Region "Bei der Europameisterschaft geht es nicht um Politik"

SABINE ZELLER-RAUSCHER 21.05.2012
Sportveranstaltungen dienen der zwischenstaatlichen Verständigung. Aktuell will unter anderem die gesamte EU-Kommission wegen des Falls Julia Timoschenko der Fußballeuropameisterschaft fernbleiben.

Die Fußballeuropameisterschaft 2012 steht leider unter keinem sportlichen Stern. Erst waren es die Millionen Hunde, die durch eine "Säuberungsaktion", bei der die Tiere teils bei lebendigem Leibe in rollbaren Krematorien verbrannt wurden, vom Straßenbild in der Ukraine verschwanden, jetzt ziehen dunkle Wolken wegen des menschenrechtsverletzenden Umgangs mit Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko über die EM-Vorbereitungen. Besuchen hohe Politiker eine Sportveranstaltung, gilt dies als Ehrerbietung den Sportlern gegenüber. Die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine jedoch bewegen derzeit nicht nur Politiker dazu, der Meisterschaft fernzubleiben.

Die Diskussionen darüber belasten derzeit sowohl Spieler als auch die Millionen Ukrainer, die sich auf das sportliche Ereignis freuen. Wäre ein Boykott die Lösung? Wir haben nachgefragt. "Fußball steht für Freude und Zusammenhalt und Fußball verbindet die Nationen", deshalb hält Britta Brändle überhaupt nichts von einem Boykott der EM. Schade fände sie dabei auch, dass der Aufschwung, welchen die Länder Polen und Ukraine durch die EM erfahren können, kaputt gemacht würde. "Auf die politische Situation in der Ukraine muss auf jeden Fall aufmerksam gemacht werden, Boykott ist dabei jedoch der falsche Weg", so die fußballbegeisterte Mutter. "Jeder, der die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine nicht in Ordnung findet, sollte die EM boykottieren, um Zeichen zu setzen", findet hingegen Azubi Julian Groß, der sagt: "Die Menschenrechte in der Ukraine lassen sehr zu wünschen übrig. Menschenrechtsverletzungen sollten mal im Ganzen genauer angeschaut werden".

Lotte Freiss sagt "Sport ist Sport und Politik ist Politik". Sie findet es aktuell nicht gut, dass politische Probleme über den Sport ausgetragen werden. Die Probleme sollten ihrer Meinung nach anders ausdiskutiert werden. Lotte Freiss glaubt, dass ein Boykott nur die Menschen, die sich auf die EM freuen, bestrafen würde.

"Ein Boykott ist sinnlos"

"Ein Boykott der EM ist sinnlos, so sehen ja viel weniger Menschen die Missstände, welche in der Ukraine herrschen", ist Florian Tilk überzeugt. "Auch bei der WM in Südafrika gab es im Vorfeld Zweifel, am Ende ist nichts passiert", sagt Marcel Brandt. Der Abiturient meint: Sport und Politik sind zwei verschiedene Sachen und sollten nicht zusammengewürfelt werden. Deshalb spricht auch er sich gegen einen Boykott aus, auch weil ohnehin schon alles organisiert wäre und er glaubt, dass ein Umkrempeln der Spiele einen hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand mit sich bringen würde.

Sein Freund Christian Gaus, denkt ähnlich und gibt zudem zu bedenken, dass durch einen Boykott der angestrebte Tourismus und die ganze Infrastruktur in der Ukraine Schaden nehmen würden.

"Bei der Europameisterschaft geht es um Sport und nicht um die Politik", ist auch Andreas Schimanski überzeugt. Der Fußballfreund sieht die EM als einen der Gemeinschaft dienenden Erfolg, der nicht durch politische Diskussionen zerstört werden darf. Die Probleme in der Ukraine müssen Politiker seiner Meinung nach anders klären. Nicht durch Fernbleiben, sondern durch Gespräche mit Betroffenen vor Ort. Eins ist vermutlich jetzt schon geklärt. Am 9. Juni um 20.45 Uhr wird im Fußballdeutschland von der Aufregung vor den Spielen nicht mehr viel zu spüren sein. Dann wird bei Chips und Bier die volle Aufmerksamkeit auf Mesut Özil, Christiano Ronaldo und Co. gerichtet sein und nicht mehr auf Julia Timoschenko