Grafenberg Zurück zur Nachhaltigkeit

306 Grafenberger sind skeptisch, was die Idee, einen Discounter in der Gemeinde anzusiedeln, anbelangt. Ihre Befürchtung: Die Ortsmitte blutet aus.
306 Grafenberger sind skeptisch, was die Idee, einen Discounter in der Gemeinde anzusiedeln, anbelangt. Ihre Befürchtung: Die Ortsmitte blutet aus. © Foto: Thomas Kiehl
Grafenberg / Anne Laaß 12.10.2018

Grafenbergs Bürger treibt seit einigen Monaten ein Thema um: der Discounter im Ort. Was für manche vielleicht nach einem Zugewinn für die Gemeinde klingt, ist für andere der Anfang vom Ende, zumindest für die Ortsmitte. Dieser Befürchtung haben kürzlich 306 Grafenberger und 76 Auswärtige Ausdruck verliehen: Beate Pittas sammelte Unterschriften gegen einen möglichen Discounter im neuen Gewerbegebiet Trieb. Insgesamt sprachen sich laut dieser Liste, die bereits offiziell an Bürgermeisterin Annette Bauer übergeben wurde, 382 gegen einen Discounter in der Gemeinde aus. Beate Pittas wollte mit dieser Aktion auf die Befürchtungen, die Ortsmitte könne völlig ausbluten, aufmerksam machen.

Die Grafenbergerin sieht sich durch die Unterschriftenaktion als Sprachrohr für die Gegner des Discounters. Für sie ist klar, ein solches Lebensmittelgeschäft wäre für die Größe der Gemeinde nicht zuträglich. Zumal das momentan noch in der Planung befindliche Gewerbegebiet Trieb für die meisten Bürger nur mit dem Auto zu erreichen wäre. Gleiches könnten Kritiker auch vom Lebensmittelladen „Um’s Eck“ sagen. Schließlich sei auch der Ortskern nicht für jeden fußläufig zu erreichen. Doch Pittas argumentiert, dass eine Belebung der Mitte als zentraler Anlaufpunkt nur von Vorteil wäre.

Der Platz bei der Apotheke könne leicht wieder mehr Menschen anlocken. „Dort ist Vieles optimal gelegen“, erklärt Pittas. Mit diesem Gedanken ist sie nicht allein, wie die Unterschriftenaktion bewiesen hat. „So ein kleiner Ort, der auf Nachbarschaftlichkeit beruht, braucht eher einen kleinen Laden, statt einen Discounter“, betont die Grafenbergerin. Die Grundversorgung sei somit gegeben. Wer einen Großeinkauf machen wolle, nutze zurzeit ja auch andere Läden in der Umgebung, daher wäre ein Discounter in der Gemeinde nicht nötig.

Was die Nahversorgung durch das Lebensmittelgeschäft „Um’s Eck“ betrifft, so haben sich Änderungen ergeben. Wie Beate Pittas berichtet, wird dieser ab Ende 2018 nicht mehr von Marion Golob betrieben werden. Sollte sich niemand für die Nachfolge finden, wäre das jedoch ein weiterer Schritt in Richtung Discounter. Pittas sieht aber in der Schließung des Ladens noch ein weiteres Problem: Wer würde sich dafür entscheiden, einen Lebensmittellanden im Ortszentrum zu führen, wenn es in der Gemeinde auch einen Discounter gibt, fragt die Grafenbergerin. Sollte sich jemand finden, so wäre ihre Wunschvorstellung ein Genossenschaftsladen. Ein Geschäft, das sich auch um die Belange der regionalen Bauern sorgt, sei für die Gemeinde einfach passender. Dennoch, für Beate Pittas scheint es bereits sicher zu sein, dass es einen Discounter in der Gemeinde geben wird. Zumal bereits ein Gutachten erstellt wurde, das ihrer Aussage nach, einen Discounter befürworte. Das sei auch ein Grund, warum sie noch mehr auf die Befürchtungen einiger Grafenberger aufmerksam machen will. Ihre Idee ist es daher, dem Gemeinderat darüber zu berichten. Ein erster Schritt ist mit der Übergabe der Unterschriftenaktion gemacht.

Bürgermeisterin Annette Bauer nimmt das Thema keineswegs auf die leichte Schulter. „Wir wollen uns definitiv mit der Unterschriftenaktion auseinandersetzen“, erklärt sie. Was die Pläne für das Gewerbegebiet Trieb anbelangt, so sei es üblich, Gutachten einzuholen, um zu eruieren, was für das Gebiet sinnvoll und möglich wäre. Außerdem „halte sich die Verwaltung ganz klar an die Vorgaben“. Dazu gehöre auch eine Bürgerbeteiligung. „Es ist ein festes Verfahren“, so Bauer weiter. Dann haben die Grafenberger nochmals die Möglichkeit, die Schwierigkeiten aufzuzeigen und zu erklären, welche Bedürfnisse sie haben.

Einwohnerversammlung für November terminiert

Was mit der neuen „Mitte“ werden wird, ist bislang noch nicht beschlossen. Am Dienstag, 20. November, um 19 Uhr wird es zu diesem Thema eine Einwohnerversammlung in der Rienzbühlhalle geben. Es werden drei Ideen für die Gestaltung der Ortsmitte vorgestellt.
Die Bürger haben die Chance, in Kleingruppen Themen zu erörtern.

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