Den Titel „fairtrade school“ bekommt man nicht einfach so im Vorübergehen. „Man muss den Gedanken auch leben“, betont Reyhan Grüner. Die pädagogische Assistentin ist Mitglied des Fairtrade-Teams an der Gemeinschaftsschule, die vergangene Woche die Urkunde  bekam.

In dieser Woche nun wurde auch dem Robert-Bosch-Gymnasium das Zertifikat überreicht.  Das haben in Baden-Württemberg inzwischen 45 von 4000 Schulen, wie Maria Gießmann von der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit berichtete. „Ihr habt damit Vorbildfunktion“, sagte sie zu den Gemeinschaftsschülern. Die präsentierten das bisher geleistete sehr informativ und vor übersichtlich gestalteten Plakaten: Teambildung, Projekt- und Aktionsplan sowie die Verankerung des Themas im Lehrplan sind Kriterien, die eine Fairtrade-Schule erfüllen muss.

Natürlich werden an der Gemeinschaftsschule im Lehrerzimmer, bei Schulfesten und anderen Anlässen fair gehandelter Kaffee und Tee ausgeschenkt, in der Cafeteria gibt es fair gehandelte Schoko- und Sesamriegel. In den bewegten Pausen werden „faire Bälle“ gekickt und geworfen. Die Schüler haben beispielsweise ein „faires Frühstück“ vorbereitet und sich im Unterricht mit dem „Leben einer Jeans“ beschäftigt. Apropos Jeans: An der Gemeinschaftsschule wurde eine Schülerfirma gegründet, die aus alten Hosen Frisbees herstellt. Aus dem Verkaufserlös konnte eine Spende an die Organisation Femnet weitergeleitet werden, die Textilarbeiterinnen in Indien und Bangladesch unterstützt.

Für Zehntklässlerin Zerrin und viele ihrer Mitschüler ist es inzwischen selbstverständlich, sich beim täglichen Konsum zu überlegen, woher die Waren kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. „Es macht auch stolz, anderen helfen zu können“, sagt die Jugendliche.

Den Lebensstandard der Produzenten sichern, die auf dem Weltmarkt keine Chance hätten,  und sich für Bildungschancen statt Kinderarbeit einsetzen: Diese  Gründe nennen die Schülerinnen Sofia, Luisa und Milena für ihr Engagement im Fairtrade-Team des Robert-Bosch-Gymnasiums.

Maria Gießmann war extra zum Schulfest gekommen, um im allgemeinen Trubel die Urkunde zu überreichen. „Der faire, soziale und Bio-Gedanke hat bei uns eine lange Tradition“, sagte Sabine Geßmann-Böhm, die als Lehrerin im Fairtrade-Team mitarbeitet.     So unterstützen die Gymnasiasten seit 13 Jahren den Verein „Poema“, der die Menschen am Amazonas mit sauberem Trinkwasser versorgt. Schon vier Anlagen haben die Langenauer finanziert.

Beim Schulfest  überreichten sie den in verschiedenen Aktionen gesammelten Betrag von 11.161 Euro für ein weiteres Projekt an den Poema-Vorsitzenden Gerd Rathgeb. Er verwies auf den Zusammenhang von fairem Handel, Schutz des Regenwalds und Klimawandel. Der langjährige, kontinuierliche Einsatz der Langenauer Gymnasiasten sei dabei ein besonderes Beispiel für Nachhaltigkeit.

Irene Hahn, die für die Poema-AG zuständige Lehrerin,  freute sich über die Auszeichnung als Fairtrade-Schule. Die damit einhergehende Verpflichtung und die Aktionen könnten mit dazu beitragen, „dass die Jugendlichen nach der Schule weitermachen.  Zumal sich die Stadt  Langenau seit dem Jahr 2013 „fairtrade town“ nennen darf.