Für den Liter Milch 50 Cent, lautet seit langem das erklärte Ziel der Landwirte, die in der Milchproduktion tätig sind. Das sei gerechtfertigt und keineswegs übertrieben, bestätigte Romuald Schaber, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), diese Forderung auf der Jahreshauptversammlung der Kreise Reutlingen, Balingen und Tübingen.

Dafür fuhren einige Mitglieder vergangenes Jahr zu einer Demonstration nach Brüssel und sprachen sich vor dem EU-Parlament gegen zu niedrige Preise und für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik aus, blickte der Kreisvorsitzende Albrecht Koch zurück. Ebenso vertraten er und die anderen Landkreisvertreter und Landesdelegierten die Anliegen der drei Kreise mitunter auf den Agrarministerkonferenzen in Berchtesgaden und Würzburg.

Die nächste wichtige Konferenz findet am 24. September in Brüssel statt. Ausgerichtet von der EU-Kommission wird auf die Entwicklung nach 2015 geschaut. Bereits jetzt scheint klar zu sein, dass eine von der Kommission in Auftrag gegebene Studie ein Marktkriseninstrument ablehnt. Romuald Schaber verwies in der Versammlung wiederum auf eine Studie des European Milk Boards (EMB), die besagt, dass die Prognosen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und der Kommission selbst bislang hinfällig waren. Für notwendig erachtet der BDM laut Schaber ein effektives System zur Marktregulierung, Stabilität und Kontinuität im Milchmarkt sowie kostendeckende Preise.

Denn: Der Milchauszahlungspreis liege zwischen 35 und 39 Cent pro Liter. Dagegen stünden Kosten von 43 bis 50 Cent. In der Region Nord liege der Aufwand der Bauern beispielsweise bei 43 Cent, im Osten bei 45 Cent und im Süden nochmal sechs Cent höher.

Inzwischen rechnet der BDM vierteljährlich die Produktionskosten der Betriebe aus. Die Rechnung vom April zeige, dass nur 82 Prozent der Kosten gedeckt seien. Deshalb: "Der derzeitige Preis ist kein Grund zum Jubeln und Zurücklehnen." Aus diesem Grund ist in seinen Augen ein Preis von über 40 Cent für eine kostendeckende Arbeit längst überfällig - weiterhin mit Blick auf die 50 Cent.

Erschwert werde die Situation durch die schwankenden Preise am Markt. Das auf und ab des Milchpreises mache die Landwirte zum Spielball des Marktes. "Wie soll da ein Produzent vernünftige Entscheidungen treffen", monierte Schaber und forderte: "Was wir brauchen ist Kontinuität." Betroffen sind davon auch die Verbraucher. Steigen die Preise der Milchbauern, steigen sie für den Kunden - und bleiben für den Konsumenten auf diesem Niveau, selbst wenn die Erzeugerpreise wieder sinken.

Ein Instrument könnte laut Schaber eine EU-weite Monitoringstelle sein. Hauptaufgaben sollen die Marktbeobachtung und Kostenermittlung sein. Wie entwickeln sich Preise und Mengen, wie hoch sind die Kosten der Produktion? Schließlich soll von ihr ein Preiskorridor ermittelt werden, um zu beobachten, ob sich der tatsächlich ausgezeichnete Preis innerhalb dieser Spanne bewegt. Und um reagieren zu können, wenn entweder zu viel oder zu wenig Mengen auf dem Markt sind. In ähnlicher Form gebe es solche Stellen bereits in Kanada, Norwegen und Israel, weiß Schaber.

Eine weitere Möglichkeit, einen gerechten Preis zu erhalten, sei "Die Faire Milch". Mit ihrem Beitritt sichern die Bauern zu, ohne Gentechnik, ohne Futter aus Übersee zu produzieren, stattdessen basiere das Futter auf einem hohen Grasanteil, stellte Schaber das Modell vor, das mit einem fairen Preis für Kunde und Bauer wirbt.

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