem kleinen Mädchen aus Owen, welches ihm ihr Wochentaschengeld mit nach Indien geben wollte. Die Mutter hätte gedacht, dass die 50 Cent in Indien nicht viel bewirken können. "Umgerechnet sind das 35 Rupien, damit kann sich eine fünfköpfige Familie drei Tage lang ernähren", führte Krimmer aus.

Ein Beispiel welches verdeutlicht, wie viel man mit wenig in dem verarmten Land erreichen kann. Sei es durch eine Spende oder einen Dauerauftrag oder durch die Übernahme einer Kinder-Patenschaft. Zwischenzeitlich gehören zu der evangelischen Freikirche "Nethanja Churches" fast 150 000 Getaufte. 600 Kinder erhalten unter anderem durch Nethanja in zehn Kinderheimen eine Zukunftsperspektive.

200 Mädchen, können aufgeteilt in zwei Mädchendörfer in Frieden leben. Krankenhäuser und Fachkliniken nehmen sich Aidsinfizierten und Leprakranken an, wobei sich die christliche Gemeindearbeit stetig ausbreitet. Bereichert wurden die spannenden Erzählungen durch Gesang und Gebet.

Info Mehr Infos zu Nethanja unter www.nethanja-indien.de

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