Böhringen Holzbau Gekeler investiert fast zwei Millionen

Böhringen / Alexander Thomys 02.02.2019

Was derzeit im Industriegebiet Unter Lau in Böhringen entsteht, soll das örtliche Unternehmen Holzbau Gekeler in die Zukunft führen: Geschäftsführer und Inhaber Frank Gekeler baut dort, unterstützt von seinem Vater Horst Gekeler, den neuen Standort für das Familienunternehmen. Büroräume, eine Wohnung für den Geschäftsinhaber und eine Werkhalle sollen dort entstehen. Letztere in beeindruckender Größe: 25 auf 48 Meter soll die Hallenfläche betragen, der Hallenkran eine Hakenhöhe von sechs Metern aufweisen. „Wir bauen hier für die Zukunft“, sagt Frank Gekeler, der insgesamt rund 1,8 Millionen Euro investiert. Wenn alles gut geht, soll der Umzug Ende des Jahres anstehen. Noch aber ist das Traditionsunternehmen in der Albstraße in Böhringen beheimatet. Ein Standort mit Geschichte, der die Entwicklung des Zimmerei- und Holzbaubetriebes anschaulich macht. Ein Blick zurück: Kaspar Dangel, der sich aus Tirol kommend 1850 in Böhringen ansiedelte, meldete dort 17 Jahre später bei der Handwerkskammer Reutlingen sein Zimmererhandwerk an. 1902 übernahm sein Sohn Hermann Dangel den Betrieb, dessen gleichnamiger Sohn 1932 die Geschäftsführung übernahm – und seinen späteren Schwiegersohn, Gottlob Gekeler, mit ins Boot nahm. Gottlob Gekeler war es dann auch, der die Entwicklung Böhringens nach dem Zweiten Weltkrieg an entscheidender Stelle prägte: Von fanatischen Nationalsozialisten verteidigt, wurde Böhringen in den letzten Kriegstagen beim Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte schwer beschädigt. „35 oder 36 Gebäude wurden durch Beschuss komplett zerstört“, erinnert sich Horst Gekeler. Im damaligen Schulgebäude, wo auch die Feuerwehr untergebracht war, ist damals Munition gelagert worden. Während der Kampfhandlungen kam es zur Explosion.

Nach Kriegsende gingen die Böhringer zusammen mit Gottlob Gekeler den Wiederaufbau an. „Im Winter wurde geplant, sobald es das Wetter erlaubte, wurden dann die Gebäude wiederaufgerichtet“, sagt Horst Gekeler. „Das Richtfest der Schule habe ich als kleiner Junge erlebt.“ Der Tatendrang von Gottlob Gekeler machte damals auch vor Gesetzen keinen Halt. Im Außenbereich baute er, während die Baugenehmigung auf sich warten ließ, einfach sein Wohn- und Geschäftshaus. „Das war zuerst ein Schwarzbau“, sagt Horst Gekeler schmunzelnd.

Die französische Besatzungsmacht drohte das Gebäude zu beschlagnahmen, am Ende fand sich doch ein Kompromiss: Die Großfamilie durfte in den Neubau ziehen, musste im Dachgeschoss aber eine Flüchtlingsfamilie unterbringen. Einen Wasseranschluss bekam das Gebäude dennoch erst Jahre später.

Der Betrieb, der anfangs auch Ski herstellte, wuchs derweil. Auch weil Horst Gekeler sich nach dem frühen Tod seines Vaters stark engagierte. Schon mit 22 Jahren legte er, dank einer Ausnahmegenehmigung, die Meisterprüfung ab. Weil der Platz in der Werkstatt ausging, wurde immer wieder erweitert. Erst 1980, dann 1991 mit einer 15 auf 25 Meter großen Halle, die fast bis zur Straße reicht. Mehr war auf dem bisherigen Standort nicht zu machen. „Das war aber schon damals etwas eng“, blickt Frank Gekeler zurück.

Zumal die Ansprüche größer werden: Einerseits diejenigen der Kundschaft, die auf der Baustelle möglichst schnell Ergebnisse sehen wollen. Andererseits aber auch die Ansprüche der Mitarbeiter, die immer mehr Wert auf gute Arbeitsbedingungen legen. „Wir bauen jetzt auch neu, um unseren Fachkräften gute Bedingungen zu ermöglichen“, sagt Frank Gekeler, der regelmäßig selbst ausbildet.

Erste Pläne für den Neubau entstanden schon 2012, doch dann überzog der Hagelsturm 2013 die Region mit Zerstörung, für die Zimmerer und Holzbauer gab es nun unheimlich viel zu tun. „Bei uns haben die Leute Schlange gestanden“, erinnert sich Frank Gekeler. „Allein in einer Woche hatten wir 700 Anrufe.“

Auf Biertischen wurden die Adressen der potenziellen Kunden erfasst, mehr war zunächst aufgrund des Andrangs nicht möglich. Und an den eigenen Neubau erst einmal nicht zu denken. Nun aber wird gebaut – und die 17-köpfige Mannschaft freut sich auf neue Räume.

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