Förster Steffen Genkinger leidet sichtlich mit Johann Spitzer. Zusammen stehen die beiden in den Fuchslöchern auf Römersteiner Gemarkung, wo Spitzer ein rund ein Hektar großes Waldstück besitzt. Auf dem schneebedeckten Boden liegen die abgebrochenen Kronen zahlreicher Fichten, die dem Schneebruch im Janaur zum Opfer gefallen sind. „Dieser Wald wäre jetzt so richtig ins Geld gewachsen“, bedauert Genkinger. „Das ist richtig schade.“

Statt ins Geld zu wachsen, fielen viele Bäume aus dem Fichtenbestand dem Schneebruch zum Opfer. „Anfang Januar kamen rund 50 Zentimeter Schnee auf einmal, der auch noch richtig naß war“, erinnert sich Genkinger. Danach regnete es am Albtrauf etwas, der Frost tat sein übriges. Am Ende brachen die Kronen reihenweise ab, auch einige Laubbäume hielten den Unbillen des Wetters nicht stand. „Etwa die Hälfte aller Bäume in meinem Revier sind geschädigt“, sagt der für Römerstein und Grabenstetten zuständige Förster. Vor allem den Albtrauf habe es erwischt. Genkinger: „Einhundert Meter weiter unten fiel Regen, einhundert Meter weiter oben trockener Pulverschnee.“

Nun stehen der Revierleiter und der Privatwaldbesitzer vor dem Trümmern der gekappten Fichten. Förster Genkinger markiert einen Baum nach dem anderen mit roter Sprühfarbe. Es sind diejenigen Bäume, die nun gefällt werden müssen, weil ihre Kronen so stark beschädigt sind, dass die Bäume nicht mehr lebensfähig bleiben. Und stattdessen dem Borkenkäfer einen idealen Nährboden verschaffen würden. „Die Zahnstocher müssen alle raus. Ruck zuck ist der Wald leer“, sagt Genkinger, der beileibe nicht alle beschädigten Bäume markiert. Manchen will er eine Chance geben – vor allem auch, um das Bild des Waldes nicht völlig zu verlieren. „Das wäre sonst wirklich ein Kahlschlag“, sagt Genkinger, der insgesamt von „extremen Schäden“ spricht. Und: Nahezu alle Waldbesitzer in seinem Revier seien betroffen.

Ein Umstand, der Genkinger Sorgen bereitet. Denn nicht alle Waldbesitzer sind wie Johann Spitzer aus der Region. Der 67-Jährige ist zudem ständig in Kontakt mit dem Förster, der sich im Auftrag der Familie um den Wald kümmert. Andere Waldbesitzer dürften von den Schäden noch nichts mitbekommen haben. „Wir haben sehr engagierte Waldbesitzer, aber auch welche, die in Gera leben und zuletzt vor drei Jahren hier waren.“ Letztere wüssten oft nichteinmal, wie es vor Ort derzeit aussieht. Sie alle muss Genkinger nun informieren, denn eines ist klar: Die Schäden im Wald müssen aufgearbeitet werden. Bliebe das Totholz liegen, wäre es ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Vor allem die gekappten Stämme, die weiterhin Flüssigkeit aus den Wurzeln nach oben transportieren, bieten dem Forstschädling einen idealen Nährboden.

Die betroffenen Bäume und die gefallenen Kronen müssen daher raus aus dem Wald. Dennoch rät Förster Genkinger zunächst zur Ruhe. „Jetzt gleich loszulegen, ist eigentlich Quatsch“, sagt der Förster, der das Revier seit 2002 betreut. Genkinger weiß aber auch: „Manche halten das nicht mehr aus, ihren Wald so zu sehen.“ Gefährlich sei die Arbeit im Wald derzeit nicht mehr, weiterer Schneebruch ist erst einmal nicht zu befürchten. Doch noch ist der Winter nicht vorbei – wer zu früh anfängt, könnte später nochmal starten müssen, fürchtet Genkinger.

Statt nun in Aktionismus zu verfallen, hofft der Förster, dass sich die Privatwaldbesitzer an ihn wenden und sich beraten lassen. „Rund 40 Gespräche hatte ich nach dem Schneebruch bereits“, sagt Genkinger. Der Förster berät, welche Maßnahmen getroffen werden sollten und kann einschätzen, welche Bäume stehen bleiben können oder gefällt werden sollten. „Wir Förster haben dabei keine Gewinnerzielungsabsicht“, betont Genkinger, dass für die Beratung nicht viel bezahlt werden müsste. Ein erstes Gespräch gibt es kostenlos, erst wenn dabei Bäume ausgezeichnet werden müssen, fallen Kosten an. „Der Wald ist ja auch ein Erholungs- und Naturschutzraum, deshalb bieten wir diesen Service im Auftrag des Landes an“, betont Genkinger, der unter Telefon (0 73 82) 55 31 erreichbar ist.

Um die Kosten und den Aufwand möglichst gering zu halten, rät Genkinger allen Waldbesitzern, die nicht selbst Hand anlegen wollen, die Arbeiten mit dem Forstamt abzustimmen. Dann könnte ein Vollernter eingesetzt werden. Angesichts der Holzpreise wagt der Revierförster eine Prognose: „Wirtschaftlich werden die Waldbesitzer mit einem blauen Auge davonkommen.“ Denn das Holz, das nun aus dem Wald geholt werden muss, wird natürlich seine Käufer finden. „Ärgerlich ist das immer. Aber es ist eben Natur“, sagt dazu Waldbesitzer Johann Spitzer. Solche Wetterereignisse müsse man ab und an in Kauf nehmen, sagt auch Förster Genkinger und erinnert an den Eisbruch vor sieben Jahren. Genkinger hat auch in seinem Archiv geblättert: „Im Jahr 1959 war es noch viel schlimmer, da sind wirklich ganze Bestände zerstört worden.“ Heute werde man zwar an einigen Stellen auch nachpflanzen müssen, die Wälder an sich bleiben aber erhalten.