Gauingen 20 Jahre Bruchakademie im Steinbruch Gauingen

Mit seinem großen Erfahrungsschatz kann Steinbildhauer Herbert Leichtle (r.) stets gute Ratschläge geben.
Mit seinem großen Erfahrungsschatz kann Steinbildhauer Herbert Leichtle (r.) stets gute Ratschläge geben. © Foto: ht
Gauingen / Heinz Thumm 14.07.2018

In Gauingen laufen seit geraumer Zeit wieder die Steinhauerkurse mit Steinbildhauer und Künstler Herbert Leichtle aus Wolfegg. Seit 20 Jahren erfreuen die Steinhauerkurse viele Bewerber. Mit 18 Teilnehmern in der ersten Woche waren die Kurse noch nie so gut besucht. Interessant zu beobachten ist, dass die Mehrzahl der Teilnehmer Frauen sind. Viele Kursteilnehmer waren schon viele Male in Gauingen.

 Die Teilnehmer arbeiten von morgens bis abends an ihren Modellen und Skulpturen, sitzen abends zusammen in den Räumen der großen Werkhalle und freuen sich über den guten Zusammenhalt. Stamm-Teilnehmer haben die Anlage vorbereitet und so einen leichten Einstieg ermöglicht.

 Schwerpunkt der Kurse ist das künstlerische Erarbeiten einer Skulptur. Dazu wurden zu Beginn geeignete Steine in Größe und Qualität ausgewählt und Modellvorschläge mit dem Fachmann besprochen. Am häufigsten wird der Gauinger Travertin verwendet. Dieser Stein kommt aus dem örtlichen Steinbruch. Bei der Auswahl wird meist eine Klangprobe gemacht, die eine Aussage über die Reinheit und Härte ermöglicht.

 In Einzelfällen werden auch Sandsteine, Specksteine oder „echter“ Marmor verwendet. Als Besonderheit gelten Stücke von einem schwarzen Kalkstein, der nach dem Bearbeiten und Schleifen eine glänzende Oberfläche erhält.

 Je nach Form und Dynamik der Steinhauer geht der Arbeitsfortschritt mehr oder weniger flott vor sich. Die Entwicklung der Modelle ist immer spannend, manchmal ist im Stein eine beeindruckende Reinheit vorhanden. In anderen Fällen ergeben sich durch harte Stellen oder brüchige Teile nicht vorhersehbare Veränderungen im Modell. Da ist dann der „Meister“ gefragt, um die notwendigen Gegenmaßnahmen zu erklären.

Die Hobbykünstler haben sich interessante Arbeiten vorgenommen: „Aus dem Rahmen gefallen“, heißt ein Projekt, das ein Steinhauer kräftig und zielstrebig heraushaut. Zwei Künstler beschäftigen sich mit „Flügeln“. Eine spannende Angelegenheit und gerade wegen dem Steingewicht und der Leichtigkeit eines Flügels ein Widerspruch. „Mal seh‘n was daraus wird“, fragt sich auch Herbert Leichtle. Einige Künstler haben große Projekte ausgewählt und arbeiten daran in mehreren Kursen. „Diese Aufgabe ist für mich ein riesiges Erlebnis,“ sagt der Hobbysteinhauer und wischt sich den Staub vom Gesicht. Herbert Leichtle geht regelmäßig die Arbeitsplätze ab, gibt da und dort einen Ratschlag, hilft beim Drehen, Wenden und Anbinden, tröstet bei Bedarf und gibt die notwendige Motivation für weitere Arbeiten aus.

 Stundenlang klingt ein wechselndes Klopfen mit hohen, tiefen und im Tempo wechselnden Tönen über dem Arbeitsplatz.  Am Abend wird abwechselnd ein gemeinsames Abendessen vorbereitet. „Wir sind eine tolle Truppe,“ freut sich der Kursleiter und bestätigt: „Jeder hilft jedem, es gibt keinen Neid und kein böses Wort“. Beim abendlichen Spaziergang durch Gauingen freuen sich alle über die freundschaftliche Aufnahme im Ort. Und die meisten planen bereits für den nächsten Steinhauerkurs.

Über den Künstler Herbert Leichtle

Von 1981 bis 1984 Ausbildung als Steinmetz und Steinbildhauer, seit 1984 Vater, seit 1988 freischaffender Bildhauer, seit 1991 Dozententätigkeit, seit 2007 Lehrbeauftragter der pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

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