Das Entwicklungskonzept dient als roter Faden für das Werden der Gemeinde in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Und dafür ist nach Überzeugung von Bürgermeister Rainer Taigel eine breite Beteiligung der Bürger notwendig, wie es bei der Zukunftswerkstatt vor kurzem der Fall war. Betreut wird das ganze Projekt von der Reutlinger Planungsgesellschaft Künster. Die Bürger teilten sich in verschiedene Themenfelder auf, wo sie jeweils ihre Ideen, Überlegungen und Wünsche einbrachten: „Wohnen“, „Freizeit/Tourismus“, „Infrastruktur/Betreuung“, „Ortskern stärken“ und „Sonstiges“. Jeder Teilnehmer konnte zu den einzelnen Themenfeldern mit selbstklebenden farbigen Karten festhalten, wo seiner Meinung nach Stärken und Schwächen liegen, Ziele und entsprechende Maßnahmen festhalten. Im Anschluss daran  hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, durch Punktevergabe die Maßnahmen zu priorisieren.

Ein Meinungsbild

Dadurch konnte ermittelt werden, welche die wichtigsten Maßnahmen sind, die der Gemeinderat  in den nächsten Jahren umsetzen soll. Um ein aussagekräftiges und ganzheitliches Meinungsbild der Bürger zu erhalten, konnten sie auch noch eine Rangfolge bei Stärken, Schwächen und Zielen festlegen.

Nun wurden die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt im Gemeinderat vorgestellt. Als größte Schwäche wurde in der Gruppe „Wohnen“  mangelnde Wohnmöglichkeiten für Senioren festgestellt.  Gruppensprecher Hans Ringhoffer stellte dazu fest, es gebe ja nicht nur Senioren in Kohlberg, jeder hätte Schwierigkeiten,  eine Wohnung zu finden. „Alles“, so Ringhoffer, „dreht sich immer nur um schönes, altengerechtes Wohnen, ich aber bin ein Verfechter für die Belange junger Leute.“  Sprach’s und machte einen Schlenker zum Ausbau des Breitbandkabels. Er sei gegen das schnelle Internet für Privathaushalte. Da würden sich die Menschen nur nach Hause zurückziehen, statt die Gemeinschaft mit anderen zu suchen.

Weiter hat die Gruppe festgestellt, dass es an alten- und behindertengerechten Wohnungen fehle, zudem gebe es keine Baugrundstücke. Bemängelt wurden auch die vielen leerstehenden Gebäude. Ziele seien der Bau eines Mehrgenerationenhauses, das Schließen von Baulücken im Ort sowie die zeitnahe Bebauung nach Umlegung eines neuen Baugebiets. Den Bau eines Mehrgenerationenhauses möchten die Mitglieder dieser Gruppe schnell umgesetzt sehen.

In der Gruppe „Mobilität/Verkehr“ hat man den starken Schwerlastverkehr als sehr belastend eingestuft. Unzufrieden ist man da auch mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Großes Ziel sei deshalb eine Kooperation zwischen VVS und Naldo. Verbesserungswürdig sei auch der Bereich der Einmündung der Grafenberger Straße in die Metzinger Straße. Die Sprecherin der Gruppe, Christina­ Maisch­, fordert ein umfassendes Mobilitätskonzept.

Eine Begegnungsstätte

Die Gruppe „Infrastruktur/Betreuung“ hat als ein Ziel ein barrierefreies Rathaus gesetzt, die Sicherung der Nahversorgung, mehr Angebote in der Kelter sowie eine Begegnungsstätte mit altersgerechtem Wohnen. Sie fordert ein Café in der Kelter, und für Senioren soll Hilfe bei täglichen Besorgungen organisiert werden. Das Team „Freizeit/Tourismus“ hat einige Stärken in Kohlberg festgemacht: tolles Vereinsleben, gute Wandermöglichkeiten, persönliche Kontakte, Spielplätze, Landschaftserlebnis, gute Sportstätten und viele Veranstaltungen. Sprecherin Isolde Hiller wies darauf hin, dass sich Äußerungen zum Tourismus widersprächen. So wird als Ziel genannt, den Tourismus einzudämmen, aber gleichzeitig wird festgestellt, dass es zu wenig Wertschöpfung durch den Tourismus vor Ort gebe. Mit hoher Priorität fordert die Gruppe die Förderung der Gastronomie.

Die Gruppe „Ortskern stärken“ wünscht sich laut ihrer Sprecherin, Christine Doran, eine Aufwertung des alten Friedhofs als Begegnungsstätte, mehr Plätze für Treffpunkte sowie die so genannten Glanzpunkte Kohlbergs alter Friedhof, Backhaus und Kirchplatz miteinander zu verbinden. Man könnte sich sogar einen Biergarten im alten Friedhof vorstellen. Genauso könnte man das alte Feuerwehrhaus renovieren und als Begegnungsstätte herrichten.

Tolle Lage

Tim Sparing, Sprecher der Gruppe „Sonstiges“, begann seinen Vortrag mit den Worten „Kohlberg liegt schön und ist schön.“  Dieses Statement unterfüttert die Gruppe mit der tollen Lage und Landschaft, die Ziegen auf dem Jusi, die Streuobstwiesen und die Natur der Berge. Die Gruppe fordert, den Naturschutz zu verbessern, mehr Obstbäume neu zu pflanzen, eine Mittagsruhe einzuführen, die Kulturlandschaft zu stärken und eine Obstpflückbörse einzurichten.

Als Replik darauf sagte Bürgermeister Rainer Taigel: „Kohlberg ist schön und soll noch schöner werden.“ Er verwies ferner darauf, dass die Maßnahmen natürlich auch auf ihre wirtschaftliche Komponente abgeklopft werden müssten. 

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Interessierte aus der Kohlberger Bürgerschaft haben sich an der ersten Zukunftswerkstatt in der Jusihalle beteiligt. Es geht um die Frage: Wo soll Kohlberg im Jahr 2035 stehen.