Fastnacht Zwei Strohbären und ein Esel ziehen durch Oberelchingen

Oberelchingen / Von Barbara Hinzpeter 13.02.2018

Was ein rechter Narr ist, der hält etwas aus. Kälte, Krach, Konfetti. Aber sich in ein Korsett aus Stroh einschnüren zu lassen, erfordert schon eine große Liebe zu Fastnacht und Brauchtum. Diese ist in Oberelchingen seit jeher ausgeprägt. Vor drei Jahren wurde erstmals nach langer Zeit wieder ein Strohbär durchs Dorf getrieben, heuer am Rosenmontag   waren es schon zwei. „Ich hab´s letztes Jahr gesehen, und da dachte ich, das will ich auch mal machen“, sagt die 14-jährige Theresa Flitsch. Es ist kurz nach halb zehn, als sie für die nächsten paar Stunden zum letzten Mal die Chance hat, ihre Beine anzuwinkeln. Ab jetzt kommt sie nur noch steifbeinig voran. Benedikt Dehm, der schon zum dritten Mal ins strohige „Kostüm“ gepackt wird, verschwindet sicherheitshalber nochmal kurz auf die Toilette, bevor Beine, Bauch und Oberkörper mit einer Bambusmatte umwickelt werden.

Es ist mühsam, die Strohbären zu formen. Dahinter steckt einer der ältesten Vermummungsbräuche, wie Philipp Schneider erzählt. Zusammen mit einigen Guggamusikern hat er die alte Tradition aufgegriffen. Die etwa zehn jungen Männer haben – in der für Narren frühen Rosenmontagsstunde – alle Hände voll zu tun. Hin und wieder ertönt in der Scheune der aufmunternde Schlachtruf „Schtrohig, schtrohig, schtrohig isch der Bär. Und wenn der Bär et schtrohig wär, dann wär’ er bei der Feierwehr“.

Erwin Dehm hat Stroh und Scheune in der Heusteige zur Verfügung gestellt. Er schwärmt von den Umzügen früherer Zeiten durch den Ort und freut sich, dass mit dem Strohbärtreiben wieder ein Stück Dorffastnacht auflebt. Eigens dafür   hat er bei der Ernte im letzten Sommer ein paar Ährenbündel zur Seite gelegt. Denn die langen Halme wirken deutlich imposanter als das gedroschene Stroh. Allmählich treffen Musikanten ein, das närrische Volk wartet schon draußen. Erstmals ist dieses Jahr der Esel Mufdi mit von der Partie. Die Figur setze dem wohl lustigsten Tier in der Dorfgeschichte ein Denkmal, schreibt Philipp Schneider in seinem Buch über die Fastnacht in seinem Heimatort. Sie erinnere an das Grautier vom Heiligen Berg, das einst ein paar Narren zum Rosenmontagsball in die  Klosterbräustuben begleitete. Die Frohnaturen verkleideten den Vierbeiner mit Gummistiefeln sowie Strohhut und lockten ihn mit einem großen Glas Bier die Treppe hinauf in den Saal.

Ständchen zum Geburtstag

Der Nachbau zeugt von Kreativität: „Reiterin“ Ina Flitsch steigt in das Gestell, das an einen Hasenstall ohne Dach und Boden erinnert und mit grauem Stoff behängt ist. Zwei ausgestopfte Zusatzbeine sollen den Anschein erwecken, als werde der Esel wirklich geritten. Solche Scheinreiter haben laut Schneider in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht eine lange Tradition und sind wie der Teufel im Tross des Bären Sinnbild für die verkehrte Welt in der Fastnacht.

Immer mehr Fastnachter finden sich vor der Scheune ein, darunter wie jedes Jahr die Kanoniere sowie Männer und Frauen in bäuerlichen Gewändern. Nach rund eineinhalb Stunden sind die Bären bereit. Sie haben einen steilen und langen Weg vor sich. Immer wieder hält der Tross an der Klostersteige an. Gleich bei der Backstube gibt´s ein Weißwurstfrühstück, wenig später spielen und singen die Narren einer Oberelchingerin, die ihren 80. Geburtstag feiert, ein Ständchen. So kommt der Zug nur langsam voran. Denn „ganz steil, ganz steil, ganz steil gads da nauf. Weil mer aber Schnäpsla hend, schaffads mir bergauf“, verkündet Ausrufer Jürgen Poleschner. Zwischen zwölf und eins ist das Ziel erreicht, vor den Klosterbräustuben werden die Bären aus ihrem Korsett befreit, die Sause im Saal kann losgehen.

Eine der Todsünden

Brauch In Süddeutschland werde der schon im Mittelalter bekannte Brauch des Strohbärtreibens noch an etwa sechs oder sieben Orten gepflegt, sagt Philipp Schneider. Der Bär, der in Ketten durchs Dorf getrieben wird, stehe für eine der Todsünden. Begleitet wird er von einem Teufel mit rußgeschwärztem Gesicht und dem Fastnachtsausrufer. In der „Schafkopf-Hochburg“ Oberelchingen gehört außerdem der   Schaufkopf-Hansl in seinem mit rund 500 Spielkarten bestückten Fleckleshäs zum Gefolge und nun auch der Esel Mufdi.

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