Fasnet Zwiefalten: Vom Jäger zum Gejagten

Zeremonienmeister Gerold Hofmaier, Zunftmeister Jochen Fundel, das Burggrafenpaar Vanessa Karg und Adrian Ott (von links) beglückwünschen Dr. Lothar Jaeger (mit Pokal) zu seinem Bruddelsieg 2018.
Zeremonienmeister Gerold Hofmaier, Zunftmeister Jochen Fundel, das Burggrafenpaar Vanessa Karg und Adrian Ott (von links) beglückwünschen Dr. Lothar Jaeger (mit Pokal) zu seinem Bruddelsieg 2018. © Foto: Matthias Jedele
Zwiefalten / Matthias Jedele 14.02.2018

Wieder einmal bewährte sich gestern der Spruch: „Tradition ist, wenn sich nichts ändert.“ Und so war es nicht verwunderlich, dass zur alljährlichen Bruddelei wieder zahlreiche Zwiefalter in die Rentalhalle gekommen waren, um den Bruddelsup-Gewinner 2018 in Aktion zu erleben. Fast alle waren mit Kopfbedeckung gekommen, wie es Paragraf zwei im Büttelgesetz vorschreibt: „A Kappa auf da Grend nauf g´hört, dass jeder woiß, wo´s Gsicht aufhört. Bei Nichtbeachteng, i moi´s bloß guat, dr Täter zwoi Euro en dr Sack nei duat“, verkündete Rälle-Büttel Herbert Ott gleich zu Beginn der Veranstaltung und trieb prompt zwei Euro eines Unwissenden Gastes in der ersten Reihe ein. „Ausnahma macha mir dohana koine“, sagte der Büttel vom Dienst, der es auch in diesem Jahr mit der Einhaltung des Büttelgesetzes sehr genau nahm: „Be i hier als Biddel em Amte, do kenn i koine Freund ond koine Verwandte.“

Doch bevor der Bruddelei-Wettbewerb über die Bühne gehen konnte, musste die Litanei abgelegt werden. „Jo oder noi“, wollte Zwiefaltens Zunftmeister Jochen Fundel wissen und fragte das Verhalten über die Fasnet ab und versprach, dass er jetzt wieder für ein Jahr sein Maul halten werde.

So übernahm fortan Zeremonienmeister Gerold Hofmaier die Moderation und gab bei seiner Begrüßungsrede einen kleinen Vorgeschmack, was die Besucher gleich wohl erwarten konnten. So lamentierte er nicht nur an den katastrophalen Zuständen im Freibad herum: „Da wird man dann von militanten Aqua-Joggerinnen gnadenlos niedergetrampelt“. Er fasste auch die Ereignisse der fünften Jahreszeit in und um Zwiefalten gekonnt witzig zusammen.

Schneller Jury-Entscheid

Wie es die Tradition so wollte eröffnete der Bruddelpokalsieger von 2016 und 2017 dann die Bruddelei. Valentin Ott machte jedoch kurzen Prozess, beließ es bei einem kleinen Einstiegswitz und verließ mit dem Kommentar: „I han nix zom bruddla“ die Bühne. So war der Weg zum Bruddelpokal 2018 frei. Dr. Lothar Jaeger nahm die politische Diskussion um die „GroKo“ zum Einsteig und erntete dann großen Applaus, als er von Neuwahlen abriet: „Die Einziga, die noh gwinna, sind die braune Schlanga vo dr AFD.“ Auch der amerikanische Präsidnet, Donald Trump, die nun angedachte Bürgerversicherung und auch der VfB Stuttgart, mit seinen in der letzten Zeit äußerst fragwürdigen Entscheidungen, bekamen ihr Fett weg. Zum Schluss bruddelte er dann noch über die immer größer werdende Bürokratie für Vereine, die Veranstaltungen ausrichten und spätestens da war klar, dass der Pokal einen Sieger gefunden hatte.

Die anschließenden Bruddler, Justin Fundel, Tobias Aierstock, Andreas Glöck, Bruno Auchter, Vera Bopp und selbst Büttel Herbert Ott konnten die Jury nicht überzeugen und so gewann, nach einem sehr kurzen Juryentscheid Dr. Lothar Jaeger den Bruddelpokal 2018.

Anschließend ging es für die Narrenzunft inklusive Musikkapelle und Fanfahrenzug zum Umzug nach Hayingen, ehe die Fasnetssaison 2018 mit Narrenbaumfällen, Rälleverbrennen und großem Kehraus endete.

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