Zwiefalten "Das Geschenk der Freiheit"

Pfarrer Paul Zeller beschäftigt sich mit Gott und der Freiheit.
Pfarrer Paul Zeller beschäftigt sich mit Gott und der Freiheit.
Zwiefalten / SWP 11.08.2012
Das heutige Kirchenwort stammt aus der Feder von Paul Zeller, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Zwiefalten.

"Ich bin so frei!" - das ist eine geläufige Redewendung, wenn jemand an der Geburtstagstafel beim angebotenen Kuchen kräftig zulangt. Wir nehmen uns die Freiheit - und wissen manchmal nicht, wann es genug ist. Oder sollten wir sagen: Gott gibt uns die Freiheit - oder wir gebrauchen sie oft nicht in rechter Weise. Rätselhafte Freiheit! Warum sind wir damit ausgestattet? In der heutigen Zeit darf und kann der Mensch sich viel freier bewegen als früher. Das ist zunächst einmal ein großes Geschenk. Erinnern wir uns an eine Fernsehsendung: Eine Familie versuchte einige Wochen lang so zu leben wie eine Bauernfamilie im Schwarzwald vor 100 Jahren. Diese Familie ist gerne wieder in das heutige Leben zurückgekehrt Es gab früher viele Zwänge, denen wir nicht wieder ausgesetzt sein möchten. Dennoch ist es eine Illusion zu meinen, wir seien in jeder Hinsicht frei. Auch das moderne Leben hält viele Zwänge für uns bereit.

Ich denke dabei an die Menschen, die keine Arbeit finden. Und wem nützen großartige Urlaubsmöglichkeiten, wenn er den Euro in der Tasche umdrehen muss oder wenn ihn Krankheit oder Sorge um Angehörige fest anbindet.

Zum heutigen Leben gehört auch diese Erfahrung: Ich kann mich nicht nur entscheiden - ich muss mich entscheiden. In unserer komplizierten, unübersichtlichen Welt ist das oft eine Last. Viele Menschen weichen Entscheidungen aus. Sie lassen sich treiben, ohne eine eigene feste Meinung zu haben. Sie hängen sich an das, was alle machen.

Und dennoch: Wir möchten die heutigen "Freiheiten" nicht missen. Mit Recht heben Generationen vor uns um sie gekämpft - oft unter schweren Opfern.

Freiheit ist ein großartiges Geschenk. So empfinden sicher auch viele Menschen, die unter dem Mauerbau vom 13. August 1961 zu leiden hatten, deren Freiheit durch die Mauer eingeschränkt war. Nur in Freiheit kann der Mensch sich entfalten.

Dabei kann uns der christliche Glaube helfen. Letzten Endes gilt: Wer sich von Gott geliebt weiß, hat keine Angst vor Freiheit.