Die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen ist auch in Grafenberg bekannt. Im Ort haben sich bereits vor einigen Jahren ambitionierte Grafenberger zusammengetan. „Wir haben jedes Jahr etwas gemacht“, erklärt ein Mitglied, Angelo Miotto. Da der Gruppe die Natur Grafenbergs seither am Herzen liegt, hat sie sich auch aktiv im Rahmen der Aktion „Gesunde Gemeinde“ des Landkreises Reutlingen engagiert.

Bei der Jurytour im vergangenen Jahr, an welcher auch Landrat Thomas Reumann teilnahm, stellte sich der Arbeitskreis Streuobst vor. Farbenprächtig und mit streuobstlichen Geschenken präsentierten sich die Mitglieder, unter ihnen auch zwei ortsansässige Imker und eine Streuobstpädagogin. Die Gruppe versucht, das Kulturgut Streuobstwiese den Menschen jeder Generation zu vermitteln. Zu ihrer Arbeit gehört nicht allein das eifrig erlernte Schneiden der Bäume, sondern auch der Erhalt der Bestände. Beides hängt in gewisser Weise zusammen: Zum einen lernt die Grafenberger Streuobstpädagogin Sylvia Schmon mit Grundschulkindern, was alles hinter dem Begriff steckt. „Es ist wahnsinnig wichtig, das Kindern näher zu bringen“, betont Schmon. Sie selbst hatte sich entschieden, ihr Interesse für Natur in neue Bahnen zu lenken, und zwar als Streuobstpädagogin. Der für Schmon schönste Part dieser Arbeit besteht darin, den Kindern im Rahmen des „grünen Klassenzimmers“ die Streuobstwiese zu erläutern. Konzipiert ist das Programm zunächst für Dritt- oder auch Viertklässler. Die Kinder lernen die Grundlagen: Welche Bäume stehen auf einer solchen Wiese, was für Tiere leben dort, welche Gräser, Kräuter und Blumen sind in diesem Ökosystem zu finden. Zudem soll den Schülern auch die Angst oder gar der Ekel vor der Natur und den Tieren genommen werden. Es geht darum, zu erklären, wie alles zusammenhängt und was beispielsweise benötigt wird, um Honig zu machen. An dieser Stellte sind die beiden Imker Karl Früh und Hermann Doster wohl die richtigen Ansprechpartner. Selbstverständlich sei es ein großer Aufwand, aber man dürfe nicht außer Acht lassen, dass die Streuobstwiesen ein landschaftliches Kulturgut seien, appelliert Schmon. „Die Kinder sollten dennoch ein Gespür dafür bekommen, es geht um Erlebnisse und Momente“, und diese könnten nicht am Geld gemessen werden. Den Stellenwert dieser Wiesen und deren kultureller Ertrag haben Schmon und ihre Kollegen auch bei der Jurytour verdeutlicht. Doch wie momentan des Öfteren zu hören ist, hat auch der Arbeitskreis ein gewisses Nachwuchsproblem.

Es gibt viele Aufgaben und momentan lediglich vier Helfer – einer von ihnen ist Angelo Miotto. Er hat sich, wie auch seine Kollegen, das Wissen über die richtigen Baumschnitte angeeignet, und so sorgen die Mitglieder auch für den Erhalt von alten Sorten. Dabei ist die Arbeit nicht leicht: Wahllos drauflos Schneiden kommt für das Grafenberger Team nicht in Frage. Allerdings bietet der AK Streuobst noch mehr an. So werden mit den Kindergärten und der Grundschule Projekte wie der Besuch beim örtlichen Imker gefördert. Die mobile Saftpresse ermöglicht es, die eigene Ernte in einen Apfelsaft zu verwandeln. Es gibt zudem noch Streuobstfachvorträge in der Kelter und für Interessierte Baumschnittkurse, die mit dem Obst- und Gartenbauverein Metzingen veranstaltet werden. Ein ständiger Kooperationspartner ist die Gemeinde Grafenberg selbst. Der Ort profitiert von der Arbeit der Ehrenamtlichen und dies wird auch von Seiten der Verwaltung gewürdigt und unterstützt.

Nachwuchs gesucht


Wer Interesse hat, sich dem Arbeitskreis Streuobst anzuschließen, ist willkommen. Nähere Informationen gibt es im Grafenberger Rathaus bei Franziska Zehnder, unter Telefon (0 71 23) 93 39 20.