Bempflingen Jugendlicher Elan im Haushalt

Eine Taschengeldbörse gibt’s in Bempflingen.
Eine Taschengeldbörse gibt’s in Bempflingen. © Foto: Archiv
Bempflingen / Nicole Wieden 08.11.2018

Sei es nun das prächtig strotzende Unkraut im Vorgarten, dem vermutlich nicht einmal mit Gasbrenner und Glyphosat beizukommen ist, oder aber der beharrlich streikende PC auf dem Schreibtisch: Das eigene Heim birgt selbst für das kräftigste aller Nervenkostüme eine erstaunliche Fülle an potenziellen Reiz- und Gefahrenquellen. Selig, wer in solchen Momenten auf geduldige und vor allem fachkundige Familienmitglieder zurückgreifen kann.

Was aber tun, wenn sich keine helfende Hand findet? Gerade für ältere Menschen, die ihren Haushalt alleine bestreiten, kann das zu einem echten Problem werden.

In der Gemeinde Bempflingen gibt es für solche Fälle dank einer Kooperation zwischen dem Jugendtreff „Gleis 1“ und dem örtlichen Bürgerbüro seit dem Sommer dieses Jahres eine generationenübergreifende Lösung. Mit der sogenannten „Taschengeldbörse“ können sich Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren etwas dazu verdienen, indem sie einfache Arbeiten im Haus und Garten übernehmen. Am 11. November bietet das „Gleis 1“ bei Kaffee und Kuchen Interessierten die Möglichkeit, die engagierten Teenager kennenzulernen.

Arbeiten im Haus und Garten

Die Koordination des Projektes, zum Beispiel die Verteilung der Aufgaben, übernimmt mit Jonas Schopf der Leiter des Jugendhauses. Bei ihm reichen die Jugendlichen ihre Anmeldung ein, wenn sie ihre Hilfe anbieten möchten: Die beiden einzigen Voraussetzungen sind eine bestehende Kranken- und Haftpflichtversicherung sowie die Unterschrift der Eltern auf dem Anmeldeformular.

Im Bürgerbüro hingegen, das in der Rathauspassage in den Räumen des Krankenpflegevereins angesiedelt ist, melden sich die „Job-Geber“. Sie können über eine Pinnwand das Bempflinger Amtsblatt oder das Internet inserieren. Als Richtwert für die Entlohnung sind derzeit sechs Euro pro Stunde veranschlagt, wer etwas mehr zahlen möchte, kann dies gerne tun.

Der erfreuliche Nebeneffekt und eigentliche Anstoß für dieses Projekt ist jedoch das Zusammentreffen zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen. Hervorgegangen ist die Tauschgeldbörse nämlich aus „Zukunft Bempflingen“. Mit dieser Werkstatt hat sich die Gemeinde 2016 an die Arbeit gemacht, Bempflingen auf möglichst nachhaltigem Wege in die Zukunft zu führen.

Mehrgenerationen-Projekt

Zu den Arbeitskreisen der Werkstatt gehört die Gruppe mit dem Motto „Zusammenhalt der Generationen stärken“. Sie hat unter der Leitung von Eva Voss gleich mehrere Aktionen erarbeitet, darunter zum Beispiel das Konzept der „Leihgroßeltern“ für Familien ohne Oma oder Opa. Auch der 31-jährige Schopf beteiligt sich regelmäßig an „Zukunft Bempflingens“ und seitdem die Tauschgeldbörse angelaufen ist, haben sich zwischen Jung und Alt bereits neue Bekanntschaften gebildet. Darüber hinaus – und damit hatten die Unterstützer der Börse im Vorfeld nicht gerechnet – sind auch Kontakte zwischen Alteingesessenen und Neulingen in der Gemeinde entstanden.

Wer sich für das Mehrgenerationen-Projekt interessiert und vielleicht sogar schon ein paar Aufgaben im Kopf hat, sollte am Sonntag, 11. November, das Bempflinger Jugendhaus aufsuchen.

Am Tag der offenen Tür im Gleis 1 an der Bahnhofstraße 30 wird es ab 14.30 Uhr Kaffee und Kuchen geben, sodass sich die Job-Geber und Job-Nehmer in einer entspannten Atmosphäre kennenlernen können. Die Einladung richtet sich auch ausdrücklich an Jugendliche, die gerne mitmachen möchten.

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