Weizen 405, Weizen 550, Dinkelmehl 630. So klingen die aktuellen Must-have-Produkte, gleich nach „Sanft und Sicher“ und „Extra saugstark“.

Kurioses Kaufverhalten

Das Coronavirus hat unser Kaufverhalten innerhalb weniger Wochen kuriose Blüten treiben lassen. Das lässt sich sogar an bestimmten Tagen festmachen: Am Freitag des 6. März verschärfe das Auswärtige Amt seine Reisewarnungen für Italien, das Robert-Koch-Institut erklärte Südtirol zum Risikogebiet, woraufhin die bayrische Landesregierung mit Maßnahmen reagierte, die das öffentliche Leben eindrucksvoll beschnitten. Mit einem Mal wurden sich an diesem Wochenende viele Menschen erstmals dem Ernst der Lage, und außerdem der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Toilettenpapier gewahr.

Böhringer Mühlenladen: Sechsfache Steigerung des üblichen Umsatzes

Schon in der Woche darauf richteten sich unsere Argusaugen auch auf Mehl: „Angefangen hat das um den 13., 14. März. Am Wochenende vom 20. und 21. war es dann ganz extrem“, berichtet der Vorsitzende der Römersteiner Mühlengenossenschaft, Traugott Götz. Im Böhringer Mühlenladen in der Burgstraße hat er seitdem eine sechsfache Steigerung seines üblichen Umsatzes erlebt. Mit Lieferengpässen habe der Laden nicht zu kämpfen, die rund 50 Landwirte aus der Region lieferten nach wie vor zuverlässig. Es ist das Abpacken, das Mühe bereitet.

Gezieltes Einkaufen

„Wir haben zwei Aushilfskräfte eingestellt und müssen teilweise auch am Wochenende durcharbeiten“, erzählt Götz. Was sich bei der Römersteiner Mühlengenossenschaft im Kleinen abspielt, erleben Supermärkte im Großen: Während zwar ausreichend Ware produziert wird, ist aus den Medienberichten zu entnehmen, wie sich Spediteure an den Grenzkontrollpunkten stauen. In manchen Supermärkten bleiben die Regale selbst bei gefüllten Lagern teilweise unbestückt, weil das Personal im Angesicht des Hamsterkäufers mit dem Einräumen kaum hinter herkommt.

Arbeiten in zwei Schichten

Damit im Mühlenladen keine Engpässe entstehen, arbeiten die Müller getrennt in zwei Schichten,  das Ehepaar Götz kümmert sich um den Nachschub in den Regalen. „Die Leute kaufen gezielt ein“, hat Götz festgestellt. Neben den bereits genannten Mehlsorten ist es vor allem die Brotmehlmischung, die bevorzugt über die Ladentheke geht. Und steht ein Kunde erstmal im Laden, greife der auch gleich zu den übrigen Waren: Obwohl sich der Hefevorrat für gewöhnlich innerhalb von zwei bis drei Monaten verkauft, hat die jüngste Nachlieferung im Laden keine vier Tage überdauert.

Gewerblichen Kunden genießen Priorität

Während sich die Römersteiner Mühlengenossenschaft bemüht, die Nachfrage aus privaten Haushalten zu decken, genießen die gewerblichen Kunden dennoch Priorität: „Becka Beck oder Tress Nudeln stehen natürlich an erster Stelle, aber wir haben auch für die Privaten genug“, sagt Traugott Götz. Überhaupt ist die Zeit der Krise für die Genossenschaft auch eine der neuen Chancen. Weil diverse Märkte, darunter zum Beispiel der Edeka in Rommelsbach, vorzeitig Nachschub benötigen, springt die Mühlengenossenschaft ein. Daraus erhofft sich die Genossenschaft auch Post-Corona-Zeit eine nachhaltige Geschäftsbeziehung: „Lückenbüßer wollen wir jedenfalls nicht bleiben“, so Götz.

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Landwirte aus der Region sorgen bei der Römersteiner Mühlengenossenschaft zuverlässig für Nachschub. Mehl war und wird auch in Zukunft keine Mangelware sein.