Interview Zwei Jahrzehnte an der Spitze der Narrenzunft: ein Rückblick

bele 29.08.2018

Er heiratete eine Fasnetsverrückte, wurde danach schnell selber mit dem Bazillus infiziert und verschrieb sich auch als „Reig’schmeckter“ schnell der Dietenheimer Fasnet. Nach 26 Jahren an vorderster Front hat Uwe Bimek in der jüngsten Hauptversammlung der Ranzenburger Narrenzunft (RNZ) den Staffelstab an Jürgen Peter weitergereicht. Ein Rückblick.

Sie waren mehr als zwei Jahrzehnte lang das Gesicht der Ranzenburger Fasnet. Was hat Sie zum Rücktritt bewogen?

Uwe Bimek: Es war die einmalige Chance für mich, das Amt nach 26 Jahren Vorstandschaft, davon 22 als Präsident, schon zwei Jahre früher als geplant an einen erfahrenen Nachfolger  übergeben zu können. Wenn heute jemand ein solches Ehrenamt aus eigenem Antrieb anstrebt, dann darf man auf keinen Fall zögern. Bei Jürgen Peter als Insider und Kenner sind die Geschäfte in guten Händen.

Was macht für Sie den Reiz der Dietenheimer Fasnet aus?

Dass sie seit Beginn aus karnevalistischen und schwäbisch-alemannischen Elementen besteht. Das findet man sonst nirgendwo. Ich finde es auch reizvoll, das traditionelle Brauchtum zu bewahren, zu fördern und weiterzuentwickeln. Nur so wird die einzigartige Stellung der Stadt als Narrenhochburg gefestigt. Die große Motivation der Bevölkerung, aktiv bei der Fasnet mitzumachen, ist hervorzuheben. Was mir jedes Jahr Gänsehaut verursacht, ist unsere Narrenmesse: ein festlicher und bewegender Auftakt, um positiv gestimmt in den Fasnetssonntag zu gehen. Sie ist in dieser Form wohl einmalig. Eine lokale Spezialität sind auch unsere phantasievollen Laufgruppen.

An welche Begebenheiten erinnern Sie sich besonders gern?

In der Kampagne 2002/2003 gab es das Novum, dass Dietenheim innerhalb von 14 Tagen zwei große Umzüge auf die Straße brachte: den Narrensprung der Alb-Donau-Region zum 25. Geburtstag der Griasmolle und unseren traditionellen Umzug am Sonntag. Gern denke ich zurück an die Regentschaften meiner Kinder als Kinderprinzessinnen und -prinz. Dann war da noch die Jubiläumskampagne zu 125 Jahren Narrenzunft. Da kamen mehr als 50 ehemalige Prinzessinnen und Prinzen in die Narhalla. Und was mich auch immer bewegt, ist der triumphale Einmarsch des gesamten Hofstaats beim Hofball.

Es gab eine Zeit, da überschatteten Alkohol- und Gewaltexzesse Jugendlicher das Treiben. Welchen Weg fand man aus der Misere? Hat Ihnen bei der Strategie Ihr Beruf als Polizeibeamter geholfen?

An die Randale, die Scherben in der Innenstadt, an betrunkene Jugendliche, die mit Schreckschusspistolen hantierten, erinnere ich mit Grausen. Für ein Sicherheitskonzept mit Gefährderansprachen, Platzverweisen, professioneller Security und hoher Polizeipräsenz zogen Stadt, Veranstalter und Polizei an einem Strang. Bis heute gibt es regelmäßige Vor- und Nachbesprechungen, bei Bedarf wird die Gesamtkonzeption neu justiert. Wir haben es gut hinbekommen, denn solche Ausfälle gab es nicht mehr. Ich denke, mein Beruf als Polizeibeamter hat mir schon geholfen, diesen Tiefpunkt zu meistern.

Sie gelten als ausgleichend. Konfrontationen sind nicht Ihr Ding. Die Abspaltung der Ranzenburger Hexen war der Schlusspunkt interner Querelen. Wie ist der Umgang miteinander jetzt?

Freilich gab es hin und wieder Unstimmigkeiten oder unterschiedliche Sichtweisen.  Aber wir fanden meistens Lösungen, mit denen beide Seiten leben konnten. Dass die Hexen vor einigen Jahren dann doch eigene Wege gingen, kam für mich völlig überraschend. Mit diesem Schritt hatte ich nicht gerechnet. Aber die Hexen sind nach wie vor in Ranzenburg präsent und organisieren das Narrenbaumstellen, was sie richtig klasse machen, seither komplett eigenverantwortlich. Wir pflegen einen professionellen und freundschaftlichen Umgang miteinander. In der Fasnet arbeiten wir eng zusammen und tauschen uns aus, insbesondere beim närrischen Spektakel auf dem Marktplatz am Gompigen.

Die berühmt-berüchtigten Ranzenburger Bälle sind weniger geworden: Kein Musikerball mehr, auch die Bürgerwehr schwächelt. Zudem waren früher, zumindest gefühlt, mehr Laufgruppen unterwegs. Wie sieht die Fasnet der Zukunft für Sie aus? Muss etwas verändert werden?

Bei den Bällen müssen wir auf jeden Fall das Niveau halten. Noch weniger dürfen es nicht werden, sonst manövrieren wir uns ins Abseits, werden nicht mehr als Narrenhochburg wahrgenommen. Gleichwohl weiß ich, wie viel Arbeit die Ball-Veranstalter immer haben, abgesehen vom finanziellen Risiko. Wichtig ist, dass wir schon die Kleinsten an das Brauchtum heranführen. Dazu gehören für mich Kindergarten-Besuche und der Schulsturm...

...der ja dieses Jahr nur an der Grundschule und erstmals nicht an der Gemeinschaftsschule praktiziert worden ist. Warum eigentlich?

Die Schulleitung signalisierte uns, dass die älteren Schüler mit dem Schulsturm nicht mehr so viel anfangen können und die jüngeren Klassenstufen der GMS mittlerweile am Schulstandort Illerrieden unterrichtet werden. Vielleicht müssen wir uns wirklich ein neues Konstrukt, eine neue Form überlegen. Ad acta legen sollten wir den Schulsturm auch dort aber keinesfalls. Wir wollen schließlich auch die Jugendlichen erreichen.

Sie bleiben der RNZ verbunden?

Natürlich. Ich werde weiterhin aktiv im 11er-Rat mitarbeiten. Das ist Ehrensache.

Was wünschen Sie ihrem Nachfolger?

Viel Freude und Erfolg im Ehrenamt.

Zur Person

Biografie Man mag es kaum glauben, aber Uwe Bimek ist kein waschechter Dietenheimer. Nur noch ein schwacher Dialekt verrät den „Seehasen“. Bimek kam am 26.10.1959 in Friedrichshafen zur Welt und wuchs dort auf. Beruflich entschied er sich für eine Laufbahn als Polizeibeamter. Er kam 1976 zur Bereitschaftspolizei nach Biberach, wechselte 1978 zur Polizeidirektion Ulm. Der Liebe wegen verschlug es ihn 1987 nach Dietenheim. Bimek und seine Frau Susi haben drei Kinder: Franziska (24), Tim (22) und Theresa (17).

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