Konzert „Boppin´B“ heizt in der Wimsener Mühle ein

„Boppin´B“ begeisterte in der Wimsener Mühle mit erstklassigem Rockabilly.
„Boppin´B“ begeisterte in der Wimsener Mühle mit erstklassigem Rockabilly. © Foto: Maria Bloching
Maria Bloching 09.10.2017

Rock´n Roll ist das Leben der fünf Musiker aus Aschaffenburg. Doch nicht etwa in traditionellem Gewand, sondern in einer Interpretation, die sich Boppin’ B in den vergangenen 32 Jahren in über 5000 Konzerten zu Eigen und mittlerweile zum grandiosen Kult gemacht haben. Auf der Bühne leben sie ihre Leidenschaft ungezügelt und haltlos aus, ihre Live-Performance ist legendär und besticht durch teilweise akrobatische Showeinlagen – stets angepasst an das jeweilige Publikum, auf das auch in Wimsen am Samstagabend intensiv eingegangen wurde.

Feines Gespür nötig

„Man braucht ein feines Gespür. Schließlich wollen wir ein Publikum, das sich zwei Stunden lang auf uns einlässt und das mit uns zusammen Spaß hat“, sagte der Kopf von „Boppin´B“ und der „verrückte“ Mann am Kontrabass Didi Beck. Kurz vor dem Auftritt ging er durch die Reihen in der Wimsener Mühle, sah sich um und überlegte, welche Stücke zu diesem Publikum wohl am besten passen könnten. „Es gibt nicht das eine Programm. Wir schneidern uns und unser Repertoire den Zuhörern zu“.

Und das kam an, machte den Abend spannend, intensiv und maßgeschneidert. Schnell ließen sich die Konzertbesucher im vollbesetzten Saal vom authentischen Gesang und dem mitreißenden Sound anstecken, die Leidenschaft der Musiker ging rasant auf das Publikum über, das es schließlich nicht mehr auf den Plätzen hielt. Zwar konnten jene, die sitzen blieben, die überaus unterhaltsame Show auf der Bühne besser genießen, doch auch sie juckte es in den Füßen, in den Hüften und in den Fingern.

Wer nicht tanzte, wippte im Rhythmus mit, rutschte auf seinem Sitz umher und schnippte zum Takt: „Ein fantastisches ,soul-fulles’ Ambiente an einem wunderschönen Ort“, lobte Didi Beck im Anschluss. „Das ist nicht Frankfurt und nicht Berlin – das ist Wimsen. Und was hier aufgezogen wird, ist einfach toll“.

Doch die gute Stimmung kam schließlich nicht von ungefähr. Als „die“ Rockabilly-Band Deutschlands schlechthin verstand es „Boppin´B“ mit überwiegend eigenen Stücken, aber auch mit legendären Popsongs im Rock´n Roll Gewand die Wände des alten Gemäuers zum Wackeln zu bringen. In den 1990-er Jahren war „Boppin´B“ Vorreiter für Bands wie Dick Brave, Boss Hoss oder Baseballs, längst haben sich die Musiker aber vermehrt auf eigene Kompositionen konzentriert und sich dadurch einen Namen gemacht. Das überzeugte auch in Wimsen.

Leadsänger Sebastian Bogensperger ließ mit seiner Wahnsinnsstimme die Funken zum Publikum überspringen. Von Beginn an verbreitete die Band mit Gitarrist Golo Sturm, Drummer Thomas Weiser und Saxophonist Frank Seefeldt pure gute Laune, gemeinsam bescherten sie dem Publikum ekstatische Musikmomente und einen rauschenden Abend im Rhythmus der 1950er Jahre.

Didi Beck brillierte am Kontrabass, den er nicht nur voller Leidenschaft spielte, sondern auch für seine großartige Show nutzte: er balancierte auf seinem Instrument, zupfte die Saiten am Boden liegend oder stemmte den Kontrabass durch die Reihen des Publikums, um sich damit auf dem Tisch zu platzieren. Die Zuschauer stürzten sich gerne mitten hinein in diese Rockabilly-Aufbruchstimmung und ließen das reich bestückte Füllhorn mit guter Laune, Akrobatik und Rock´n Roll über sich ausschütten.

Viele eigene Stücke

Thomas Weiser trieb am Schlagzeug den unwiderstehlichen Rhythmus voran, Golo Sturm und Frank Seefeldt ließen sich immer wieder für ihre erstaunlichen Gitarren- und Saxophonsoli bejubeln.

Die vielen eigenen Stücke, aber auch äußerst gelungene Interpretationen von „I can dance“ oder „Have a good time“ rissen die Zuschauer von den Bänken.

Lauthals sangen sie selbst beim unbekannten Song von Shakin Stevens mit und forderten schließlich begeistert mehrere Zugaben, die ihnen von diesen Rockabilly-Spezialisten liebend gern gewährt wurden.