Engstingen "Engstinger Herbst": Mit zwei Schlägen am Ziel

Engstingen / JOACHIM LENK 09.09.2013
Rappelvoll war am Samstagabend das Festzelt, als fesche Jungs und sexy Mädels in Tracht die Location zum Kochen brachten. Gestern stand die Blasmusik beim "Engstinger Herbst" im Vordergrund.

Mario Storz, seit fünf Wochen Bürgermeister in Engstingen, wächst mit seinen Aufgaben. Vergangenen Monat, als er als Schultes zum ersten Mal bei der Sauerbrunnenhockete in Kleinengstingen ein Bierfass angestochen hat, brauchte er noch vier Schläge. Nur noch zwei benötigte der 31-Jährige im Trachtenjanker beim "Engstinger Herbst", den er mit einem lauten "es schäumt" am Samstagabend um 20.25 Uhr offiziell eröffnete. Zusammen mit Paul Schneider, dem stellvertretenden Vorsitzenden der veranstaltenden Schwäbischen Albmusikanten, und Oliver Hauber von "Zwiefalter Klosterbräu" verteilte er die 30 Liter Gerstensaft als Freibier unter den Gästen.

Die erste Maß Bier überreichte Storz dem Bundestagsabgeordneten Pascal Kober. Eigentlich sollte der FDP-Politiker auf der Bühne beim Ausschenken mithelfen. Doch der lehnte im Vorfeld dankend ab. Er hat es noch nicht vergessen, dass ihm vor vier Wochen Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann in Hengen beim Bierzapfen beinahe die Hand mit dem Holzhammer zertrümmert hat. "Gott sei Dank traf er nur den Bierkrug, den ich unter den Hahnen hielt", schmunzelte der Liberale, der seinen Trachtenanzug zuhause vergessen hatte.

Trachtenanzug deshalb, weil am Samstagabend im Festzelt eine Dirndl- und Lederhosenparty angesagt war. Fast alle Gäste kamen in bajuwarischer Kleidung. Zusammen mit der sechsköpfigen Partyband Sixpäc ließen sie bis weit nach Mitternacht Oktoberfeststimmung in Engstingen aufkommen. Mit dem kleinen Unterschied, dass dort die Maß Bier nur fünf Euro kostete. Zum Vergleich: auf der Wiesn in München müssen die Gäste heuer sage und schreibe 9,40 Euro hinblättern.

Noch ein Satz zum neuen Engstinger Bürgermeister. Der scheint ein begehrter Junggeselle zu sein. Nur so ist es zu erklären, dass sich fünf fesche Dirndl den Abend über um ihn scharten. Die hübschen Frauen kamen extra aus dem 22 Kilometer entfernten Rathaus in Burladingen angereist, wo Storz vor sieben Jahren ein Praktikum absolviert hatte. "Wir wollten einfach mal schauen, was aus ihm geworden ist", lachten die Damen aus dem Bau- und Hauptamt.

"Unser Schultes muss dort einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben", schmunzelte einer der Feuerwehrmänner am Eingang, die für die Einlasskontrolle zuständig waren. Die Floriansjünger hatten an diesem Abend einen angenehmen Job. Vorzugsweise bei Frauen mit tief ausgeschnittenen Dekolletés legten sie hilfsbereit Hand an: beim Anbringen der Einlasskontrollbänder um das Handgelenk.

Keine Einlasskontrollbänder brauchte man indes gestern Morgen als Pfarrer Roland Bader und Diakon Rudolf Tress einen ökumenischen Zeltgottesdienst zelebrierten. Mit dabei war die Jugendkapelle des Musikvereins Großengstingen und der katholische Kirchenchor St. Martin. Den anschließenden Frühschoppen umrahmte der Musikverein Uttenweiler mit flotten Weisen. Um die Mittagszeit war es nicht einfach, noch einen freien Platz im Zelt zu finden. Viele Gäste nutzten die Möglichkeit, zuhause die Küche kalt zu lassen. Sie ließen sich mit kulinarischen Köstlichkeiten aus der Vereinsküche verwöhnen.

Zur Unterhaltung spielten am Nachmittag der Musikverein Magolsheim sowie die Frohsinn-Musiker aus Reutlingendorf auf, die am Abend von der Trachtenkapelle aus Bernloch abgelöst wurden. Am heutigen Montag, 9. September, geht der "Engstinger Herbst" mit dem traditionsreichen Nachmittag für Kinder, Hausfrauen, Rentner und Handwerker weiter. Beginn im 600 Sitzplätze zählenden Festzelt ist um 15 Uhr. Die musikalische Umrahmung übernimmt die Veteranenkapelle des Musikvereins Großengstingen. Den Festausklang gestalten von 18 Uhr an die Gastgeber, die Schwäbischen Albmusikanten.

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