Münsingen „Ich bin bereit, Starthilfe zu leisten“

Landrat Thomas Reumann brachte gute Nachrichten zum Bürgergespräch mit.
Landrat Thomas Reumann brachte gute Nachrichten zum Bürgergespräch mit. © Foto: Ralf Ott
Münsingen / Von Ralf Ott 22.06.2018

Gute Nachrichten präsentierten der Reutlinger Landrat Thomas Reumann und Norbert Finke, Geschäftsführer der Kreiskliniken, am Donnerstagabend in der Zehntscheuer den rund 50 Teilnehmern eines Bürgergesprächs über die Weiterführung der Geburtshilfe an der Albklinik Münsingen. Künftig soll es für den Kreis Reutlingen eine Geburtshilfe an zwei Standorten geben mit einem gemeinsamen Pool an Ärzten und Hebammen, sagte Reumann. Die gemeinsame Leitung übernimmt der Chefarzt der Reutlinger Frauenklinik, Dr. Peter Kristen. „Wir wollen das gesamte geburtshilfliche Spektrum anbieten“, betonte Reumann, der eingangs auf die Stärken der Münsinger Geburtshilfe verwiesen hatte. „Darauf können wir aufbauen“. Das Vertrauen in und die Wertschätzung für die Arbeit solle erhalten und ausgebaut werden.

Finke erläuterte die Rahmenbedingungen der „Konzeption zur Fortsetzung und Zukunftssicherung der Geburtshilfe in der Albklinik“. Der Start ist spätestens für Januar kommenden Jahres geplant. Die Geburtshilfe soll dauerhaft als Hauptabteilung in Form eines kooperativen Betriebsmodells eingerichtet werden. „Wir hoffen auf eine hohe Wertschätzung bei den schwangeren Frauen und den zuweisenden Ärzten“, betonte der Geschäftsführer. Neben der familienorientierten, sicheren Geburtshilfe an beiden Standorten bleibe Reutlingen natürlich Perinatalzentrum der Stufe 1 inklusive der Intensivstation sowie weiterhin die erste Anlaufstelle bei Risikoschwangerschaften. Geprägt von ihrer ruhigen Ortslage, solle die Geburtshilfe in Münsingen – sofern keine Risiken vorliegen – einen ganzheitlichen, sanften Ansatz verfolgen einschließlich der Vor- und Nachbetreuung durch die Hebammen. Diese sind, mit Ausnahme von zwei Personen, alle beim Kreisklinikum Reutlingen geblieben und vertraglich bis Ende des Jahres gebunden. Da Personal nicht nur auf Ärzteseite sondern auch bei den Hebammen schwer zu finden ist, kündigte Finke eine Kooperation mit der Hebammenschule Ulm an. „So könne wir eigene Hebammen ausbilden“.

Das Kooperationsmodell sieht die Rotation von Ärzten zwischen Reutlingen und Münsingen vor bei einer entsprechend erweiterten Ärztemannschaft. Fünf weitere Fachärzte werden benötigt. „Wir wollen flexible, lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle anbieten“, versicherte Finke. Die Wünsche zur Arbeitszeitgestaltung sollten so weit wie möglich berücksichtigt werden und Angebote zur Unterstützung bei der Kinderbetreuung gebe es zudem. Für die Suche sollen alle Kanäle genutzt werden von der Direktansprache über Anzeigen in Fachzeitschriften bis hin zu Online-Jobbörsen. Die Suche läuft zwar bereits – allerdings vor allem auf interner Ebene.

Im weiteren Fahrplan stehen jetzt am 29. Juni und 11. Juli zwei Sitzungen des Aufsichtsrats der Kreiskliniken und am 16. Juli tagt der Verwaltungsausschuss des Kreistags. „Wenn im ersten Jahr ein Defizit entsteht, weil wir die Fortführung der Geburtshilfe als Daseinsvorsorge für den ländlichen Raum wollen, muss der Kreistag dieses zeitlich befristet abdecken“, erläuterte Reumann. „Bei 536 Geburten haben wir eine Kostendeckung, bei 500 fehlen 90 000 Euro und bei 250 Geburten immerhin 730 000 Euro“, rechnete Finke vor. Der Kreistag selbst entscheidet am 25. Juli.

„Wir wollen wirklich eine gemeinsame Geburtshilfe im Kreis Reutlingen mit verschiedenen Angeboten einrichten“, betonte Kristen. Dazu sei aber ein gutes Team erforderlich. Der Chefarzt versicherte zudem, dass übergangsweise bereits mit drei zusätzlichen Fachärzten die Münsinger Geburtshilfe wieder an den Start gehen könnte. „Unser Team ist bereit, die damit verbundene Mehrbelastung für einen gewissen Zeitraum zu tragen“, sagte er. Letztlich sollen die Arbeitszeitmodelle flexibel gestaltet werden. „Ein junger, engagierter Facharzt kann in der Reutlinger Frauenklinik viel lernen und dann eben auch Dienste in Münsingen übernehmen“, so Kristen.

Die Münsinger Chefhebamme Antje Buck berichtete von „der sehr guten Aufnahme ihres Teams in Reutlingen“. Sie freue sich, dass Gynäkologen bereit seien, am Krankenhaus in Münsingen zu arbeiten. „Trotz der guten Arbeit in Reutlingen haben wir auch Heimweh“, bekannte sie.

Ein Arzt, der schon in Münsingen ist, nämlich der seitherige Belegarzt Dr. Gerhard Schnitzer, will die neue Hauptabteilung auch unterstützen. „Ich bin bereit Starthilfe zu leisten soweit mir dies möglich ist“, sagte er unter dem Beifall der Zuhörer.

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