Riedlingen "Denken, dann klicken"

Professor Dr. Bela Mutschler aus Weingarten klärte Schüler des Kreisgymnasiums Riedlingen über Chancen und Gefahren des Internets auf.
Professor Dr. Bela Mutschler aus Weingarten klärte Schüler des Kreisgymnasiums Riedlingen über Chancen und Gefahren des Internets auf. © Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen / WALTRAUD WOLF 18.04.2015
Besondere Unterrichtsstunden erlebten die Schüler der Klassen 5 bis 7 des Kreisgymnasiums Riedlingen. Ein Aktionstag war den Neuen Medien mit Professor Dr. Bela Mutschler als Referent gewidmet.

Die Veranstaltung fand auf Initiative des Elternbeirats am Mittwoch in der voll besetzten Aula statt. Der Bedarf an einer solchen Aufklärung zeigte sich schon selbst an den vielen Händen der Unterstufenschüler, die sich erhoben, als Mutschler fragte, wer denn eigentlich "WhatsApp" nutze. Dass dies eigentlich erst ab dem Alter von 16 Jahren angesagt sei, hörten die Kinder und Jugendlichen später. In Facebook dürfe man ab 14 unterwegs sein. Doch, so der Referent, darüber sollten die Eltern entscheiden. Dass seine elfjährige Tochter in einer App-Gruppe unterwegs ist, hatten die Schüler schon vorher erfahren. Was ist gefährlicher, "WhatsApp" oder Facebook, war eine der vielen Fragen. "Wenn man die Regeln beachtet, dann sind die Risiken gleich", antwortete Mutschler, der betonte, dass es den Firmen darum gehe, mittels Werbung "richtig viel Geld zu verdienen" und die sei genau auf die Nutzer ausgerichtet.

Sensibel für die Risiken zu machen, das war sein Anliegen, schließlich seien die Angesprochenen die erste Generation, die von Kindesbeinen an mit dem Internet aufgewachsen ist, was nicht heiße, "dass ihr alles darüber wisst". Er zählte die vielen Möglichkeiten der Kommunikation von SMS, über E-Mail bis zum Chatten auf und eine Schülerin wusste, warum diese Art von Kommunikation so schwierig ist. "Man sieht und hört sich nicht, was zu Missverständnissen führen kann". Gefühle würden nicht transportiert, so Mutschler. "In Facebook bleibt nichts unentdeckt", so ein Schüler, "alle lesen mit, was man schreibt".

75 Milliarden an Nachrichten würden per "Whats-App" täglich versandt, machte Mutschler die Dimension deutlich, sekundenschnell, und: Eine Nachricht kann man nicht rückgängig machen.

Ganz eindringlich warnte er vor Kettenbriefen und machte mehrmals deutlich: Löschen und nicht weiter versenden, auch wenn Zahlungspflicht angekündigt oder vor einer vermeintlichen Droge gewarnt und vor allem wenn gedroht wird. Er legte den Schülern ans Herz, sich bei Unsicherheit an Eltern oder Lehrer zu wenden. "Erst denken, dann klicken", war seine Empfehlung auch bei Seiten, "die ihr gar nicht sehen wollt", als Beispiel nannte er Kriegsbilder von Syrien. Nicht weniger groß war sein Anliegen beim Umgang mit Fotos und Videos. "Geht bitte vorsichtig damit um. Überlegt euch, was und wo ihr etwas zeigt, wie ihr euch selber zeigt". Fotos ließen sich zudem manipulieren.

Keine Adressdaten übers Internet, die Handynummer nur für enge Angehörige und Freunde und beim Chatten ein Pseudonym. Aus Chatseiten sollten sie sich überhaupt fernhalten. Sie sollten bedenken, dass sie sich hier mit Fremden träfen.

Mobbing und Erpressung per Internet waren weitere Themen. Mutschler plädierte für den direkten Austausch zwischen Betroffenen. Wenn es nicht klappe, sollten sie sich an Eltern, Lehrer oder Freunde wenden. "Haltet euch zurück. Zeigt Respekt den anderen gegenüber", war seine eindringliche Mahnung, wobei er deutlich machte, dass nachvollzogen werden kann, wer ein Foto ins Internet gestellt hat.

"Ist es gefährlich, Spiele auf Web-Seiten zu nutzen", wollte ein Schüler wissen. Mutschler: "Grundsätzlich empfehle ich, es nicht zu tun". In einer zweiten Runde klärte er die Schüler der Klassen 8 bis 10 über Chancen und Risiken des Internets auf und am Abend waren die Eltern seine Zuhörer, um sie fit für die Herausforderungen der Neuen Medien zu machen.

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